Aachener Sinfoniekonzert: Jubel für den „Einspringer“ aus Norwegen

Von: Alfred Beaujean
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Aachen. Es begann mit einer Enttäuschung: Der besondere Reiz, am Konzertpult des Sinfonieorchesters Aachen eine Frau zu sehen, blieb im dritten Sinfoniekonzert aus. Joana Carneiro musste krankheitsbedingt absagen. Aber dann erwies sich der junge „Einspringer“ aus Norwegen, Arild Remmereit, keineswegs als bloßer „Ersatz“.

Vielmehr stellte er sich als souveräner Orchesterführer vor, der die reichen Möglichkeiten, die Aachens Orchester heute einem Dirigenten zu bieten hat, voll auszuschöpfen wusste.

Das mag im eingangs gespielten „Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel, dieser exquisiten Kostbarkeit, noch nicht voll erkennbar geworden sein dank der für solch ziselierte Klänge leider ungünstigen Eurogress-Akustik.

Es wurde umso deutlicher im Falle der Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowski. Einen wendigeren, flexibler mitgehenden, klangsubtileren Begleiter als Remmereit konnte sich Julian Steckel, dieser seit seinem Sieg beim ARD-Wettbewerb 2010 kometengleich aufgestiegene junge Meistercellist, kaum wünschen.

Souverän: Cellist Julian Steckel

Steckel blieb denn auch diesem so teuflisch schwierigen wie effektsicheren Bravourstück nichts an spieltechnischer Souveränität und an klanglich-dynamischer Differenzierungskunst schuldig, wobei sein freier, jede Nuance auskostender Vortrag diesem Stück durchaus angemessen erschien. Eine glänzende Virtuosenleistung. Köstlich die witzige Marsch-Zulage.

Die Zeit, da man in Deutschland einen Meister wie Sergej Rachmaninow als Salonkomponisten abtat, ist gottlob vorbei. Sein letztes Orchesterwerk, die Sinfonischen Tänze op. 45, bieten ein wahres Kompendium an sprühender, raffinierter Koloristik, an dynamischem Kontrastreichtum, rhythmischer Eleganz und zupackender Verve.

Die für Rachmaninow so typische, elegisch eingedunkelte Melodik fehlt auch nicht. Hier schöpfte der Gast aus Norwegen aus dem Vollen. Das glänzend disponierte, gespannt mitgehende Orchester mit seinen vorzüglichen Bläser-Solisten wusste er zu so perfektem wie klangprächtigem Spiel zu animieren. Ein Wechselbad von kammermusikalischer Differenziertheit und leuchtenden, nie lärmenden Aufgipfelungen, eine so temperamentvolle wie virtuose Dirigenten- und Orchesterleistung, die zu Recht bejubelt wurde.

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