Aachener Maler Karl Otto Götz wird 103 Jahre alt

Von: Eckhard Hoog
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Vermutlich der älteste Künstler der Welt – heute wird er 103 Jahre alt: der in Aachen geborene Karl Otto Götz. Ihn pflegt seine Frau Rissa (78), mit der er seit über 50 Jahren verheiratet ist. Foto: Stephan Rauh

Wolfenacker. „Er will weiterleben, das ist doch toll – oder?“ Sein Lebenswille sei ungebrochen, erzählt Rissa, die Frau, mit der er seit über 50 Jahren verheiratet ist: Karl Otto Götz, von allen nur K.O. Götz genannt – vermutlich der älteste Künstler der Welt.

Am Mittwoch wird er 103 Jahre alt. „Eine kleine Feier wird es geben“, sagt Rissa, mit der wir am Dienstag telefoniert haben. Der Bürgermeister hat sich angesagt, ein Galeristenpaar und ein befreundeter Fotograf. Seit über 40 Jahren lebt das Paar in Wolfenacker, im südlichen Westerwald.

„Interessiert das denn die Leute überhaupt?“, fragt Rissa. „Wie es ihm geht?“ „Aber ja“, versichern wir ihr, „zumal in Aachen!“ Seiner Heimatstadt, wo K.O. Götz 1914, noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs, als Sohn eines Textilkaufmanns auf die Welt kam. Wo er sich sein erstes Atelier einrichtete – gleich hinter der Frankenburg war das. Und wo ihn 1935 ein Malverbot durch die Nazis ereilte, nachdem er Bilder im Schaufenster eines Schreibwarengeschäfts am Alexianergraben ausgestellt hatte. All das ist so lange her . . . „Sein Gehirn durchpflügt das alles“, sagt Rissa – mindestens seit ihrer Zeit als Professorin an der Düsseldorfer Kunstakademie trägt sie diesen Künstlernamen. Dort hatte sie ihren K.O. kennengelernt, wo er selbst Professor war, sie seine Schülerin. „Wenn er in einer Hochphase ist, erzählt er mir Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört habe – vom Verhältnis zu seiner Mutter zum Beispiel.“

Legende der informellen Malerei

K.O. Götz, die Künstlerlegende. Als authentischer Individualist der abstrakten Kunst ist er mit unverkennbarer Handschrift im Bereich der informellen Malerei längst in die Kunstgeschichte eingegangen. Und mit 103 malt er immer noch. Rissa: „Auf Blättern im DIN-A4-Format.“ Irgendwann zwischen den festen Zeiten seines Tagesablaufs hat er wieder Lust dazu. „Um neun Uhr frühstücken wir – Gemüse, Wurst, ein bisschen Käse –, dabei unterhalten wir uns. Später hört er gerne Musik“, erzählt Rissa. „Um drei Uhr gibt es Kaffee“, sagt sie.

„Manchmal hört er den ganzen Tag Fernsehen auf Phoenix und gibt Kommentare dazu ab oder stellt Fragen dazu. Er ist ja kein bisschen dement.“ Zwei Pflegekräfte helfen Rissa, den Alltag mit ihrem Mann zu bewältigen.

Ein überaus liebenswürdiger Mensch ist K.O. Götz, das hat wohl jeder sogleich gespürt, der ihm einmal begegnet ist. Ein Ausbund an Humor, um nicht zu sagen, ein Schalk, der die Ironie liebt. Seit Jahren sieht er leider nichts mehr. „Aber glauben Sie nicht, alles ist für ihn schwarz! Für ihn ist alles hell“, wundert sich Rissa.

Die Schüler aus seiner Düsseldorfer Zeit – sie sind selbst längst Legenden geworden. Gerhard Richter zum Beispiel, der hat zum 100. Geburtstag einen netten Brief geschrieben. Und HA Schult las bei der Geburtstagsfeier zum „100.“ im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum Gedichte von Götz und nahm an einer Plauderrunde teil.

20 Jahre Professor in Düsseldorf

20 Jahre – von 1959 bis 1979 – war Götz Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Und er prägte ganze Künstlergenerationen mit einem einzigen, schlichten, aber wohl unfassbar nachhaltig wirkenden Rat: „Sucht Euren eigenen, autonomen Weg! Jenseits aller Vorbilder!“ Ein Vorbild in paradoxem Sinne. Sigmar Polke und die ganze Düsseldorfer Mischpoke – die haben das ernst genommen.

Am Mittwoch gibt es selbst gebackenen Kuchen. Und auch wir wünschen herzlich alles Gute, K.O. Götz, zum 103. Geburtstag !

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