Düsseldorf - Angekommen in der Heimat: Struth-Ausstellung in Düsseldorf

Angekommen in der Heimat: Struth-Ausstellung in Düsseldorf

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Thomas Struth
Die Fotografien von Thomas Struth sind weltweit bekannt, seine Kunstwerke werden auf großen Auktionen zu Spitzenpreisen verkauft. Kaum zu glauben, dass Struth als einer bekanntesten Foto-Künstler Deutschlands erst jetzt seine erste große Ausstellung in der Heimat hat.

Düsseldorf. Ein bisschen Nervosität dürfte sich wohl auch bei Thomas Struth breitmachen angesichts dieser Premiere: In der ganzen Welt ist der Foto-Künstler für seine Fotos von Museumssälen, Urwäldern, Straßenzügen und zuletzt Maschinenräumen herumgereist.

Seine mit einer Plattenkamera produzierten Werke werden von Paris bis New York gezeigt. Doch noch nie hatte Struth eine Ausstellung mit all seinen Werkgruppen in Deutschland - und schon gar nicht in Düsseldorf, der Stadt, die berühmte Foto-Künstler wie ihn, Andreas Gursky und Thomas Ruff hervorgebracht hat.

Das hat sich nun geändert. Von Samstag bis zum 19. Juni sind in der Kunstsammlung NRW fast 110 großformatige Fotografien Struths zu sehen. Zuvor hatte die Schau in kleinerer Form Station in Zürich gemacht. „Ich bin wie ein Bote, der mit seinen Erzeugnissen woanders hinfährt”, sagt Struth im Gespräch mit der dpa. Dem 1954 am Niederrhein geborenen Künstler macht es „Spaß und große Freude” jetzt auch in der Heimat sein Werk zu präsentieren. „45 Jahre meines Lebens war ich hier, wo mich viele kennen.”

Struth hat eine besondere Künstler-Biographie, die in Malerei und Fotografie gleichermaßen wurzelt. Er studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie Malerei bei Gerhard Richter und Fotografie bei Bernd Becher. Zwar betont Struth: „Fotografie ist Fotografie, und Malerei ist Malerei. Beide konkurrieren miteinander.” Doch habe er durch seine Ausbildung als Maler ein starkes „Bewusstsein” für Bildkonstruktionen. Und so erscheinen die Porträtaufnahmen etwa der Familie seines Lehrers Richter oder die Aufnahme der Kirche San Zaccaria in Venedig wie Grenzgänge zwischen Foto und Gemälde.

Bei Gemälden habe der Maler die genaue Kontrolle über das Bild, bei Fotografien sei das anders, sagt Struth. So wartete er in San Zaccaria eine Woche lang, bis die von ihm gewollte Konstellation von Besuchern endlich auf den Kirchenbänken saß. Manchmal allerdings hilft der Künstler beim Motiv auch etwas nach. So engagierte Sruth für seine Aufnahmen im Pergamon-Museum in Berlin 135 Statisten von der Mutter mit Kinderwagen über Studenten und Senioren bis hin zu Asiaten.

Im Madrider Prado entstand das Foto einer Schulmädchengruppe vor einem Velásquez-Gemälde. Die Mädchen im Bild und vor dem Bild korrespondieren fast exakt - Struth wartete lange auf diese Gelegenheit. „Ich bin relativ ungeduldig”, sagt Struth über sich, was man angesichts dieser künstlerischen Akribie kaum fassen kann.

Struth fotografiert Menschen auch aus der Perspektive des Kunstwerks. Für eine halbe Million Euro wurde kürzlich sein Selbstbildnis vor dem Selbstporträt von Albrecht Dürer versteigert. Dürer schaut unbewegt „in die Kamera” - und es kommt zu einem Dialog. Das ist bei der Fotografie des Revolutionsgemäldes des Franzosen Eugène Delacroix im Nationalmuseum in Tokio anders. Die Besucher sitzen im Dunkeln vor dem erhöhten und entfernten Bild - die westeuropäische Kultur wirkt fremd in Asien.

In Argentinien fotografierte Struth ein Stahlwerk, „das auch ein Bühnenbild für ein Werk von Brecht sein könnte”. Menschenleer sind die Straßenzüge in Düsseldorf oder New York aus den 70er Jahren. Kaum zu erkennen sind die Menschen auf Balkonen der Hochhäuser in Südkorea. Der Mensch verschwindet bei Struth hinter dem gigantischen Werk, das er selbst geschaffen hat.

Seine jüngste Werkgruppe umfasst die „Maschinenräume der Moderne”. Mit seiner Technik aus dem 19. Jahrhundert fotografierte Struth das Gewirr von Apparaturen bei der Nasa in Cape Canaveral, im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik oder beim Gentest-Hersteller Qiagen. „Die politische Botschaft gibts gratis”, sagt er.

Die Homepage wurde aktualisiert