Accordate: Blindes Verständnis, allerhöchstes Niveau

Von: Thomas Beaujean
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Absolute Meister ihres Fachs:
Absolute Meister ihres Fachs: Das Trio Wanderer mit Jean-Marc Phillips-Vajabédian (Violine), Vincent Coq (Klavier) und Raphael Pidoux (Violoncello, von links) beim Auftakt der Accordate-Saison. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Gute Nachrichten für die Kammermusikfreunde der Region: Im ersten Konzert der neuen Saison der Kammermusikreihe Accordate konnte deren künstlerischer Leiter Hans-Werner Huppertz im wieder einmal vollbesetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses verkünden, dass man das weltweit renommierte Trio Wanderer, das auch dieses Eröffnungskonzert bestritt, als Artists in Residence für die nächsten vier Jahre gewinnen konnte.

In einem der vier Konzerte der nächsten Jahre wird auch der neue Schirmherr der Reihe, Aachens Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, als Klarinettist Partner des Trios sein, das in diesem Jahr sein 25. Jubiläum feiert.

Ihre besondere Affinität zu Franz Schubert, die auch in ihrer Namensgebung ihren Ausdruck findet, unterstrichen die Mitglieder des Trios mit Vincent Coq, Klavier, Jean-Marc Phillips-Vajabédian, Violine, und Raphael Pidoux, Violoncello, mit einem reinen Schubert-Programm. Die beiden Klaviertrios B-Dur und Es-Dur und das Adagio Es-Dur als Einzelsatz, alle aus dem Jahre 1827, bildeten die hochkarätige Werkfolge.

Schon nach wenigen Takten offenbart sich das nahezu blinde Verständnis der drei Musiker, deren visuelle Kommunikation sich auf ein Minimum beschränkt und deren Auftreten eher professionell-kühl als enthusiastisch wirkt. Ihr Zusammenspiel ist von einer faszinierenden Makellosigkeit, der Ton der Streicher glutvoll, intensiv und von großer klanglicher Delikatesse, die Intonation über alle Zweifel erhaben, die Klangbalance mit dem Klavier perfekt auch da, wo vom Klavier wie im Es-Dur-Trio äußerste Brillanz verlangt wird. Wie denn überhaupt Vincent Coqs Anschlagskultur nicht hoch genug zu preisen ist. Sein Klavierspiel ist leicht, duftig, kantabel, aber auch zupackend, wo es nötig ist.

So finden denn beide Trios, das lyrischere in B-Dur und das dramatischere in Es-Dur, geradezu exemplarische Wiedergaben. Das wirkt alles gelöst, in natürlichem Fluss, nichts ist aufgesetzt. Kleine Temporückungen bei Übergängen verdeutlichen sinnvoll formale Zusammenhänge, wie überhaupt die großformatigen Dimensionen der einzelnen Sätze unter beständiger Spannung gehalten werden. Zum Weinen schön gerät der langsame Satz des Es-Dur-Trios, jener zu Herzen gehende, marschartige, tief-melancholische Gesang. Auf dem gleichen interpretatorischen Niveau erleben die Hörer den Adagio-Einzelsatz des „Notturno”.

Am Ende gab es stehende Ovationen und als Zugabe das Presto-Finale aus Beethovens 1. Klaviertrio Es-Dur.

Das nächste Konzert: die Jugend-Gala

Das nächste Konzert bei Accordate ist eine Jugend-Gala mit der Trombone Unit Hannover - acht junge Posaunisten, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs.

Am Sonntag, 18. November, spielen sie im Krönungssaal Meisterwerke von Händel, Dukas, Prokofjew und Mussorgsky. Das Sonderkonzert beginnt wieder um 18 Uhr.
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