Ärzte-Konzert: Riesige Party mit La-Ola-Wellen

Von: Susanne Schramm
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Sie „verarzteten“ 35 000 Fans im Kölner Stadion: Die Ärzte mit Bela B. an den Drums. Foto: Thomas Brill

Köln. Wer die „beste Band der Welt“ ist, daran herrscht für 35.000 Fans in „Hennes Stall“ (O-Ton Ärzte) am Samstagabend im Kölner Stadion kein Zweifel. Seit dem späten Nachmittag haben die Bands The Damned, Triggerfinger und LaBrassbanda beim „Ärztival“ unter freiem Himmel ordentlich vorgeglüht, und wenn um 20.24 Uhr der Schriftzug „Die Ärzte“, aus goldenen Lichtpunkten auf schwarze Leinwand gestickt, aufleuchtet, bricht sich die Vorfreude in wildem Jubel Bahn.

„Wie es geht“ eröffnet einen dreistündigen Konzertmarathon, die Setliste verzeichnet 24 Stücke und sieben Zugaben.

Blondschopf Farin Urlaub, Steh-Drummer Bela B. und Anzugträger Rodrigo González können auf ein Publikum vertrauen, das genau weiß, was als nächstes kommt. „ZeiDverschwÄndung“, wenn der Satz „Hast du nicht Besseres zu tun, als die Ärzte zu hören?“ fällt, „Unrockbar“, wenn die Aufforderung zum Sit-In erklingt oder „Wir sind die Besten“, wenn es ironisch heißt „Es ist fast dunkel, es ist fast das letzte Lied“. Da stehen noch 90 Minuten Spielzeit aus.

Farin Urlaub und Bela B. flaxen in gewohnter Manier sich und das Publikum an („Wir sind ja eine Band, die viel redet“), Gonzalez, obschon von den Kollegen zum „König der Nacht“ ernannt, ist ein eher ruhiger Vertreter, der sich hier und da aber auch das Grinsen nicht verkneifen kann. Die Lautstärke fällt, wie erwartet, satt aus, klingt dabei aber nicht unangenehm krawallig. „Ist das noch Punkrock?“, lautet die in Liedform gestellte Frage, die sich nicht ohne Weiteres beantworten lässt.

Im Repertoire gibt es Härtefälle („Ignorama“), Kuschel- und Kussballaden („Mach die Augen zu“) und poppige Stücke („Westerland“). Und natürlich solche Hymnen wie „Schrei nach Liebe“. Das nimmermüde Kollektiv der Zuschauer ist ständig gefragt, beim Mitsingen, La-Ola-Welle-Machen oder Kleidungsstücke bei „Waldspaziergang mit Folgen“ wie bunte Windräder über den Kopf kreiseln lassen. Von oben muss das wunderschön aussehen.

Fachgerecht verarztet (verärztet?) werden Cliquen, Paare, Freundinnen und Väter mit kleinen Söhnen oder Töchtern. Die Ärzte sind eine Spaßband für viele Generationen, für verliebte Mädels („Ich will mit dir ins Bett, Bela!“), für Arbeitskollegen und die ganze Familie. Ist das jetzt noch ein Konzert? Oder eine riesige Party?

Darüber möchte niemand streiten. Die Atmosphäre ist viel zu endorphingesättigt.

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