„across the borders”: Vom tanzenden Westwall bis zum Jazz

Von: Eckhard Hoog
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Sie entführt beim Aachener So
Sie entführt beim Aachener Sommerfestival „across the borders” in eine exotische Welt der Gefühle: Monica Akihary, molukkischer Abstammung, bei einem Konzert ihrer Gruppe Boi Akih im Quadrum des Domkreuzganges. Foto: Boris Breuer

Aachen. Wenn es bei deutschen Sommerfestivals eine Skala zwischen glattem Mainstream und ambitionierter Avantgarde gäbe, dann müsste der Zeiger bei der vierten Ausgabe von „across the borders” in Aachen ganz klar in Richtung des zweiten Pols ausschlagen.

Vielseitigkeit und Anspruch sind Trumpf bei diesem Programm, das Malerei mit Musik, Architektur mit Stadterkundung, Performance mit Musik, überkommene Geschichte mit jugendlicher Weltsicht und eine rote Couch mit Karl dem Großen und seinen Namensvettern verbindet. Außergewöhnliches und Ausgefallenes, Agitation und Irritation - kurz: Kunst im besten Sinne verspricht „across the borders”, das Aachener Festival, das vom 11. bis zum 28. August an verschiedenen historischen Plätzen der Stadt statffindet. Kulturdezernent Wolfgang Rombey, Veranstaltungsmanager Rick Takvorian mit seinem Team und zahlreiche Beteiligte und Mitwirkende stellten das Programm an einem beziehungsreichen Ort vor: am Karlsbrunnen auf dem Markt.

„Grenzen überwinden”

„Grenzen überwinden” - so lautet in der Europastadt wieder einmal das allseits vielbemühte Motto, hier allerdings stellt es sich einmal höchst kreativ und originell umgesetzt dar: Zum Auftakt präsentieren das Trio Ivoire um den genialen Jazzpianisten Hans Lüdemann mit der Sängerin Chiwoniso aus Simbabwe den Sound der globalisierten Welt - europäischer Jazz verschmilzt mit afrikanischer Musik. Der Leckerbissen ist nur für ein kleines Publikum von 200 Liebhabern in der Aula der Domsingschule zu haben (11. August, 20 Uhr). Der Kartenvorverkauf hat soeben begonnen!

Auf knapp drei Wochen ist „across the borders” 2011 komprimiert, das garantiert einen wiedererkennbaren Festivalcharakter. Horst Wackerbarth, der Düsseldorfer Fotograf, Künstler und Weltbürger mit seiner Roten Couch (wir berichteten) bestreitet ab 12. August den zweiten Programmpunkt. Seine Ausstellung „carlies.eu - The Red Couch - A Gallery of Mankind” wird mit einer Tanzperformance im Schatten des Karlsbrunnens auf dem Markt eröffnet (20 Uhr), ehe sich eine Prozession in die nachbarliche Aula Carolina bewegt, wo die auf der Roten Couch fotografierten Aachener Namensvetter von Karl dem Großen nicht nur vorgestellt werden. „Sie werden dort gekrönt”, schmunzelt Wackerbarth.

Außergewöhnliche Klangwelten von orchestralem Ausmaß zaubert der iranische Künstler Reza Mortavezi mit zwei unscheinbaren traditionellen persischen Handtrommeln. 2003 erhielt er den Weltmusikpreis „Ruth”. Mortavezi versteht seine Musik als Beitrag zu den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in seinem Land, der zur Befreiung beitragen soll. Sein Konzert bildet einen ersten Höhepunkt im Krönungssaal des Rathauses (18. August, 20 Uhr).

Rigolo - der Name steht für Gleichgewicht schlechthin. Wer kennt nicht die Figur aus dem Circus Roncalli mit ihrer gefeierten, atemberaubenden Sanddorn-Balance? Der Künstler Mädir Eugster gibt bei „across the borders” eine Deutschlandpremiere seiner neuen abendfüllenden Performance (19. August, 20 Uhr, Krönungssaal).

Der Westwall, monströses, landschaftsbeherrschendes Relikt des Zweiten Weltkriegs - die „design-metropole Aachen”, ein Netzwerk von Designern und Künstlern, konfrontiert die Aachener Bürger und ihre Gäste in der Innenstandt mit diesem historischen Zeugnis. „Walking Westwall” heißt das Projekt (20. August), das Nachbauten der Höckerlinie in den Einkaufsstraßen der Stadt zum Tanzen bringt. Die Frage, der dabei nachgegangen wird: Was bedeutet dieses Kriegssymbol heute noch im Bewusstsein der Zeitgenossen?

Den Zauber der keltischen Harfe vermittelt Cécile Corbel (20. August, 20 Uhr, im Quadrum des Domkreuzgangs) mit Eigenkompositionen. Und selbst die Kultur der Molukken findet einen Niederschlag im grenzensprengenden Aachen, wenn Boi Akih bei einem Konzert exotische, indisch geprägte Rhythmen zum Erklingen bringt.

Peter Gabriels Gitarrist Rhodes

Der Freundschaft Rick Takvorians mit Peter Gabriel ist das Stelldichein von dessen Gitarristen David Rhodes zu verdanken (24. August, 20 Uhr, Aula Carolina; 27. August, 22 Uhr, Theater Heerlen; 11. September, Maastricht, Parcours). Während der britische Künstler Graham Dean Gemälde als Videoinstallation im Raum entstehen lässt, „malt” Rhodes dazu auf seinem Instrument Klanglandschaften.

Völlig andere Akzente setzen Markus Ulrich und Joachim Schmidt, wenn sie geführte Gruppen zu einer Stadterkundung des Aachener Suermondtviertels einladen und mit farbigen Leitern Einblicke in Nachbars Gärten und Höfen gewähren (Anmeldung unter ? 0241/4324943). Und welch junger Mensch lernen will, wie man Musik sampelt, kann dies bei einem Workshop in erstmaliger Zusammenarbeit mit dem Aachener Musikbunker erfahren (Bewerbungen unter info@musikbunker-aachen.de).

Beim abschließenden Festivalhöhepunkt ist die Bevölkerung diesmal aufgerufen unter dem Motto „Bal Moderne: Le Regio Bal” eine eigens konzipierte Choreographie der Brasilianerin Maria Clara Villa Lobos - vermutlich rund um Dom und Rathaus - einzustudieren (28. August, tagsüber). Dieses Projekt wird bereits mit Blick auf die Bewerbung von Maastricht und der Euregio Maas-Rhein für die Kulturhauptstadt Europas 2018 entwickelt.
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