Aachen - „Across the Borders“: Wanderung durch den verzauberten Wald

„Across the Borders“: Wanderung durch den verzauberten Wald

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Tiefer Blick in die Welt der Mythen und Märchen: Das Theater Anu lockt im Rahmen des Aachener Festivals „Across the Borders“ zum Wandern: „Schattenwald – eine poetische Reise in den dunklen Wald“ findet am 12. und 13. August entlang der Grenzroute statt. Foto: Theater Anu
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Sehr emotional: Auch das wunderbare „Märchen von den sieben Raben“ aus der Sammlung der Gebrüder Grimm spielt im Schattenwald eine Rolle. Es ist die Geschichte einer Schwester, die ihre Brüder erlösen muss. Sie strickt Hemden aus Bren-nesseln. Foto: Theater Anu

Aachen. Nachts im Wald. Bäume, Büsche, Moos und Laub, irgendwo hört man Flattern und Rascheln, der würzige Duft von Erde und Pilzen steigt auf, es ist dunkel – märchenhaft dunkel: Im Rahmen des Kulturfestivals „Across the Borders“ gastiert das Berliner Theater Anu am Samstag, 12. August, und Sonntag, 13. August, mit seiner Inszenierung „Schattenwald – eine poetische Reise in den dunklen Wald“ in Aachen.

Dabei erwartet das elfköpfige Ensemble unter der künstlerischen Leitung von Stefan Behr (49) entlang der Grenzroute Köpfchen seine Zuschauer an sechs Stationen in kleinen Gruppen, schweigend und staunend. Start- und Treffpunkt ist das Gebäude des Vereins „Kunst und Kultur im Köpfchen“ (KuKuK) an der Eupener Straße 420.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dieses Theater endlich einmal präsentieren können, es ist sehr ungewöhnlich“, sagt Ute Pennartz, stellvertretende Leiterin des Kulturbetriebs, der rundum für Ablauf und Organisation sorgt. Im Vorfeld wurden mit deutschen und belgischen Behörden Regelungen getroffen, Forstämter und Naturschützer einbezogen. „Jeder Besucher trägt eine Laterne, aber die hat ein LED-Licht“, versichert Ute Pennartz. Keine grellen Scheinwerfer, keine laute Musik, stattdessen eine natürliche Nähe zwischen allen, die sich im Wald begegnen.

Poetische Ausdrucksformen

Seit rund zwölf Jahren sind die Theatermacher auf der Suche nach außergewöhnlichen poetischen Ausdrucksformen im öffentlichen Raum, spielen in Parkanlagen, Industriehallen, auf Plätzen – oder eben im Wald. In Aachen wird es im belgischen und deutschen Wald eine Route mit ausgewählten Orten geben, an denen die Besucher auf rätselhafte Gestalten treffen. Die Wanderung durch den Wald dauert pro Gruppe etwa 70 Minuten, in denen Zauberwesen aus dem Schatten treten, um ihre Gäste in eine faszinierende Bilderwelt zu locken. „Wir beschäftigen uns mit den Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm gesammelt wurden“, sagt Stefan Behr.

„Aber was wir zeigen, geht auf weit ältere Mythen zurück.“ Da taucht man ein in christliche und vorchristliche Sphären, enthalten die poetischen Szenen – wie alle Märchen – viele Mahnungen. „Uns ist die Verbundenheit mit der Natur wichtig, wir setzen uns ein für Begegnung und Nachhaltigkeit, Atmosphäre und Schönheit“, betont Behr. „Installationen und Aktionen verlegen wir daher am liebsten in den Naturraum.“ Sie wollen mit ihrer Theaterarbeit Verlorenes neu beleben, zur humanistischen Weltsicht zurückführen und neue Verbundenheit mit der Natur herbeizaubern

Holzfäller und Nymphe

Ein Busch, ein Vorhang und magisches Licht genügen, um eine Bühne für Schönes zu schaffen, vielleicht für die Geschichte einer Nymphe, die den Holzfäller, der ihren Baum schlug, nach wiederholten Bitten und Warnungen mit ewigem Hunger bestrafte. „Ein Fluch und ein Zeichen für eine Gesellschaft, die zu gierig geworden ist, die sich selbst verschlingt“, meint Behr nachdenklich. Oder das Grimm’sche Märchen von der Kröte, die von einem Kind gefüttert wurde – eine Geschichte mit traurigem Ausgang.

Geister, Faune und die sieben weisen Raben bevölkern den Wald. Sie tauchen auf aus der griechischen Sagenwelt oder aus der Edda, der Sammlung altnordischer Götter- und Heldenlieder. „Man schaut einander in die Augen, Publikum und Akteure sind nicht getrennt wie bei üblichen Theaterinszenierungen“, schwärmt Ute Pennartz.

Die Erfahrungsräume wachsen mit jedem Schritt der Wanderung. Dabei werden die Gruppen von Mitarbeitern des Kulturbetriebs betreut. Selbst die Laternen werden kein unruhiges Flackerlicht ins Dunkel bringen – nur der Boden vor dem Träger wird durch einen Lichtpunkt erhellt. Die Theaterleute sind nicht empfindlich. „Ein bisschen Regen macht uns nichts aus“, versichert Behr, der die Naturstimmung in seine Inszenierungen einbezieht – von der lauen Sommernacht bis zum herbstlich kühlen Dunkel.

Festes Schuhwerk sollten die Besucher schon anziehen, damit sie bei der poetischen Reise nicht stolpern. Geeignet ist die Tour auch für Kinder im Alter ab zehn Jahre. „Es geht nicht um Grusel, es geht um eine leise schöne Sprache der Bilder“, verspricht Ute Pennartz.

„Anu“ – der Name ist Programm. „Eines der ältesten Wörter, die wir kennen“, erklärt Theaterleiter Behr. „Anu bedeutet ,Mond‘ und stammt aus einer babylonischen Sprache.“

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