Alexander von Pfeil bringt „Die Banditen“ auf die Bühne

Von: Jenny Schmetz
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Am Regiepult: Alexander von Pfeil inszeniert bereits zum vierten Mal am Theater Aachen – jetzt seine erste Operette. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Oh weia, Operette! Schwülstig und nostalgisch? Nein, so soll es nicht werden, versichert der Regisseur Alexander von Pfeil. Jacques Offenbachs Opéra bouffe „Die Banditen“ sei scharf und gesellschaftskritisch. Sie biete – neben „brillanten Musiknummern“ – eine „politische Farce“ mit „aberwitziger Story“, „spannenden Figuren“ und „toll gebauten Dialogen“.

Und wer von Pfeils drei bisherige Aachener Inszenierungen in Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Piero Vinci- guerra gesehen hat, der weiß: Eine spießig-plüschige Ausstattungsorgie ist nicht zu erwarten.

„Ja, das ist meine erste Operette“, sagt der 43-Jährige und blickt fast entschuldigend durch seine randlose Brille. „Und es ist großartig!“ Für ihn „ein willkommenes Kontrastprogramm“ zu seiner letzten Inszenierung, der „Salome“ in Würzburg. Bei aller Komik werden „Die Banditen“ gerne als „Stück zur Krise“ gesehen. Denn da gibt es nicht nur verschuldete Staaten, selbst die Räuber sind bankrott. Und Politiker entpuppen sich als die größten Schurken. „Ein sehr böser, satirischer und gleichzeitig liebevoller Blick auf die Verhältnisse“, meint der Regisseur.

Diese Verhältnisse holt er wieder nah an unsere Gegenwart heran. Das 1869 uraufgeführte Werk spielt bei ihm in den 1980er Jahren. Da können sich die Gauner etwa mit breiten Schulterpolstern besonders glamourös aufplustern. Denn hier dreht sich alles um Verkleidung, Verstellung, Verwechslung – mehr Schein als Sein.

Da zücken die Banditen natürlich auch keine Arkebusen, sondern Maschinengewehre. „Aber es gibt keine Gewaltexzesse“, beschwichtigt Alexander von Pfeil, der das Publikum in Aachen schon mehrfach polarisiert hat. „Es wird vielleicht mal ein Goldzahn gezogen“, schiebt er leise hinterher. Aber es fließt wohl mehr Alkohol als Blut. Auch wer eine Klo-Orgie wie aus seiner „Falstaff“-Inszenierung befürchtet, sei beruhigt: „In dieser Hinsicht ist nichts zu erwarten.“ Während Star-Regisseur Herbert Fritsch „Die Banditen“ in Bremen als Kasperlefiguren in den Slapstick-Exzess getrieben hat, hört sich von Pfeils Ansatz eher brav an: „Ich versuche einfach, den Figuren zu folgen.“ Also: realistisch-psychologisch individuelle Nuancen der Figuren herauszuarbeiten.

Die Gefahr des Abdriftens in die Klamotte à la „Wirtshaus im Spessart“ sieht er daher nicht. Zumal weder Wald noch Wirtshaus auf der Bühne zu finden sind, sondern „ein merkwürdiger Zwischenraum“ aus Konferenzgebäude und Hinterhof. Da ist auch Platz für einen großer Müllcontainer, in dem der Schatzkanzler unliebsame Akten verschwinden lassen kann.

Diesen Oberschurken verkörpert Rainer Krause, denn neben etlichen Sängern – an der Spitze Patricio Arroyo als Gaunerchef Falsacappa und Jelena Rakic als seine Tochter Fiorella – sind mit ihm und Björn Jacobsen auch zwei Schauspieler in Aktion: eine Riesen-Besetzung mit rund 40 Akteuren auf der Bühne. Für den Regisseur also auch „ein großes logistisches Unterfangen“. Eine ausgefeilte Personenführung, für die Kritiker ihn oft rühmen, braucht Zeit. Aber die drängt. Doch seine schulterlangen, blonden Haare rauft er bei der Probe erstaunlich selten. Alexander von Pfeil scheint ruhig und gelassen. Droht da noch eine Krise? „Nur die ganz normale Krise wie vor jeder Premiere.“

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