Bonn - „Alles Heldinnen”: Frauenmuseen in Bonn vereint

„Alles Heldinnen”: Frauenmuseen in Bonn vereint

Von: Torben Klausa, dpa
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Frauenmuseun in Bonn
Die Gründerin und Direktorin des Frauenmuseums in Bonn, Marianne Pitzen. Foto: dpa

Bonn. „Wir sind jetzt da, wo wir in den Siebzigern mal sein wollten.” Marianne Pitzen, Chefin des Bonner Frauenmuseums, ist stolz auf die Entwicklung. Sie gründete 1981 als Vorreiterin „die Mutter aller Frauenmuseen” am Rhein.

Die Pionierarbeit wurde eine allseits anerkannte Erfolgsstory - und auch zum Vorbild für Fraueninitiativen in anderen Ländern. Zeit für eine Zwischenbilanz und einen Blick in die Zukunft: Das Bonner Haus zeigt von diesem Mittwoch an eine gemeinsame Ausstellung von 28 Frauenmuseen - eine bisher einmalige Schau. Zugleich wollen die Vertreterinnen auf einer Konferenz über die Perspektiven der weltweiten Zusammenarbeit diskutieren.

„Idole - Role-Models - Heldinnen” lautet der Titel der Schau. Dort präsentieren die teilnehmenden Häuser ihre eigene Historie, Kunstwerke aus ihrem Bestand sowie Geschichten außergewöhnlicher Frauen ihres Landes. Von Argentinien bis Vietnam reicht die alphabetische Liste der ausstellenden Museen, die bis zum 8. November zu sehen sind. Unter den „Heldinnen” finden sich zum Beispiel eine Flugpionierin, die „Königin des Flamenco”, eine Kultpriesterin und die letzte „Königin der Wikingerzeit”.

Auch aus Ländern, die nicht gerade durch eine frauenfreundliche Politik glänzen, kommen Beiträge zur Ausstellung: Angestoßen durch das damalige erste Treffen des Netzwerks „womeninmuseum” im Südtiroler Kurort Meran begann 2008 in Iran die Planung zu einem Frauenmuseum. Dort ist das Ziel, neben dem Museumsbetrieb auch eine unabhängige Bildungseinrichtung für Frauen zu schaffen. Solche neuen Projekte zu fördern ist nach Angaben Pitzens ein großes Anliegen der bestehenden Frauenmuseen. Umso notwendiger also, auf der Konferenz ein starkes Netzwerk zu schaffen, „das uns unterstützen kann”, wie die Museumsdirektorin hofft.

Für ein internationales Netzwerk müssen Hürden überwunden werden: Über 100 000 Euro kostet die von der EU geförderte Konferenz in Bonn, zu der 28 Frauenmuseen aus über 20 Ländern geladen wurden. Vor allem organisatorische Fragen sind ein Thema. Was ist überhaupt ein Frauenmuseum? Muss es real existieren, oder kann es auch - wie in Frankreich - nur virtuell im Internet zu finden sein? Liegen die Aufgaben ausschließlich in der Präsentation von feministischen Ausstellungen oder auch im politischen Engagement wie in den USA?

Dass die „Institution Frauenmuseum” überhaupt benötigt wird, daran lassen die Bonner Macherinnen jedenfalls keinen Zweifel. Nur 0,03 Prozent der Kunstsammlung NRW seien 1997 Werke von Künstlerinnen gewesen, berichtet Pitzen. Doch gegen solche Zahlen wird jetzt angesteuert: Die Direktorin spricht von einer „Welle der Gründungen”, einer „ziemlichen kulturellen Bewegung”, die da ausgelöst worden sei. Getragen wird der Trend von einer selbstbewussten Gemeinschaft. Die argentinischen Teilnehmer erklärten zur Frage nach ihrer Nationalheldin: „Eine Heldin? Nein! Wir sind alle Heldinnen.”
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