Adele in der Lanxess Arena: Ein einzigartiger Diamant

Von: Susanne Schramm
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Adele
Die Sängerin Adele ist zurück in Deutschland. Zuletzt trat sie im Dezember bei einer RTL-Sendung auf. Foto: Henning Kaiser/dpa

Köln. Nein. Es gab keine Tänzer mit vom Schweiß wie lackiert glänzenden Sixpacks. Keine Bühneaufbauten, die an die Visionen eines unter Drogen durch geknallten Hollywood-Regisseurs erinnern. Sie ist weder von einem riesigen Kronleuchter herab geschwebt, noch hat sie vor pinkfarbenen Panzern posiert oder ist auf einem aufblasbaren Hot Dog geritten. Und der Peinlichkeit, ohne Assistenz keine Treppe rauf- oder runter zu kommen, weil ihre Absätze viel zu hoch sind, hat sie sich auch nicht ausgesetzt. Adele spielt in einer anderen Liga.

Die beiden Shows der 28-jährigen Londonerin waren bei Vorverkaufsbeginn in wenigen Minuten ausverkauft. Das hätte auch an weiteren sechs oder sieben Abenden funktioniert, ließ das Arena-Management verlauten. So aber reichte das Kontingent, Samstag und Sonntag zusammen genommen, für „nur“ 30.000 Fans. Deutschlandweit gehören neben Köln bloß zwei weitere Städte zu den auserwählten, zuletzt war die Sängerin und Songschreiberin vor vier Jahren auf Tour.

Schon jetzt wird sie zu den erfolgreichsten Frauen ihres Fachs im 21. Jahrhundert gezählt. Entsprechend groß der Hype. Und auch die Verärgerung. Bei den Kölner Konzerten müssen die Pressefotografen draußen bleiben, selbst dpa genießt da keine Sonderrechte. Angesichts von 15.000 Menschen, die um die Wette filmen, fotografieren und Blitzlichter aufflammen lassen, ist das schon ein bisschen, hm, absonderlich?

Sicher. Eine Modelfigur hat Adele Laurie Blue Adkins nicht. Und wenn sie da, am Samstagabend um 20.11 Uhr mitten im Innenraum auf einer quadratischen Mittelbühne auftaucht, „Hello“ wispert und das Scheinwerferlicht die Pailletten auf ihrem schwarzen Kleid in allen Farben des Regenbogens reflektiert, dann sieht man das auch.

Was man zeitgleich auf der Leinwand der Hauptbühne sieht, ist das wunderschöne Gesicht einer Frau, das Vergleiche mit dem einer Greta Garbo nicht zu scheuen braucht. Und was man hört, ist eine Stimme, die man niemals wieder vergisst, wenn man sie jemals, nur einmal, vernommen hat. Da kommen, was die Fülle, die Strahlkraft, die Leidenschaft, angeht, alle Arianas, Rihannas und Mileys dieser Welt nicht mit. Und selbst eine Mariah hört sich dagegen an, als wetteifere eine Glühbirne mit einem Kraftwerk.

Die knapp zwei Stunden (inklusive drei Zugaben) mit Adele geraten edel und erstklassig. Edel, weil im Mittelpunkt endlich wieder das steht, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte. Musik. Die aber nicht so rüber kommt, als hätte da jemand eine Armada von Ghettoblastern auf volle Lautstärke aufgedreht und wundert sich hinterher, dass alles im Klangbrei untergeht. Stattdessen gelingt es den Tontechnikern, etwas zu zaubern, das sich anhört, wie sonst nur in der Philharmonie.

18 Musiker, mit Bläsern und Streichern, drei Backgroundstimmen und die eigentliche Protagonistin – all das glasklar und akzentuiert. Erstklassig deshalb, weil man an diesem Abend genau das bekommt, was man bekommen wollte. Einen herrlichen Querschnitt durch Adeles bisher drei Alben, der von „Hometown Glory“ (mit eingeblendetem Köln-Panorama), über das großartige „Don´t You Remember“ bis hin zum Lieblingsstück der Künstlerin, „When We Were Young“, reicht. 

Und wenn sie fragt „Do you like James Bond?“, weiß jeder, was darauf folgt: „Skyfall“. Ähnlich intensiv hat bisher bloß Shirley Bassey musikalisch das Entree für 007 gestaltet. Viele Single-Hits wie „Chasing Pavements“ oder, als letzte Zugabe, das alles hinweg fegende „Rolling In The Deep“ – wo die Arena nur noch ein einziges Tanzen ist. Das alles hauptsächlich in einem nostalgisch anmutenden Sepiabraun auf der Leinwand, aber – mit „Set Fire To The Rain“, wo Adele umgeben von Fontänen scheinbar inmitten des Regens steht oder der Gazehülle über der Mittelbühne, die als Projektionsfläche für Überblendungen dient – technisch voll auf der Höhe der Zeit. 

Adele präsentiert sich sehr publikumsnah, plaudert viel aus ihrem Privatleben. Das tun andere auch. Aber sie wirkt viel authentischer dabei. Wenn sie ausruft: „Oh! Your´ re from Mexico!“ – dann klingt das gerade so, als hätte sie, inmitten der Menge, den Kohinoor entdeckt. So geht es dem Publikum auch. Adele ist, unter ihresgleichen, ein einzigartiger Diamant. 

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