„Aida”: Ägypten wird nach Italien verpflanzt

Von: Pedro Obiera
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Ungewöhnliches Regiekonzept: Verdis „Aida”mit der chinesischen Sängerin Hui He (Mitte) in der Titelrolle wird an der Kölner Oper kurzerhand in ein imaginäres katholisches Kloster verlegt. Foto: Oper Köln

Köln. Im Vorfeld der „Aida”-Premiere an der Kölner Oper zog vor allem Mode-Zar Christian Lacroix das Interesse auf sich. Von seinen Kostümen versprach man sich besondere optische Akzente. Erwartungen, die er nur punktuell befriedigen konnte. Dafür schränkte das Regie-Konzept von Johannes Erath die Fantasie des Meisters zu schmerzlich ein. Und auch die Ausstrahlungskraft der prominenten Sängerbesetzung schien unter der starren Regie zu leiden. Zum Glück nicht die musikalische Qualität, die vor allem von den weiblichen Protagonisten und dem Gastdirigenten Will Humburg getragen wurde.

Am Premierenbeifall ließen sich die Unterschiede nur graduell ablesen. Das Publikum überschüttete Sänger, Musiker und das szenische Team mit wohlwollendem bis begeistertem Beifall ohne einen einzigen Buh-Ruf.

Leergefegte Bühne

Zu sehen ist eine von Kaspar Glarner schwarz ausgekleidete und leergefegte Bühne ohne ägyptisches Flair. Das Volk tummelt sich in Alltagskleidung, die gedemütigten Äthiopier kriechen in biederer Unterwäsche über die Bühne. Die ägyptische Mythologie verpflanzte Erath kurzerhand in die katholische Welt eines imaginären Klosters. Entsprechend tritt Aida als unterwürfige Novizin auf, während der König und Priester im üppig, aber auch konventionell geschneiderten Ornat der päpstlichen Glaubenskongregation auftreten. Amneris, die Tochter des Königs alias Papstes, will, wie auch große Teile des Textes, nicht so recht in das Schema passen, so wie die Übertragung in den Pseudo-Vatikan nicht nur willkürlich wirkt, sondern auch nichts zum tieferen Verständnis beiträgt. Die bösen Früchte übersteigerten religiösen Fanatismus´ am Katholizismus festzumachen, engt die Botschaft des Stücks unnötig ein. Heute mehr denn je.

Zusammen mit der teilweise unbeholfenen und antiquierten Personenführung wirkt die Kölner „Aida” umso altmodischer, je moderner sie sich geben will. Stark wirkt sie nur, wenn die Abstraktion konsequent durchgezogen wird. Etwa im Triumphmarsch, wenn die unterlegenen Äthiopier die vermeintlichen ägyptischen Sieger auf einem riesigen Floß aus der Dunkelheit auf die Bühne ziehen, oder wenn die gnadenlosen Priester im letzten Akt wie schemenhafte Gespenster die Szene bedrohen.

Die emotionalen Dimensionen der Liebesgeschichte bleiben dagegen auf der Strecke, was sich auf die Präsenz der Sänger unangenehm auswirkt. Die international gefeierte Chinesin Hui He singt die Aida mit großen lyrischen Qualitäten und Höhenflügen von perfekter Schönheit, wirkt aber dennoch gehemmt. Ebenso der stimmlich phänomenale Scott MacAllister, der hier als Radames weit weniger tenoralen Glanz verströmt als gewohnt.

Am unbeschwertesten, vor allem in den ersten Akten, kann sich noch die junge, hoffnungsvolle Mezzosopranistin Jovita Vaskeviciute als Amneris (in einem Brautkleid mit märchenhaft langer Schleppe) entfalten. Mikhail Kazakov überzeugt als Ramphis mit erfreulich tiefer Bassschwärze. Zu grobschlächtig legt dagegen Samuel Youn den Amonasro an.

Will Humburg, einst gefeierter Musikchef in Hagen und Münster, animiert das Gürzenich-Orchester zu einem ungewöhnlich sensiblen Spiel und lässt im Orchestergraben die sinnliche Zartheit der Liebesgeschichte hörbar werden, die man auf der Bühne vermissen muss.

Eine insgesamt unausgegorene Produktion mit starken musikalischen Akzenten.

Die nächsten Aufführungen im Kölner Opernhaus: am 18., 19., 21., 22., 23., 25., 26., 28., 29. und 30. Januar.
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