Abschiedsausstellung bei „Kunst aus NRW“

Von: js
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Ganze 122 Ausstellungen in einer: Maria Engels (l.) und Birgit Kamps lassen in der ehemaligen Reichsabtei in Kornelimünster fast 20 Jahre Kuratoren-Arbeit Revue passieren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Auweia, was haben Sie sich da denn vorgenommen?“ Selbst kundige Kuratoren-Kollegen waren mehr als beeindruckt, als Maria Engels von den mutigen Plänen für ihre letzte Ausstellung in der ehemaligen Reichsabtei in Aachen-Kornelimünster berichtete.

 Das erzählt die Leiterin der Sammlung „Kunst aus NRW“ mit einem Schmunzeln – und gibt zu: „Das hat durchaus etwas Manisches.“ Der Titel „Sie und Ihre Ausstellungen“ sei also auch ironisch zu verstehen. Denn die 65-Jährige geht vor ihrem Abschied in den Ruhestand noch einmal in die Vollen.

Ihre letzte Schau ist auch ihre größte: die meisten Werke, die meiste Arbeit. Denn die Kunsthistorikerin will die insgesamt 122 Ausstellungen, die sie in rund 20 Jahren präsentiert hat, Revue passieren lassen. Zum Ende ihrer Amtszeit rückt sie also nicht einen Künstler in den Mittelpunkt, sondern fast 150! Um zu demonstrieren, welch ein Schatz die landeseigene Sammlung ist. „Ich möchte auch für die Zukunft deutlich machen: Da wird in einzigartiger Weise Kunst aus NRW gesammelt!“, betont Maria Engels.

Schon seit 1948 fördert das Land junge, begabte Künstler durch den Ankauf von Werken – bisher sind etwa 4000 Arbeiten von rund 1600 Künstlern zusammengekommen. Insofern zeige die Ausstellung nun nur ein „relativ kleines Spektrum“, sagt die Kuratorin mit sehr viel Understatement.

Da finden sich alte Bekannte und junge Wilde, klangvolle Namen und Noch-immer-Neuentdeckungen. 1996 fing alles an, seitdem gibt Maria Engels bis zu zehn Künstlern pro Jahr ein Forum – und zog damit zuletzt rund 13 000 Besucher jährlich an. Ihre erste Wechselausstellung bestritt der in Aachen geborene „Informel“-Meister Karl Otto Götz, der zum 100. Geburtstag in diesem Jahr bundesweit gefeiert wird. Von dem Jahrhundertkünstler wählte Maria Engels für ihre letzte Schau absichtlich eine kleine, frühe Arbeit, eher untypisch für den Rakel-Superstar.

Auch Götz' Frau, die Künstlerin Rissa, ist mit einem Gemälde vertreten: eine rosa Kanne, aus der eine weiße Flüssigkeit strömt. Der Titel „Überfluss“ könnte auf die ganze Schau zielen. Eine überbordende Fülle im barocken Ambiente, eine bunte Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten, Malerei und Skulpturen, Installationen, Fotografien und Videokunst, versammelt auf beiden Etagen – Ausflüge in die ständige Sammlung sind erwünscht.

Direkt hinter der hohen Eingangstür wartet der erste Gigant: Gerhard Richter, „Stadtbild M 9“ von 1968, Weiß-Grau-Schwarz, Öl auf Leinwand. „Der Mailänder Dom von oben“, vermutet Engels. Wahrscheinlich Millionen wert, aber über Geld oder Marktwert redet die Chefin nicht so gerne. „Man lag auch bei ganz vielen anderen richtig“, sagt sie nur die Auswahl der Ankäufe betreffend.

Gemeinsam mit ihrer einzigen Mitarbeiterin, Birgit Kamps, hat Maria Engels die 145 Werke hin- und hergeschoben – und keine chronologische Anordnung gewählt, sondern ein ganz persönliches Arrangement: hier ein Raum mit großformatigen, gegenständlichen, plakativen Bildern, da ein Raum ganz in Schwarz-Weiß, die vielen Förderpreisträger in kon-trastreichen Paarungen und zwischendrin immer wieder Aachener Künstler von Ewald Mataré bis Johanna Roderburg.

Fast alle Werke kommen aus dem eigenen Fundus, ein paar Leihgaben hat Maria Engels von ihren Künstlern erhalten. Und da muss selbst die gestandene Kunsthistorikerin noch staunen. Ralf Berger etwa hat ihr einen alten Pappkarton geschickt, und sie war versucht, ihn zu öffnen – bis sie bemerkte, dass er – „von innen vergoldet“, auf einem weißen Sockel – das Kunstwerk ist.

Eintreffen soll auch noch ein sich selbst verzehrender Holzofen von Johannes Jensen. Der Künstler will ihn bei der Finissage abfackeln. Ein warmer Abschied für Maria Engels.

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