Alte Musik trifft auf Avantgarde

Von: Grit Schorn
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Höchste Konzentration zum Abschluss von „Schrittmacher”: Nach Motiven von Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise” schuf der Israeli Emanuel Gat eine atemberaubende Choreografie. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit der ungewöhnlichen Choreografie, die sich kongenial mit Musikstücken von Franz Schubert und Johann Sebastian Bach verbindet, setzte die letzte Aufführung des 14. Schrittmacher-Festivals für Tanz und „Tanzartiges” einen weiteren triumphalen Akzent.

„Voyage” hieß das zweiteilige Programm des aus Israel stammenden Choreografen Emanuel Gat, das die zahlreichen Besucher im Ludwig Forum faszinierte und zu lebhaften Gesprächen anregte.

In der Mulde eroberte sich die Compagnie aus Bremen eindrucksvoll den nötigen Raum, den Emanuel Gat für seine beiden Stücke „Winterreise” und „Trotz dem alten Drachen” vorgesehen hatte. In einzigartiger Weise kamen hier „alte” Musik und neue Tanz- Avantgarde zusammen, passend zum diesjährigen Motto „Modern”. Berückend und berührend die tänzerische Paarung von Sunju Kim und Jae Won Oh, für die Gat die Choreografie „Winterreise” neu eingerichtet hat.

Aus Schuberts gleichnamigem Liederzyklus waren bekannte Lieder wie „Der Lindenbaum” oder „Der Leiermann” zu hören. Die unfassbare Süße der Melancholie, aber auch der Schmerz um eine verlorene Liebe verbanden sich unmittelbar mit dem virtuosen Tanz des Paares, zunächst fast rituell-streng anmutend, sich später steigernd in dunkle Abgründe und kreatürliche Sinnlichkeit.

Gesang und Musik auf den tänzerischen Gestus zu übertragen, das gelingt auch im zweiten Teil mit dem Titel „Trotz dem alten Drachen”, der unmittelbar Bezug nimmt auf Johann Sebastian Bachs Motette „Jesu meine Freude”. Bachs sakrale Tonkunst, die die Abkehr von weltlichen Dingen und die Hinwendung zu einem Gott widerspiegelt, der über alle Traurigkeit triumphiert, wird vom neunköpfigen Ensemble in ebenso präzise wie sensible Bewegung umgesetzt.

Bei „Gute Nacht, o Wesen” erschauert so mancher Gast im Forum. Ganz still wird es in der Mulde, als das Ensemble - in fast geschlechtslosen Kostümen - ein verstörendes existenzielles Ringen demonstriert, das Körpersprache und Singstimmen zu einer dynamischen Einheit zusammenschweißt.

Ein Tanz auf Leben und Tod beginnt, ein Kampf letztlich, der über Vergänglichkeit und Grab hinweg in spirituelle Höhen führt. Begeisterung und viel Applaus für diese imponierende Gesamtleistung und das internationale Ensemble mit Héloise Fournier, Mimi Jeong, Sunju Kim, Frauke Scharf, Thomas Bünger, Constantin Georgescu, Robert Przbyl, Jae Won Oh, und Miroslaw Zydowicz.

2010 feiert man 15 Jahre „Schrittmacher”

Das Tanzfestival Schrittmacher 2009 hat bei elf Veranstaltungen rund 4000 begeisterte Zuschauer ins Ludwig Forum Aachen gelockt.

2010 findet das Festival zum 15. Mal statt, diesmal in der Zeit vom 19. Februar bis 28. März. Die Zahl der Abonenenten hat sich in diesem Jahr vervierfacht.

Als „Interreg-Projekt” soll Schrittmacher in Zukunft stärker mit Lüttich und Maastricht kooperieren. Veranstaltungsleiter war auch diesmal Rick Takvorian (Veranstaltungsmanagement Aachen). Demnächst gibt es neue Chancen bei einem weiteren NRW-Projekt „Tanzrecherche”.
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