„Ariadne auf Naxos”: Luxuriöse Spielerei am Meer

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
„Ariadne auf Naxos” an der K
„Ariadne auf Naxos” an der Kölner Oper: Daniela Fally beweist als Zerbinetta großes Format und wird mit allen stimmakrobatischen Anforderungen der Partie mühelos fertig. Foto: Oper Köln

Köln. So ganz neu ist sie nicht, Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung von Richard Strauss’ skurrilster Oper „Ariadne auf Naxos”. 1996 in Brüssel aus der Taufe gehoben, bereiste sie diverse Opernbühnen bis hin nach Barcelona und Tel Aviv.

Im dritten Jahr seiner durchweg erfolgreichen Kölner Intendanz schenkte er sie jetzt seinem rheinischen Publikum, das die Premiere auch dankbar aufnahm.

Dennoch: Die Problematik des Stücks, die Verknüpfung von heroischer Oper und leichtfüßiger Buffa-Komik, die Diskrepanz zwischen Strauss’ eigener Einschätzung als „Spielerei” und Hofmannsthals tiefgründigen Einblicken in menschliche Treue und Todessehnsüchten kann Laufenberg nicht überspielen. Das merkwürdige Experiment mit seinem kruden Gattungs-Mix, entstanden im Umfeld des ersten Weltkriegs, wirkt noch künstlicher, dekadenter und - sorry - banaler als „Der Rosenkavalier”.

Blickfang ist die Eingangshalle

Blickfang der Inszenierung ist die wunderschöne Eingangshalle zum Palais des „reichsten Mannes von Wien”, die Tobias Hoheisel mit viel Marmor, weitläufigen Fensterpanoramen und einem ausladenden Treppenaufgang geradezu luxuriös ausstattet. Ein ideales Ambiente für das Vorspiel, das sich für den Hauptteil, die Tragödie der Ariadne, in eine Insel verwandelt mit Fensterausblicken auf das Meer.

Vor allem das Vorspiel inszeniert Laufenberg mit leichter, handwerklich makelloser Hand. Im Hauptteil isoliert er freilich Tragödie und Possenspiel strikt von-einander. Die Auftritte der Gauklertruppe inklusive der Bravour-Arie der Zerbinetta laufen weitgehend in Abwesenheit Ariadnes ab, die doch in ihrer Einsamkeit getröstet werden soll. Und Ariadne geht ihrer Trauer um den entschwundenen Theseus allein nach.

Dass die Commedia-dell’arte-Figuren des Gaukler-Quartetts wie der Bacchus eine todesmetaphorische Bedeutung haben, sieht und hört man der Kölner Aufführung nicht an. Den Auftritt des Bacchus inszeniert Laufenberg als dionysisches Bacchanal mit diversen mythischen Anspielungen und üppiger Phallus-Symbolik bunt und letztlich oberflächlich.

Eine luxuriös dekadente „Spielerei”: Dabei bleibt es in Köln. Gesungen wird auf hohem Niveau. Mit den stimmakrobtischen Anforderungen der Zerbinetta hat Daniela Fally nicht die geringste Mühe, eher mit den hintergründigen Zwischentönen der Rolle. Eine Ariadne mit persönlichem Charisma und einer ausladenden lyrischen Stimme verkörpert Barbara Haveman, deren Sopran sich in den Höhen allerdings unangenehm verhärtet, so dass kein Raum für besonders wohlklingende Höhenflüge bleibt.

Als Fehlbesetzung erweist sich Marco Jentzsch, ein tüchtiger Mozart-Tenor, dem es für den Bacchus an Kraft und metallischer Strahlkraft fehlt.

Musikchef Markus Stenz hat seine stärksten Momente in den kammermusikalisch dezenten Teilen des Werks, neigt aber zu einem dicklichen Klangbild und gibt der Musik wenig Freiraum zum Atmen.
Insgesamt eine Produktion, die die Probleme des fragwürdigen Stücks eher noch verstärkt.
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