Accordate: Trio Wanderer brilliert mit Brahms-Programm

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Eine geballte Ladung Brahms gab es zur Sröffnung der neuen Saison der Aachener Kammermusikreihe Accordate im Krönungssaal des Rathauses.

Das Trio Wanderer, bereits in der vierten Saison Artists in Residence der Reihe, spielte zwei Klaviertrios und ein Klavierquartett, letzteres zusammen mit dem Bratscher Christophe Gaugué. Ob die Abfolge von drei Kammermusikwerken von Brahms, alle emotional wie dynamisch weitgehend auf Hochtouren laufend, dazu mit einem permanent vollgriffigen und kompakten Klaviersatz versehen, der Weisheit letzter Schluss einer Programmgestaltung ist, mag dahingestellt sein. Völlig über jeden Zweifel erhaben war jedenfalls die Qualität der Wiedergabe der Werke.

Vincent Coq (Klavier), Jean-Marc Phillips-Varjabédian (Violine) und Raphaël Pidoux (Violoncello) bilden eine perfekt aufeinander abgestimmte musikalische Einheit, deren Präzision im Zusammenspiel, deren klangliche Homogenität und Balance, deren kammermusikalisches Miteinander kaum zu überbieten sind. Warum sich die drei Musiker für die Urfassung von Brahms‘ kammermusikalischem Erstling, dem Trio H-Dur op. 8, entschieden hatten und nicht für die 35 Jahre später überarbeitete und stark geraffte Version, blieb auch beim Hören dieser höchst qualitätvollen Wiedergabe fraglich.

Da gibt es bei aller Frische der Erfindung und bei allem jugendlichen Impetus doch manche kompositorische Ungeschicklichkeit in der ausufernden formalen Gestaltung, die Brahms in seiner revidierten Fassung glättete. Nicht von ungefähr ist diese Urfassung im Konzert so gut wie nie zu hören.

Das Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101 ist da wesentlich konziser, knapper in seiner Aussage, aber auch von kontrastreicher Schroffheit durchzogen. Und in seinem Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60 gestattet der ansonsten so scheue Brahms Einblicke in sein Seelenleben, wie er das in keinem anderen Werk getan hat. Seine unerfüllte Liebe zu Clara Schumann, die die beiden ersten früheren Sätze geradezu zu einem Aufschrei der Verzweiflung machen, und seine Resignation in den rund 20 Jahre später entstandenen Sätzen drei und vier machen dieses Werk zu einem zutiefst berührenden Seelendrama.

Gaugué fügte sich nahtlos ein. Der fabelhafte Pianist Vincent Coq versteht es dabei meisterhaft, den Brahmsschen Klaviersatz klanglich so zu bändigen, dass eine perfekte Klangbalance mit seinen Partnern zustande kommt. Neben der spieltechnischen Perfektion besticht dabei vor allem die ungeheure Intensität des Ausdrucks, die jede Phrase tonlich bis in den letzten Winkel auslotet und die in so merkwürdigem Kontrast steht zu den völlig unbeteiligten Mienen der Musiker bei ihrem Spiel.

Als Zugabe gab es noch einmal Brahms: das Rondo alla Zingarese aus dem ersten Klavierquartett g-Moll. Standing Ovations, wie in den Jahren zuvor.

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