Affordable Art Fair in Maastricht: „Hervorragendes Konzept, tolle Idee“

Von: Eckhard Hoog
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Erschwingliche Kunst im historischen Industriegebäude der Maastrichter „Timmerfabriek“: 52 internationale Galeristen präsentieren hier ein breites Angebot zeitgenössischer Kunst bis zu einem Preis von maximal 5000 Euro. Foto: Andreas Herrmann

Maastricht. „Du musst kein Rockefeller sein, um Kunst zu sammeln.“ So lautete das Credo von Herb und Dorothy Vogel, einem New Yorker Postbeamten und einer Bibliothekarin, die nach ihrer Heirat 1962 in 50 Jahren eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der USA zusammentrugen – 4782 Werke, bei einem Jahreseinkommen von 23.000 Dollar.

Einen treffenderen Wahlspruch hätte die Affordable Art Fair (AAF), die „Messe für erschwingliche Kunst“, die jetzt zum ersten Mal ihre Pforten in Maas-tricht geöffnet hat, wohl kaum als Motto wählen können. 45 Galerien überwiegend aus den Niederlanden, aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Singapur und den USA präsentieren hier bis Sonntag ihr Angebot – eine absolute Bereicherung für das gesamte Dreiländereck. Aus Aachen nimmt die Galerie Artco teil.

Charme der Industriearchitektur

Die Messehalle entspricht ganz dem Zweck, die Wünsche von Kunstfreunden mit einem eher durchschnittlichen Portemonnaie zu erfüllen, deshalb findet die AAF auch nicht wie die Tefaf im teuer zu mietenden Kongresszentrum MECC statt, sondern in der „Timmerfabriek“ am Rande der Innenstadt. Das historische Fabrikgebäude steht seit 1996 unter Denkmalschutz und dient bereits seit längerem als Ausstellungshalle.

Der ziemlich roh überkommene Charme der über hundert Jahre alten Industriearchitektur mit ihren roten Ziegelwänden und dem typischen Sheddach liefert die ansprechende Atmosphäre für einen ausgesprochen locker-lässigen Umgang mit zeitgenössischer Kunst. „Eine hervorragende Idee, ein tolles Konzept“, findet Ingo Strelow, der zusammen mit Stephanie Göseke die Galerie KuRa in Hamburg betreibt. Nach Hamburg, Amsterdam und Brüssel nehmen sie jetzt zum vierten Mal an einer Affordable Art Fair teil. „Das ist immer großartig organisiert, es herrscht eine tolle Stimmung. Vor allem: Hier gibt es kein elitäres Gehabe“, sagt Strelow. Er und Göseke hatten sich mit ihrer KuRa für die AAF beworben, ein Komitee entschied über die Teilnahme.

Drei Bedingungen

Die Bedingungen: „Jede Galerie muss drei lebende Künstler vertreten, die Preise dürfen nur zwischen 100 und maximal 5000 Euro liegen, und jedes Werk muss preislich ausgezeichnet sein.“ Wer hier Kunst kauft, braucht nicht zu fürchten, in Gesprächen mit Galeristen eine peinliche Ahnungslosigkeit zu offenbaren. Strelow: „Wem etwas gefällt, der kann es gleich von der Wand herunter kaufen und einfach mitnehmen.“ Die Messe liefert den Einpackservice dazu gratis – und am Wochenende sogar eine Kinderbetreuung.

Genauso hatte sich der Londoner Galerist Will Ramsay sein Kunstmessen-Modell für Einsteiger und Liebhaber mit schmalerer Börse vorgestellt, als er 1999 die erste Affordable Art Fair an der Themse aus der Taufe hob. Mittlerweile gibt es zwölf internationale Ableger zwischen New York, Singapur, Brüssel und Mexiko-Stadt, sechs davon in Europa. Die Devise ist denkbar einfach: Kunst für alle! „Und die bekommt hier auf sehr schöne Weise ein Gesicht“, erklärt Stephanie Göseke. Sie hat – wie viele andere Kollegen auf der AAF – ihre Künstler zur Messe gleich mitgebracht. „So bekommt der Kunde, der hier ein Bild kauft, einen sehr persönlichen Bezug zu dem Werk.“

Das Angebot umfasst die ganze Bandbreite der zeitgenössischen Kunst – Skulptur, Malerei, Fotografie, Grafik, abstrakt, figurativ, wie auch immer – ausjuriert von einer qualitätsprüfenden Expertengruppe.

Wer mag, kann sogar ein Schnäppchen von Künstlern ergattern, die sonst in utopischen Preisregionen vom Multimillionen rangieren. Zum Beispiel der Brite Damien Hirst, dessen eingelegt Haie für gewöhnlich ab acht Millionen Dollar zu haben sind. Die Galerie Kunsthuizen mit Filialen in fünf niederländischen Städten bietet einige seiner glitzernde Grafiken an, die angeblich mit originalem Diamantstaub gewirkt sind – für 3400 Euro das Stück. Allein: Das eigenwillige Bildmotiv verlangt nach einer passenden Umgebung und eignet sich nicht unbedingt als Zierrat über dem Wohnzimmersofa. Der blitzende Totenschädel ist die Grafikversion von Hirsts diamantenbesetztem Platinkopf, dem mit 75 Millionen Euro teuersten zeitgenössischen Kunstwerk der Welt. Auflage der Grafik: 1000 Stück. Bei Kunstheuzen kann man die auch mieten. Kostenpunkt: 34 Euro pro Monat. Galerist Henk Jan Mulder setzt darauf, in Maastricht ganz neue, vor allem junge Kundschaft zu gewinnen. „Hier ist es einfach sehr viel lässiger als auf einer traditionellen Kunstmesse“, sagt er. Einen Mix aus etablierten und aufstrebenden Künstlern findet er ideal für die AAF.

Elitär ist anders

Die ganz jungen Talente kommen im Erdgeschoss der Timmerfabriek zum Zuge: Kreative, die zwischen 2010 und 2013 ihr Studium an der Maastricht Academy of Fine Arts and Design absolviert haben. Auf dieser Etage kann sich der Novize unter den Kunstsammlern ganz langsam, ohne Schwellenangst, an die noch etwas unbekannte Galeristenszene gewöhnen und an der einschlägigen Bude erst mal eine Portion „Verse Friet“ einnehmen. In der Tat: Elitär ist anders.

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