Andrea Breth: „Der Turbo-Kapitalismus zerstört alles”

Von: Guido Rademachers
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Interessanter Gast aus Wien: Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen, im Gespräch mit der Regisseurin Andrea Breth. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Ich glaube, wir müssen jetzt gar nicht so explizit politisch werden”, leitet Aachens Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck das Sonntagvormittag-Gespräch in den gut gefüllten Kammerspielen ein.

Er und der Förderverein „Theater Initiative Aachen” haben diesmal zum Thema „Die Notwendigkeit des Theaters” eingeladen. Schmitz-Aufterbeck hätte als Sprecher der „Ständigen Konferenz der Theaterintendanten NRW” wohl einiges über Düsseldorfer Ministerien zu sagen gehabt.

So aber begnügt er sich mit der Rolle als Stichwortgeber für seine prominente Gesprächspartnerin: Andrea Breth. „Allein aus ihren Arbeiten ergibt sich ja schon die Notwendigkeit des Theaters”, sagt er in seiner Einleitung.

Breth zählt zu den Top-Regisseurinnen im deutschsprachigen Raum. Die 58-Jährige inszeniert regelmäßig am Wiener Burgtheater. Ihre Arbeiten gelten als eher konservativ, allerdings gekennzeichnet durch ein unnachgiebig-genaues Untersuchen von Sprache und Figuren. Jetzt sitzt Breth fast regungslos im weißen Ledersessel neben Schmitz-Aufterbeck. Einen Tag zuvor ist sie ausgerutscht und gestürzt, sie kann sich kaum rühren, bleibt aber tapfer. Wenn sie redet, benutzt sie ein Mikrofon und bleibt dennoch leise.

Geduldig arbeitet sie Fragen nach ihrer Biografie ab, erzählt Probendetails. Und wird scharf. Etwa, wenn sie nach dem Ansehen eines Ausschnitts aus ihrer „Eugen Onegin”-Inszenierung von einer „Schrottaufzeichnung” spricht, die aus Kostengründen unter Zeitdruck entstanden sei.

„Die Qualität ist egal. Wir haben nichts mehr zu sagen.” Breth redet sich in einen rabenschwarzen Kulturpessimismus hinein Keine Bildung mehr, kein Anliegen, keine Utopie. Die Gesellschaft sei satt. Niemand brenne mehr für etwas. Alles verflache. Dagegen könne sie nur das Theater als Sprachrohr benutzen, mit der Qualität und Tiefe alter Texte, mit wirklichen Geschichten, nicht mit diesem „Film- und Fernsehmist”.

Und dann klingt es ein schon etwas resigniert: „Es ist grauenhaft, immer von früher zu erzählen. Aber zum Heute fällt mir nichts ein.” Breth legt nach: „Es ist dieser Turbo-Kapitalismus, der alles zerstört, und er wird Europa untergehen lassen.”

Nur nicht lamentieren

„Ein gutes Schlusswort”, findet Schmitz-Aufterbeck. Es folgt das vielleicht eindrücklichste Statement des Gastes zur Notwendigkeit des Theaters an diesem Vormittag. Breth interveniert: „Nee, so nicht! Wir dürfen nicht lamentieren. Wir müssen dazu beitragen, dass das nicht passiert.” Wie sie es mit ihrem Theater versucht, hat sie eindringlich im Gespräch dargelegt. Eine weitere Auskunft gibt sie am 7. Januar 2012. Dann hat ihre Inszenierung von Isaak Babels „Marija” am Düsseldorfer Schauspielhaus Premiere.
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