Arabella Steinbacher: Mozart und weniger gespielte Stücke liegen ihr am Herzen

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Sie gehört zu den weltweit führenden Geigerinnen: Arabella Steinbacher. Foto: P. Rigaud

Aachen. Die international renommierte junge Geigerin Arabella Steinbacher ist die Solistin im ersten Meisterkonzert der neuen Saison am 3. November, um 20 Uhr im Aachener Eurogress. Unser Mitarbeiter Thomas Beaujean erreichte die 32-jährige Künstlerin in Prag zu einem Interview.

Sie eröffnen mit Ihrem Auftritt in Aachen die Saison der Meisterkonzerte, die unter neuer Leitung stehen. Haben Sie eine Beziehung zu Aachen, kennen Sie die Stadt, oder ist das Ihre erste Begegnung?

Steinbacher: Ich war, glaube ich, vor vielen Jahren schon mal in Aachen, bin sehr oft in Köln gewesen, in dieser Ecke ja, aber in Aachen selbst nur einmal.

Sie spielen zwei Mozart-Konzerte zusammen mit den Festival Strings Lucerne. Liegt Ihnen Mozart besonders am Herzen?

Steinbacher: Ja, ich bin mit Mozart praktisch aufgewachsen. Das war das Repertoire, das ich damals mit meiner Lehrerin Ana Chumachenko einstudiert habe. Mir liegt Mozart vielleicht auch von meinen Eltern her. Meine Mutter war Sängerin, und mein Vater hat viele Jahre Sänger gecoacht am Klavier an der Oper München. So habe ich als Kind immer schon Mozart-Arien gehört. Die Geige liegt dem Gesang doch sehr nahe. So war meine Beziehung zu Mozart immer schon sehr eng. Aber ich spiele ja auch sehr vieles aus dem 20. Jahrhundert.

Wenn man Ihre Konzertauftritte von 2014 nachliest, dann stellt man fest, dass Sie praktisch alle großen Konzerte der Violinliteratur spielen, dazu Recitals und ein wenig Kammermusik. Haben Sie Favoriten unter den Komponisten?

Steinbacher: Ich spiele besonders gern das Repertoire des 20. Jahrhunderts und versuche immer wieder, das Violinkonzert von Alban Berg anzubieten. Dazu die beiden Prokofieff-Konzerte, die ich auch eingespielt habe, und Schostakowitsch, also Konzerte, die leider im normalen Konzertbetrieb nicht so oft gespielt werden. Deshalb versuche ich immer wieder, Veranstalter dazu zu bewegen, sie ins Programm aufzunehmen.

Sie sind gebürtige Münchenerin und mit einer japanischen Mutter und einem deutschen Vater aufgewachsen. Hat das einen Einfluss auf Ihre musikalische Entwicklung gehabt?

Steinbacher: Vielleicht nicht direkt auf meine musikalische Entwicklung, aber sicherlich auf meine Persönlichkeitsentwicklung. Es sind doch völlig unterschiedliche Mentalitäten zwischen Deutschen und Japanern, sicherlich gibt es auch manches, was sie verbindet. Die Art, wie man miteinander umgeht, ist in Japan doch völlig anders, und ich denke, dass ich von meiner Mutter und meinen Großeltern, die ich jedes Jahr besuche, doch einiges mitbekommen ha- be. Ich fühle mich eigentlich nirgendwo ganz zu Hause, ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, fühle mich aber auch in Japan zu Hause. Ich verbinde das ganz stark mit Kindheitserinnerungen. Von daher kommt vielleicht auch meine Neigung, mich zurückzuziehen, und mein Hang zur Meditation.

Violinkonzerte mit bedeutenden Dirigenten und Orchestern sind das eine. Was bedeutet es Ihnen, mit Instrumentalkollegen Kammermusik zu machen? Haben Sie dazu überhaupt Zeit?

Steinbacher: Leider weniger. Aber vielleicht werde ich mir in Zukunft mehr Zeit dafür nehmen. Im Sommer mit meinen Kollegen auf Festivals Kammermusik zu spielen, macht sehr viel Spaß, aber das erfordert auch sehr viel Zeit. Ich bin nicht jemand, der in kürzester Zeit Programme so runterfetzen möchte. Ich finde es schade, dass man zwischen große Orchesterkonzerte ein Kammermusikprojekt reindrücken muss. Bei Festivals hat man mehr Zeit, um die Werke in Ruhe zu erarbeiten.

Wie hält man das als junge Künstlerin durch, 70 Konzerte jährlich in den großen Konzertsälen der Welt zu spielen, nahezu pausenlos unterwegs zu sein in einem Leben, das sich zwischen Flughafen, Hotel und Konzertsaal abspielt?

Steinbacher: Wenn man in schönen Städten sein darf wie jetzt in Prag, dann kann man das genießen. Es gibt aber Tourneen, bei denen man zwar in sehr schönen Städten spielt, aber leider überhaupt keine Zeit hat. Da muss man eben sehen, dass man innerlich Dinge findet, die einen ablenken oder die einem neue Kraft geben. Für mich ist es wichtig, dass ich mich zurückziehe, weil ich den ständigen Trubel um mich herum gar nicht ertrage. Deshalb schaue ich mich immer um, wo es in einer Stadt ein schönes Jazz-Konzert gibt, weil ich da so richtig entspannen kann.

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