Aachener Musiker werden mit Echo ausgezeichnet

Von: Sabine Rother
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Zwei Mitglieder des Sinfonieorchesters Aachen werden mit je einem Echo Klassik ausgezeichnet: Blanca Gleisner und Stéphane Egeling. Und zwar für Kammermusikeinspielungen, die sie mit anderen Ensembles gemacht haben. Beide spielen Oboe. Foto: Harald Krömer
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Der richtige Griff entscheidet über den geschmeidigen Klang: Die Oboe ist ein Blasinstrument mit filigraner Technik. Foto: Harald Krömer
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Die Gewinner-CDs: „Paris 1937“, Trio Lézard (Coviello Classix); Gustav Mahler: „Das Lied von der Erde“, Detmolder Kammerorchester (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm). Foto: Harald Krömer

Aachen. Blanca Gleisner (36) wird zum ersten Mal von einem Modedesigner ausgestattet und trägt ein Traumkleid aus schwarzer Spitze, wenn sie und ihre Mitstreiter vom Detmolder Kammerorchester am Sonntag in Berlin über den roten Teppich schreiten. Stéphane Egeling (46) lässt sich einen Schnurrbart wachsen, denn zusammen mit seinen Partnern im Trio Lézard will er dort festlich im Stile der 30er Jahre in Frack und Stehkragen erscheinen – entsprechend der Gewinner-Produktion „Paris 1937“ sowie in Erinnerung an das Trio d’anches de Paris, dessen Erbe das Trio Lézard erfolgreich pflegt.

Die Oboisten des Sinfonieorchesters Aachen können es noch gar nicht fassen: Beide haben sie je einen Echo Klassik 2015 für eine Kammermusikeinspielung mit Musik des 20./21. Jahrhunderts erhalten und stehen in der offiziellen Preisträgerliste sogar hintereinander. Das Trio Lézard, zu dem neben Stéphane Egeling (Oboe, Englischhorn, Bassoboe) noch Jan Creutz (Klarinette, Bassetthorn, Bassklarinette, Sopransaxofon) und Stefan Hoffmann (Fagott, Kontrafagott) gehören, wird in der Gruppierung „Bläser“ geehrt.

Das Detmolder Kammerorchester, zu dem Blanca Gleisner gehört, das unter der Leitung von Alfredo Perl Gustav Mahlers Werk „Das Lied von der Erde“ eingespielt hat, wurde von der Jury als Ensemble ausgezeichnet. „Natürlich spielen auch die Verkaufszahlen eine Rolle, schließlich ist das ein Preis der Musikindustrie“, erklärt Egeling. „Aber gleichzeitig werden die eingereichten Produktionen auch fachlich beurteilt, das ist uns sehr wichtig.“

Die Oboe ist für beide viel mehr als ein Instrument. Blanca Gleisner, die als Tochter deutschstämmiger Eltern in Chile geboren wurde, kann sich noch gut erinnern. „Wir hatten eine Musikschule. Irgendwann wurde dort eine Sinfonie gespielt, ich glaube von Schumann, meine Mutter spielte ein Cello-Solo, danach kam die Oboe.“ Die Fünfjährige war verzaubert und hatte ab sofort nur noch eine Sehnsucht: die Oboe, obwohl sie zunächst Block- und Querflöten sowie Klavierunterricht erhielt.

Im Alter von elf Jahren kam Blanca Gleisner mit ihrer Familie nach Deutschland, wo die Eltern in Osnabrück wieder eine Musikschule aufbauten und die talentierte Tochter endlich den ersten Oboen-Unterricht erhielt, bei Lukas Brandt. Dann folgte das Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover bei Professor Klaus Becker, zu dem sie auch heute noch Kontakt hat. „Ich schicke ihm immer zu Weihnachten Schoko-Nuss-Printen aus Aachen“, lacht sie. „Er kommt aus Neuss und sagt immer, dass er ohne diese Printen kein Weihnachten feiern kann.“

Faszination prägte auch Stéphane Egelings Entscheidung für die Oboe. „Das war allerdings alles ein bisschen unromantischer“, meint er. An der Mosel aufgewachsen, ging er als Schüler in den Chor der Musikschule Koblenz. „Es war zugleich der Musikschulchor, und ich habe alle Stimmlagen durchgemacht vom Sopran über Alt, Tenor bis zum Bass.“ In der Sopran-Zeit stand er genau hinter dem Continuo-Fagott. „Das hat mich unglaublich begeistert, ich habe mich quasi in den Klang eines Doppelrohrblatt-Instruments verliebt und dachte immer, dass das eine Oboe ist...“ Irgendwann suchte man im Schulorchester einen Schüler, der die Oboe lernen will, denn der Vorgänger hatte Abitur gemacht.

Als der Musiklehrer erklärte, das sei ein Instrument aus Holz mit ganz viel Metall, auf das man ein Rohrblatt steckt, war Egeling elektrisiert. „Ich glaubte, er beschreibt mein Wunschinstrument, und meldete mich sofort.“ Als er dann mit der Schul-Oboe konfrontiert wurde, war der Zwölfjährige erschüttert. „Ich habe es aber nicht zugegeben“, sagt er. Und längst ist er überzeugt: Das Schicksal hat die richtige Entscheidung getroffen. Inzwischen ist Egeling, der an der Hochschule für Musik in Saabrücken studiert hat und dort inzwischen unterrichtet, seit 19 Jahren Solo-Oboist im Sinfonieorchester Aachen. Im Alter von 35 Jahren hat er sich den Traum dann doch noch erfüllt, ein Fagott gekauft und erlernt. „Aber nur für den Hausgebrauch!“

Wie muss ein guter Oboist sein? Blanca Gleisner und Stéphane Egeling sind sich einig: Wer die Oboe spielt, sollte es auf der Bühne genießen, ruhig im Vordergrund zu stehen, um leuchtende, feine, runde Klanglinien zu spielen, bei denen das Publikum jeden schiefen Ton hören würde. Die beiden nennen es den „leichten Anflug von Narzissmus“.

Blanca Gleisners Oboe stammt aus der Werkstatt des japanischen Instrumentenbauers Yukio Nakamura, den seine Münchner Kommilitonen kurzerhand „Josef“ nannten, weil ihnen sein Name zu kompliziert war. Später nannte er sein Unternehmen „Musik Josef“ und jede Oboe ist eine „Josef“. „Sie begeistert mich durch ihren weichen, leuchtenden Klang“, schwärmt Blanca Gleisner.

Stéphane Egelings Instrument fertigte Roland Dupin, ein Franzose. „Mich begeistert die perfekte Mechanik, die Qualität dieser Oboe“, betont er. Beide lieben sie neben der Orchesterarbeit in Aachen den Austausch in der Kammermusik. Seit 25 Jahren gehört Egeling zum Trio Lézard, längst sind die drei Musiker Freunde. Und auch Blanca Gleisner möchte das Detmolder Kammerorchester nicht missen. „Die Einspielung von Mahlers ,Das Lied von der Erde‘ in einer Kammerversion ist außergewöhnlich und selten“, sagt sie stolz.

Antrag gestellt

Um an der Verleihung in Berlin teilnehmen zu können, mussten sie beim Orchesterbüro einen Antrag auf Dienstbefreiung stellen – zwei von vier Sinfonieorchester-Oboen werden also beim 2. Sinfoniekonzert am 18. und 19. Oktober fehlen. „Der Antrag wurde bewilligt, es wird aber ein Ersatz-Oboist engagiert“, sagen sie. Und auch der Aachener Modedesigner Björn Becker freut sich: Er erwartet von Blanca Gleisner als Gegenleistung ein Foto, das sie in seiner schulterfreien Kreation mit dem Echo in der Hand zeigt.

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