Aachen - Aachens Domorganist Richtsteig feiert 25-jähriges Jubiläum

Aachens Domorganist Richtsteig feiert 25-jähriges Jubiläum

Von: Eckhard Hoog
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Seit 25 Jahren am Spieltisch der Orgel im Aachener Dom: Kirchenmusikdirektor Norbert Richtsteig. Die Improvisation ist dank eines absoluten Gehörs seine weithin bewunderte Spezialität. Foto: Harald Krömer

Aachen. Kaiser Karls Marmorthron im Rücken, das Himmlische Jerusalem des Barbarossaleuchters unter ihm, der wohlwollend grüßende Mosaik-Heiland über ihm - und jede Menge Menschen dazwischen: „Das war schon 25 Jahre lang ein toller Arbeitsplatz”, sagt Norbert Richtsteig, der Aachener Domorganist - ein Dinosaurier seiner Zunft.

Am kommenden Sonntag feiert er sein Jubiläum - keine Frage: mit einem Orgelkonzert an seiner Wirkungsstätte, im Aachener Dom.

Wie oft er in all den Jahren hier am Spieltisch gesessen und in die Manuale gegriffen hat - er weiß es nicht und kann es auch nicht schätzen. Jedenfalls gab es täglich eine Messe und am Sonntag derer vier. Und obgleich er seine eigenen Orgelkonzerte und die mit dem Domchor durchaus gerne als „Höhepunkte” bezeichnet, so versteht sich Richtsteig doch nicht als Konzertorganist. „Konzerte”, sagt er, „sind nur die Zugabe.” Das Zen-trum seines Wirkens sieht er in der liturgischen Arbeit. „Das ist das tägliche Brot.”

Und dazu bedarf es auch nach Kirchenmusik-Studium, abgeschlossenem A-Examen und etlicher weiterer Studien nach wie vor der regelmäßigen Übung - kein leichtes Unternehmen bei einem Instrument, das man nicht mal eben unter den Arm klemmen und mit nach Hause nehmen kann. „Man ist ständig dabei, das Repertoire zu erweitern”, erzählt Richtsteig, der 1948 in Rheinberg am Niederrhein in eine Organistenfamilie hineingeboren wurde. Bereits mit acht Jahren vertrat er den Vater an der Orgel.

Üben kann er nur ab 19 Uhr, wenn der Dom seine Türen für das Publikum geschlossen hat. Aber auch dann nur lange im Voraus angemeldet: „Hier finden dauernd auch Abendveranstaltungen, Vorträge und Gruppenführungen statt.” Bei anderthalb Millionen Besuchern pro Jahr ist der Aachener Dom so gut wie ausgebucht.

Wenn auch die Passacaglia c-Moll von Johann Sebastian Bach oder Romantiker wie César Franck zu Richtsteigs immer wieder gern gespielten Favoriten zählen, seine ureigene Spezialität, auf die sein weithin verbreiteter Ruf gründet, ist die Improvisation. „Das habe ich schon als Kind kultiviert.” Aus dem Stand heraus lässt der Mann an der Orgel ganze Sinfonien spontan aus der Hand fließen. Eine unglaubliche Fähigkeit: „Wenn ich ein unbekanntes Orchesterwerk höre, habe ich sofort die Partitur vor Augen und könnte das Stück unmittelbar nachspielen.”

Unabdingbare Voraussetzung: ein absolutes Gehör. Richtsteig hört einen isolierten Ton und kann ihn sogleich exakt benennen. „Das ist angeboren”, meint er. „So etwas kann man nicht lernen.Mit Fleiß kann man zwar auch viel erreichen, aber dies ist rein eine Talentfrage.” Soeben hat er in Rottenburg, wo er immer wieder eingeladen wird, ein Improvisationskonzert gegeben, demnächst folgen Mainz und Regensburg.

Der Verlust gehört dabei immer dazu: „Bei einer drei- bis viersätzigen Orgelimprovisation schreibe ich mir nur die Themen auf, die ich mir vorher ausgesucht habe.” Nach einer Dreiviertelstunde Spiel ist alles weg - eine Komposition für den Augenblick. Was allerdings auch eine große Bereicherung und Abwechslung für die Messe mit sich bringt: „So kann man auch musikalisch auf Texte und Inhalte eingehen.” Dabei klingt sein Improvisationsspiel in der Passionszeit ganz anders als nach Ostern: „Man muss sensibel sein für die Festkreise, nicht immer ist Jubel angebracht.”

Sein Abschiedskonzert am 14. April 2013 im Aachener Dom hat er mit „Finale” überschrieben - ein reines Improviationskonzert nach den Wünschen des Publikums. Norbert Richtsteig hat die Stile alle drauf - und spielen zum Beispiel nach Art von Johann Sebastian Bach gehört zu den leichtesten Übungen.

Ein Dinosaurier unter den Kirchenorganisten? Noch hofft Richtsteig nicht, zu den Letzten seiner Zunft zu gehören, doch das Menetekel flammt bereits an der Wand: „Es gab ja diese Katastrophe”, klagt er und meint die Schließung des St.-Gregorius-Hauses, der Katholischen Hochschule für Kirchenmusik in Aachen im Jahr 2007. Ein gravierender Einschnitt, dessen eigentliche Wirkung seiner Ansicht nach erst noch zu spüren sein wird: „Wenn erst die Ausbilder fehlen, dann unterrichten am Ende nur Dilettanten die Dilettanten.”

Schon jetzt hat er selbst größte Probleme, für freie Tage oder den Urlaub eine qualifizierte Vertretung zu finden. Außer zwei 80-jährigen engagierten alten Herren ist da nichts in Sicht. Und den anderen Pfarren geht es auch nicht besser. Was die Zukunft der Kirchenmusik angeht - Norbert Richtsteig: „Da bin ich skeptisch.”

Das Jubiläumskonzert zum 25-Jährigen des Domorganisten findet statt am Sonntag, 30. September, um 17 Uhr im Aachener Dom.

Norbert Richtsteig spielt unter dem Motto „Die Kunst der Variation” Werke von Praetorius, Bach, Knecht, Hesse, Guilmant und Höller.

Das Abschiedkonzert findet im Aachener Dom am 14. April 2013, 17 Uhr, statt.

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