Würselen - Almschrei und Alpen-Juchzer sind der Höhepunkt

Almschrei und Alpen-Juchzer sind der Höhepunkt

Von: Ralph Allgaier
Letzte Aktualisierung:
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Ihm gehen die Ideen noch lange nicht aus: Hubert von Goisern in Würselen. Foto: W. Sevenich

Würselen. „Ach, da kommt wieder dieser Jodler.” Abschätzige Bemerkungen solcher Art waren auf der ausverkauften Burg Wilhelm-stein vollkommen fehl am Platz.

Denn zur Freude des Publikums wurde zwar tatsächlich gejodelt, mit irgendwelchen Musikantenstadln hatte Hubert von Goiserns begeisternder Auftritt aber rein gar nichts zu tun. Der österreichische Ausnahmekünstler und seine vorzügliche Band gaben zweieinhalb Stunden Vollgas, dass die Gitarren nur so schepperten und das Auditorium stehend applaudierte.

Der Goiserer 2009 kommt deutlich rockiger und fetziger daher als zuletzt; mit einem Sound, der so reif, rund und ausgefeilt wirkt wie selten zuvor. Und auf faszinierende Weise versteht es der 56-jährige Akkordeon-Virtuose, Gitarrist, Trompeter und Sänger, heimat- und traditionsverbunden zu bleiben und gleichzeitig offen zu sein für die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse.

So war es auch in Würselen ein Konzert voller überraschender Stilwechsel, vom ausgelassen krawalligen Hard-Rock über federleicht wippenden Reggae-Groove, orientalisch anmutenden Geigenspiel und leicht angejazzten Soul bis hin zu wunderschön-träumerischen Balladen. Und gerade bei jenen ruhigeren Momenten auf der Bühne wurden die Almschreie und Alpen-Juchzer zu einem echten Höhepunkt, gerade weil sie in völlig ungewohnter Weise erklingen.

Besonders eindrücklich gelang dies bei einer Soloeinlage von Maria Moling. Die 25-jährige Südtirolerin, die bereits mit fulminantem Percussionspiel in den Blickpunkt gerückt war, verzückte mit einer hingebungsvollen Jodeleinlage vor bombastischem Synthieklangteppich, der eher an Unterwassermusik als an Hüttengaudi erinnerte. Von Goisern, der sich schon in Tibet, auf den Philippinen und in Ägypten musikalisch inspirieren ließ, ist immer zu haben für reizvolle Experimente.

So auf der aktuellen CD „S´nix” im Duett mit Xavier Naidoo. Das Stück „Siagst as”, das auch ohne den „Sohn Mannheims” in Würselen besonders hervorstach, ist eine monumentale Komposition mit außergewöhnlichen elektronischen Effekten und einem tiefsinnigen Text, der ans Herz geht.

Doch ehe es allzu melancholisch werden könnte, vollzieht der Goiserer auch schon den nächsten Stimmungswechsel und hüpft mit seinen jungen Musikern (besonders erwähnenswert die beiden Geigerinnen und Sängerinnen Marlene und Elisabeth Schuen) vergnügt über die Bühne. Die pure Lebensfreude. Der Hubert scheint mit seinen Ideen noch lange nicht am Ende zu sein.
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