Aachener Rapper MoTrip: „Hier ist mein Nest, hier gehöre ich hin“

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Rappers MoTrip
Touren, Konzerte und Studioaufnahmen in Berlin: Dennoch hängt das Herz des Rappers MoTrip an seiner Heimatstadt Aachen. Foto: Marco Rose

Aachen. Wer deutschen Rap sucht, macht das vor allem in Berlin. Dass aber auch Aachen eine Wiege für Hip-Hop-Kultur sein kann, bewies erst Kool Savas und dann vor drei Jahren MoTrip, der einen Senkrechtstart in den Rapcharts hinlegte.

Auf den Vertrag bei dem Major Label Universal Music folgte die Zusammenarbeit mit Samy Deluxe, Kool Savas und Max Heere. 2012 brachte er sein erstes Album „Embryo“ heraus, das direkt in den Top Ten landete. Am 19. Juni erscheint nun sein neues Album „Mama“.

Unser Redaktionsmitglied Ines Kubat telefonierte mit MoTrip, der derzeit in Berlin neue Studioaufnahmen macht. Offen und direkt erzählt der 27-Jährige, der im Libanon geboren wurde, wie es zu diesem besonderen Albumtitel kam, was ihn mit Aachen verbindet und warum er sich abhebt von manch anderen Rappern. Das Gespräch beginnt mit einer Frage, die in der Musikszene üblich ist: „Wir können uns doch duzen, oder?“ Kein Problem.

Du bist auf dem Cover der aktuellen Ausgabe des Rap-Magazins „Juice“. Mal ehrlich: Wie viele Exemplare hast Du Dir gesichert?

MoTrip: Ich hab ein paar behalten, für Papa und Mama.

Bist Du stolz darauf?

MoTrip: Jein. Ich habe mich natürlich gefreut. Aber so eingebildet das jetzt klingen mag: Ich finde, das Cover kommt zwei Jahre zu spät. Damals, beim ersten Album, hätte ich auf das Cover kommen müssen. Denn wir haben nicht gerade wenige Platten verkauft.

Du stammst aus Aachen, wohnst aber mittlerweile Berlin?

MoTrip: Nein, ich wohne noch in Aachen. Ich bin ein Oecher Junge_SSRq geblieben. Die Großstadt ist ja ganz gut zum Arbeiten, aber Aachen ist mein Nest. Hier komme ich her, hier gehöre ich hin.

Deine Familie scheint für Dich eine große Rolle zu spielen. Das lässt zumindest der Titel des Albums vermuten. Es heißt „Mama“. Warum?

MoTrip: Es gibt für den Titel nicht die eine Antwort. Für mich geht es natürlich um meine Mutter, und ich will ihr das Album widmen. Ursprünglich kam ich aber auf den Titel, weil ich ein Lied über Mutter Natur geschrieben habe. Die habe ich mit „Mama“ angesprochen. Das war mir dann zwar zu schwermütig, aber bei dem „Mama-Ding“ bin ich doch geblieben.

Hat sich denn Deine Mutter über den Albumtitel gefreut?

MoTrip: Natürlich. Sehr sogar. Im privaten Umfeld fand es jeder gut.

Nur im privaten?

MoTrip: In meinem Arbeits-Umfeld ist es nicht auf so große Begeisterung gestoßen. Vor allem aus marketingtechnischen Gründen.

Ist es für Rapper ein mutiger Schritt, eine so weiche Seite zu zeigen?

MoTrip: Jein. Ich habe mir das auf jeden Fall gründlich überlegt. In Zeiten, in denen jeder der Härteste sein will, ist „Mama“ schon eine ganz schöne Ansage. Es hebt sich zumindest von anderen ab. Ich frage mich auch, wann die erste Attacke kommen wird. Aber da gebe ich ehrlich gesagt gar nichts drauf. Auch beim ersten Album habe ich mich schon gefragt, ob ich zu viel Angriffsfläche biete. Aber ich halte nichts davon, mich zu verstellen. Dass die Leute ein bisschen verdutzt waren bei dem Titel, kann ich verstehen. Das war vielleicht sogar ein bisschen gewollt.

Ist das ganze Album gefühlsbetont?

MoTrip: Nein, das Album ist überhaupt nicht so weich, wie es vielleicht anmutet. Und es dreht sich auch nicht nur um meine Mutter. Es gibt zwar den „Mama“-Song, aber auch der ist nicht so weich, wie man erwarten könnte. Den Song habe ich mit meinem Kollegen Haftbefehl gemacht. Er ist etwas ganz Besonderes geworden.

Häufig hat man das Gefühl, beim Rap ginge es nur darum, hart zu wirken.

MoTrip: Ich weiß, dass das der Eindruck für Außenstehende ist, die keinen so tiefen Einblick in diese Art der Musik haben. Das ist aber definitiv nicht so, und ich bin auch nicht der Einzige, der nicht nur Schimpfwörter aneinanderreiht.

Warum scheint dann die allgemeine Meinung über Rap eher negativ zu sein?

MoTrip: Leider sind es gerade die krassen Lieder, die bekannt werden, weil die Kids auf das Provokante anspringen und dieser Art der Musik auf den Leim gehen.

Um das Image des Raps geht es auch im Lied „Wie ein Dealer“.

MoTrip: Genau. Ich spiele in dem Lied mit sehr provokanten Worten, das weiß ich. Es scheint um Drogen zu gehen, aber eigentlich singe ich von Rap-Musik. Ich rede davon, dass ich als Dealer nur saubere Ware verkaufe. Es geht darum, dass die unsaubere Ware gefährlich ist für die Menschen draußen, die sich nicht so gut auskennen. Man muss gegen das negative Image des Raps vorgehen. Aber das müssen wir Rapper selbst tun.

Du sagst, Deine Musik habe sich verändert. Warst Du selbst früher eher der Klischee-Rapper?

MoTrip: Nein, dazu muss man sich nur „Embryo“, mein erstes Album, anhören. Das war sehr weich.

Und trotzdem war es erfolgreich:

MoTrip: Ja, das schon. Aber wenn es damals Kritik gab, dann die, dass die Leute es schade fanden, dass es nicht mehr harte Songs gab.

Und hast Du das umgesetzt?

MoTrip: Ich habe ehrlich gesagt etwas mehr auf den Putz gehauen, aber immer mit dem Wunsch, etwas Gutes zu vermitteln. Das könnte ich nicht mit mir vereinbaren – Musik machen, die bewusst zu irgendeiner Scheiße aufruft wie Drogen oder Gewalt. Aber ein paar harte Worte gehen schon.

Du hast einige Kooperationen auf dem Album: unter anderem mit Sido, Haftbefehl, Samy Deluxe.

MoTrip: Ja, und ich bin sehr dankbar, dass die Jungs sich mir und meiner Sache annehmen und Zeit und Mühe reinstecken. Das macht mich stolz und glücklich.

Zwei Deiner Brüder sind auch auf dem Album dabei.

MoTrip: Richtig. Mein größerer, Elmo, hat mir die Musik beigebracht. Der darf auf keiner Platte fehlen. Und dann ist noch mein kleinerer Bruder auf der Platte. Er macht seine ersten Schritte in der Rap-Musik, ist hoch talentiert.

Tourt Ihr bald als eine Art rappende Kelly Family durch die Lande?

MoTrip: (lacht) Dazu sind wir noch zu wenige. Aber es ist auch nicht so, dass ich meine Brüder auch aufs Album nehmen würde, wenn sie nicht rappen könnten. Da bin ich pragmatisch.

Ein anderer deutscher Rapper, Kollegah, hat im Interview gesagt: „Meine Fans sind Studenten bis Asischläger.“ Wer sind Deine Fans?

MoTrip: Querbeet. Ich habe schon von 40-Jährigen Mails bekommen, aber hauptsächlich sind es doch eher Jüngere. Ehrlich gesagt: Es interessiert mich gar nicht so sehr herauszufinden, wer diese Fans sind, um dann mein Marketing anzupassen. Und ich nenne die Leute, die meine Musik gern hören, auch ungern „Fans“. Denn außer meiner Musik biete ich ja recht wenig. Zum Beispiel mache ich keine Witze über andere, was ja heutzutage viel Aufmerksamkeit einbringt.

Du verzichtest auf diese Show?

MoTrip: Bei mir geht es in allererster Linie um die Musik. Ich wäre nicht glücklich, wenn man mich mögen würde, weil ich irgendwelche Leute beleidige.

Viele Leute haben das neue Album sehnlichst erwartet. Was hast Du seit dem Debüt gemacht?

MoTrip: Ich habe Texte mit und für andere geschrieben und hatte Auftritte. Aber das nächste Album soll auf jeden Fall nicht so lange auf sich warten lassen wie „Mama“. Ich habe schon die ersten Texte geschrieben.

Wann kommst Du für ein Konzert nach Aachen?

MoTrip: Natürlich rappe ich nirgends lieber als in Aachen. Wann und wo Konzerte stattfinden, kann man sich jedoch nicht immer so aussuchen. Aber ich bin sicher, dass es Anfang 2016 hier einen wunderbaren Auftritt geben wird.

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