Applaus spricht Bände: Publikum hält zu Abdullah

Von: Pedro Obiera
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Ganz Gentleman: Generalmusikdirektor Kazem Abdullah applaudierte im 7. Sinfoniekonzert seinem Sinfonieorchester Aachen, obwohl es ihn eiskalt abserviert hat. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der lang anhaltende Beifall nach dem siebten Sinfoniekonzert im gewohnt ausverkauften Aachener Eurogress hat bewiesen, dass das Publikum die Verdienste von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah zu schätzen weiß.

Gefordert werden klare Informationen seitens des Orchesters beziehungsweise der Intendanz zu den Gründen, die zur Nichtverlängerung seines Vertrags geführt haben. Dass man die Öffentlichkeit zwei Jahre lang mit der Version getäuscht hat, Abdullah habe aus eigenen Stücken die Verlängerung abgelehnt, kommt bei den Besuchern, die ihrem Orchester mit durchgängig ausverkauften Konzerten und begeisterter Zustimmung die Treue halten, gar nicht gut an.

Davon zeugten etliche Pausengespräche. Wenn das Publikum und viele unabhängige Beobachter die Entscheidung aus ihrer Sicht nicht nachvollziehen können, dann muss endlich Klarheit geschaffen werden.

Nach dem Kraftakt von Strawinskys „Sacre du Printemps“ blieb Abdullah der gewohnte Gentleman und ließ nicht die geringsten Ressentiments gegenüber dem Orchester erkennen. Im Gegenteil: Freundlich bedankte er sich bei fast jedem Musiker. Und auch das Orchester gab sein Bestes, obwohl angesichts der extremen Anforderungen an rhythmische Präzision und Intonationsreinheit eine zusätzliche Probe nicht geschadet hätte. Zumindest am Sonntag klapperte es öfter im Zusammenspiel.

Ein grundsätzliches Problem liegt in der Werksicht Abdullahs begründet, der einen hohen dynamischen Grundpegel ansetzt, so dass Steigerungen und Höhepunkte klanglich außer Kontrolle geraten. Angesichts des dynamischen Dauerdrucks verlor das Werk von seinem vorwärtsdrängenden Elan, so dass es sehr kompakt und teilweise schwerfällig wirkte. Die feinen Farbmischungen wurden vernachlässigt, etliche bitonale Reibungen durch Intonationstrübungen verzerrt.

Es gehört zu den Meriten Abdullahs, immer wieder an hierzulande kaum beachtete Preziosen der amerikanischen Musiklandschaft zu erinnern. Und dazu gehört auch Samuel Barber, der erheblich mehr Kostbares hinterlassen hat als sein populäres „Adagio for Strings“.

Dazu gehört auch die erste Symphonie, ein ekstatisch aufgeladenes Stück von brillanter orchestraler Leuchtkraft und energiegeladener Vitalität. Die Verbundenheit Abdullahs mit dieser Musik hörte man seiner inspirierten und innerlich bewegten Interpretation deutlich an, auch wenn sich hier bereits die dynamischen Probleme abzeichneten, die sich bei Strawinsky noch nachteiliger auswirken sollten.

Den Druckwellen Barbers und Strawinskys setzte Abdullah mit George Gershwins „Concerto in F“ zartere, teilweise impressionistisch luzide Klänge mit einem authentischen Blues-Feeling entgegen. Die junge französische Pianistin Lise de la Salle, die bereits vor einigen Wochen mit einem Prokofieff-Konzert die Herzen des Publikums eroberte, enttäuschte auch diesmal nicht und sprühte vor Brillanz, Agilität und treffsicherem Einfühlungsvermögen in die originäre Tonsprache Gershwins.

Das Publikum reagierte auch auf diese Leistung mit anhaltender Begeisterung. Zu bemerken ist noch das informative Programmheft, das Schüler der Neunten Klassen des St. Ursula Gymnasiums Geilenkirchen verfasst haben, die zugleich die Einführung des Wiederholungskonzerts übernahmen. Und am Ende des Sonntagskonzerts wurde noch Matthias Rein für seine mehr als 40-jährige Tätigkeit als Solo-Fagottist des Aachener Orchesters geehrt.

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