Accordate: Artis-Quartett begeistert mit Schubert

Von: Alfred Beaujean
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Aachen. Hat Franz Schubert, der sich immer im Schatten Beethovens sah und im Alter von nur 31 Jahren starb, gewusst, dass er zu den Großen der Musikgeschichte zählt? Angesichts eines Wunderwerkes wie des in seinem Todesjahr 1828 komponierten Streichquintetts C-Dur drängt sich diese Frage auf.

So auch bei der unvergesslich eindrucksvollen, unter die Haut gehenden Darstellung durch das Wiener Artis-Quartett (Peter Schuhmayer, Johannes Meissl, Herbert Kefer, Othmar Müller und dem 2. Cellisten Reinhard Latzko) im Rahmen der Accordate-Konzerte im fast überfüllten Krönungssaal. Geht doch dieses Werk über alles hinaus, was nach Beethoven im 19. Jahrhundert an Kammermusik geschrieben wurde.

Musizieren im Stehen

Diese architektonische Weiträumigkeit und Klanggröße, diese abgründige Intensität der Aussage, diese Kühnheit der harmonischen Prozesse, diese doppelbödigen Kontrastsetzungen, alles das findet sich erst mehr als ein halbes Jahrhundert später in der Symphonik eines Bruckner oder gar Mahler.

Und die Musiker aus Wien, angeführt von dem temperamentvoll zupackenden Primarius, bis auf die Cellisten stehend musizierend, taten alles, diese Singularität klingendes Ereignis werden zu lassen. Großer symphonischer Zug und extreme dynamische Differenzierung, subtilstes Aushören des Klanges und kraftvolles, blutvolles Zupacken und Akzentuieren gingen hier Hand in Hand. Eine Wiedergabe, die die Geheimnisse des Stückes ausschöpfte, wenn sie denn überhaupt ausschöpfbar sind.

Auf dem gleichen Niveau lagen die Interpretationen des „Rosamunde”-Streichquartetts und des Quartettsatzes c-moll im ersten Konzertteil. Da war keine Spur von Biedermeier-Romantik, da wurde die Fülle des Melodischen nicht genügsam ausgebreitet, sondern in die straffe Architektur gefasst.

Ein Schubert-Abend, den man so schnell nicht vergisst. Dass es nach der Endgültigkeit des Quintetts keine Zugabe mehr geben konnte, hatte wohl auch die begeisterte Zuhörerschaft begriffen.
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