Aachen - Aachener Sinfoniker spielen auf der Höhe ihres Könnens

Aachener Sinfoniker spielen auf der Höhe ihres Könnens

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Einen guten Eindruck hinterließ Wolfgang Seeliger im 6. Sinfoniekonzert, was sich nicht von jedem Gastdirigenten des Aachener Sinfonieorchesters behaupten lässt.

Der in Heidelberg geborene, vielseitig agierende Dirigent, zu dessen Schülerkreis auch GMD Marcus R. Bosch zählt, rührte zwar nur sporadisch in jenem „Hexenkessel”, den das Motto des Abends versprach. Doch Seeliger erwies sich als Kapellmeister bester deutscher Tradition, der sein Metier versteht und ein Orchester kontrolliert zum Klingen bringen kann. Spektakuläres gab es nicht zu hören, dafür aber Handwerk auf goldenem Boden.

In Richard Wagners Ouvertüre und Bacchanal aus dem „Tannhäuser” hob Seeliger deutlich die Kontraste zwischen christlich geprägten und sinnlich-lasziven Themenkreisen des Venusbergs hervor. Den keuschen Pilgerchoral nahm er extrem langsam und ein wenig steif, während er die flirrende Venusberg-Musik mit gewaltigen Steigerungen in die „Tristan”-Nähe der späten Pariser Fassung rückte. Die Orchesterfarben leuchteten, die Klangbalance blieb sogar in exaltierten Partien ausgewogen. Lediglich die ruhige Schlusspartie (zer)dehnte er im Schneckentempo bis zum Stillstand.

Zurückhaltung bestimmte die Interpretation von Felix Mendelssohn Bartholdys selten zu hörender Kantate „Die erste Walpurgisnacht” nach der gleichnamigen Ballade von Goethe, die jedoch nichts mit thematisch verwandten Szenen aus dem „Faust” zu tun hat. Auch hier prallen zwei Kulturen aufeinander, nämlich die heidnische Welt der Druiden und die der christlichen Unterdrücker.

Für die „germanischen” Partien griff Mendelssohn zu ungewöhnlich schroffen Rhythmen und Klangeffekten, die an die drastische Tonsprache eines Hector Berlioz erinnern, dessen Musik Mendelssohn an sich verabscheute. Seeliger verfolgte eine mittlere stilistische Linie, die schon ein etwas pointierteres Profil vertragen könnte, insgesamt aber einen mehr als gediegenen Eindruck hinterließ.

Daran trugen sowohl der sorgfältig einstudierte und recht sicher agierende Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen als auch das Solistenquartett maßgeblich bei. Bariton Martin Berner fühlte sich in den markant auftrumpfenden Passagen besonders wohl, Tenor Louis Kim hatte keine Schwierigkeiten mit den stimmlichen Höhenflügen seiner Partie, und die weiteren kleineren Rollen waren mit der Altistin Yaroslava Kozina und dem Bassisten Pawel Lawreszuk passabel besetzt.

Einen lyrisch-melancholischen Kontrapunkt zu den beiden Hauptwerken setzte man mit der achtminütigen Tondichtung „Night of the Flying Horses” des ukrainisch-israelischen Komponisten Osvaldo Golijov. Eine farbig instrumentierte Miniatur von geschmackvoller melodischer Qualität mit bisweilen etwas arg süßlicher Konsistenz. Eine dankbare Aufgabe für die insgesamt auf der Höhe ihres Könnens musizierenden Aachener Sinfoniker. Viel Beifall für einen interessanten Konzertabend.
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