Aachen - Aachener Neujahrskonzert: Blick nach Amerika

Aachener Neujahrskonzert: Blick nach Amerika

Von: Alfred Beaujean
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Ausflüge in die Neue Welt: Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und das Aachener Sinfonieorchester beim Neujahrskonzert im Eurogress. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Was Kazem Abdullah uns in der Planung seiner Sinfoniekonzerte schuldig blieb, Musik aus seiner Heimat Amerika, das hatte Aachens neuer Generalmusikdirektor sich offenbar für sein erstes Neujahrskonzert reserviert. Da wurde im zumindest beim ersten Termin restlos ausverkauften Eurogress die Neue Welt aus eigener wie europäischer, besser: Wiener Sicht musikalisch beleuchtet.

Das begann mit einer selbst dem eingefleischesten Wagner-Fan wohl unbekannten Kuriosität, dem „Grossen Festmarsch“ e-moll, den der finanziell bekanntlich immer klamme Meister ausgerechnet im Jahr der Uraufführung des „Ring“ 1876 für ein amerikanisches Orchester schrieb. Viel eingefallen ist ihm trotz der Gage von 5000 Dollar kaum; nicht das Walküren-Ross Grane, sondern nur eine aufsteigende Triole wird mit Blech-Getöse zu Tode geritten.

Da nimmt sich die Ballettmusik zum „Trovatore“ seines Rivalen Verdi, dem zweiten großen Meister, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, doch wohl differenzierter und nerviger aus, zumal, wenn sie mit soviel „Italianita“ serviert wird wie durch Abdullah und sein in Hochform spielendes Sinfonieorchester.

Natürlich darf am Neujahrstag Johann Strauß nicht fehlen, zumal auch er 1872 Amerika seinen Besuch machte und dabei noch mehr als Wagner einstrich. Mit dem „Jubilee Waltz“ und „Farewell to America“ empfahl er sich unter Einbeziehung von „Stars and Stripes“ seinen Gastgebern. Einziger Vertreter der Musik Amerikas war, nachdem der Sinfoniesatz von Charles Ives gestrichen wurde, Aaron Copland. In seiner „Fanfare for the Common Man“ glänzte die bravourös spielende Blechbläsergruppe, die bereits durch Wagner strapaziert worden war.

Viel gewichtiger war Coplands poesievolle Suite „Appalachian Spring“ von 1943/44, ein ungemein feinziseliertes Stück, das vor allem den fabelhaft musizierenden Holzbläser-Solisten reichlich Stoff zum Brillieren bot und Abdullahs Kunst schwebender Piano- und Pianissimo-Klänge einmal mehr triumphieren liess. Auch das Vukale fehlte nicht. Der amerikanische Bariton Daniel Billings sang Stücke aus Coplands „American Songs“, sich darstellerisch virtuos verkaufend, und seine Kollegin Astrid Laurenco de Azevedo stand ihm bei ihrem überaus charmanten, authentischen Vortrag des „Schwipsliedes“ aus Straußens „Nacht in Venedig“ nicht nach. Und am Schluss kehrte man mit vier bejubelten Strauß-Zugaben von USA nach Wien zurück.

Eines ist sicher: Kazem Abdullah ist längst in Aachen angekommen. Selbst sein Orchester zollte ihm am Ende Befall.

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