Aachen - Aachener Sinfoniekonzert: Da wird der Solist zum Artisten

Aachener Sinfoniekonzert: Da wird der Solist zum Artisten

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Er spielte grandios auf an der Seite von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah: der Cellist Johannes Moser. Das 2. Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress war ein packendes Erlebnis. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Neue Musik löst selten Begeisterungsstürme aus. In Aachen war das jetzt anders, als Johannes Moser und das Sinfonieorchester Aachen unter Leitung von Kazem Abdullah im Rahmen des 2. Sinfoniekonzerts mit Witold Lutoslawskis Cellokonzert zeigten, wie spannend zeitgenössische Musik sein kann, wenn alles stimmt: die Qualität der Komposition und der volle Einsatz professioneller Spitzenmusiker.

Obwohl das Werk bereits aus dem Jahr 1970 stammt, wirkt es in seiner unbändigen Modernität taufrisch. Lutoslawski, der auch 19 Jahre nach seinem Tod nach wie vor bedeutendste polnische Komponist der Nachkriegszeit, vereint neue Spieltechniken und Strukturen mit einer emotional mitreißenden Eigendynamik und einer geradezu theatralischen Präsenz.

Angelegt ist das Werk als ein widerspenstiger Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester, bei dem das Orchester immer wieder überraschend in die Monologe des Cellos eingreift. Und das in 1000 Farben und Wendungen.

Der mit allen virtuosen Kniffen und neueren Spieltechniken gewaschene Solo-Part erfordert vom Solisten die Kondition eines Marathonläufers und die Beweglichkeit eines Zirkusartisten, und das komprimiert auf die Dauer von 25 Minuten mit unzähligen abrupten Stilwechseln.

Kaum noch zu übertreffen

Moser bewältigt die immensen Anforderungen mit kaum zu übertreffender Souveränität und unterbrach nie den dialogisierenden Kontakt zum Dirigenten. Abdullah und das Sinfonierochester reagierten nicht minder wach und flexibel, so dass das Konzert zum „instrumentalen Theater“ wurde. Eine Glanzleistung von allen Beteiligten und ein Beweis für die Meisterschaft Lutoslawskis.

Im gut besuchten Eurogress überrollte Abdullah das Publikum zum Auftakt mit einer vor Kraft und Vorwärtsdrang strotzenden Charakterstudie des legendären „Don Juan“ aus der Feder von Richard Strauss. Ein orchestrales Zugstück mit delikat ausgeführten Bläsersoli und gewaltigen Steigerungen, vor denen das Eurogress allerdings kapitulieren musste. Die Höhepunkte konnten sich klanglich nicht entfalten, sondern führten zu tumultartigen Klangballungen, mit denen auch Marcus Bosch schon zu kämpfen hatte.

Klanglich zahmer gebärdet sich Antonin Dvoáks 7. Sinfonie, die Abdullah mit der von ihm gewohnten Sensibilität und Stilsicherheit zu einer abgerundeten Interpretation führte, in der die starke Brahms-Nähe ebenso zur Geltung kommen konnte wie das idiomatische Kolorit Dvoáks. Geradezu delikat präsentierte er das versonnene Adagio, mit tänzerischer Leichtigkeit das Scherzo und gewichtig, aber nicht übergewichtig, die Ecksätze. Viel Beifall für einen gelungenen bis packenden Konzertabend.

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