Alles grün, alles schön, alles easy

Von: Grit Schorn
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Fremdkörper: Jens Eisenbeiser
Fremdkörper: Jens Eisenbeiser, Tobias Steffen und Mike Kühne (v.l.) in Lutz Hübners „Die Firma dankt” im Das Da Theater. Foto: Wilfried Schumacher

Aachen. Schon der erste kurze Blick macht neugierig: In einem großen, kirschbaumgetäfelten Raum sitzt ein Mann im tadellosen Anzug und schläft. Neben ihm: eine Büste mit dem Namen Rabe. Träumt er?

Szenenwechsel: Ein eleganter, heller Raum mit Ausblick auf eine Birkenhain-Idylle, mit Reh, Wildschwein und Wolf, ausgestopft natürlich, und lebendigen Kaninchen. Und wieder sitzt unser Mann in einem bequemen Sessel. Eingenickt. Jäh aufgeweckt von einer hübschen Blondine, erfährt dieser Herr Krusenstern, dass sich gleich „John” um ihn kümmern werde. Er möge doch seinen „Urlaub im Gästehaus” der Firma genießen. Unwirsch wehrt er alle freundlichen Betreuungsangebote der blonden „Mayumi” ab. Gereizt wirkt der Anzugträger (Kostüme: Michaela Gabauer), denn es stehen große Veränderungen in der Firma bevor.

„Die Firma dankt”, das neue Stück von Lutz Hübner, dem meistgespielten deutschen Bühnenautor, feierte jetzt im Aachener Das Da Theater Premiere: Regisseur Tom Hirtz hat die Abgründe der schönen neuen Arbeitswelt packend in Szene gesetzt, mit ausgezeichneten Schauspieler und einem raffinierten Schluss.

Alles im Gästehaus ist viel zu grün, zu schön und zu luxuriös (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen). Krusenstern, seit fast 20 Jahren in der Firma, kann sich mit dem betont lockeren Gesprächston von John, der Personal-Trainerin Ella und dem Jungspund Sandor nicht anfreunden. Alles ist „easy”, und nichts scheint ernst gemeint: „just kidding” - alles nur ein Scherz? Die überdimensionale Tierskulptur mit roten Albinoaugen ist mehr als ein Blickfang, sie verweist bereits auf „moderne Zeiten”, denn aus dem einstigen Firmengründernamen Rabe wird nun das Logo „Rabbit”.

Facettenreich und erschütternd lebensecht verkörpert Jens Eisenbeiser den drangsalierten Abteilungsleiter, dessen „altmodische” Gesprächsführung und Arbeitsauffassung auf Spott und Unverständnis stoßen. Die neue Firmenleitung - mit nahezu kafkaeskem Auftreten - macht Krusenstern unsicher und gereizt. Gesprächsführer John (glänzend ambivalent: Mike Kühne) tritt mehr und mehr in den Hintergrund, und Personal-Trainerin Ella (tückisch-sanft: Rebecca Selle) wird als Trauerbegleiterin für „freigestellte” Mitarbeiter sebst zur Verliererin. Süß und berührend Nicole Gütling als blonde „Assistentin” - ein Fußabtreter für die höheren Ränge. Apropos Rangordnung: der blutjunge Sandor, kunterbunt geschmacklos gekleidet (Kostüme: Michaela Gabauer), stellt sich als neuer Chef heraus - ein Youngster, der das Pop-Art- und Kommerzgenie Andy Warhol verehrt. Beängstigend gut gespielt von Tobias Steffen, offenbart Sandor dem altgedienten Abteilungsleiter, dass „Rabbit” eigentlich keine Produkte verkaufe, sondern Träume und Gefühle.

Alles scheint nur noch ein spannendes Spiel zu sein, ernsthafte Arbeit ist verpönt, riskante Aktien-Spekulationen und Dax-Spielchen sollen echte Innovationen und Teamwork ablösen. Wer braucht da noch einen Abteilungsleiter für Entwicklung? Böser und böser wird dieses Firmen-Monopoly - auch bei Krusenstern selbst, der seine eigene dunkle Seite noch nicht kannte. Spannend bis zum raffinierten Schluss, hintergründig und auch sehr witzig ist die Inszenierung von Tom Hirtz, der am Ende noch die Puppen tanzen lässt: Das Ensemble versucht sich unter Stroboskop-Blitzen als Warhol-Band mit weißen Warhol-Perücken.

Verdienter großer Applaus.

Weitere Termine und Informationen

Lutz Hübners „Die Firma dankt”ist noch bis zum 13. November jeweils donnerstags, freitags, samstags und sonntags um 20 Uhr im Aachener Das Da Theater, Liebigstraße 9, zu sehen.

Karten-Telefon: Tel. 0241/161688.

Infos im Internet: http://www.dasda.de

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