Aachen - Aachener Kunstverein: Internationale Anerkennung wächst weiter

Aachener Kunstverein: Internationale Anerkennung wächst weiter

Von: Eckhard Hoog
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Er hat den kontinuierlich wachsenden Erfolg des Neuen Aachener Kunstvereins hautnah miterlebt: Seit über 20 Jahren leitet der Mediziner und Kunstsammler Werner Dohmen den Verein als Vorsitzender. Foto: eho

Aachen. Gegründet wurde der Neue Aachener Kunstverein (NAK) zu einer Zeit, als weit und breit fast ausschließlich Peter und Irene Ludwig der zeitgenössischen Kunst eine Plattform bescherten. Knapp 23 Jahre später kennt man den NAK in Los Angeles genauso wie in London oder New York.

Nur: Wer mag sich dessen tatsächlich bewusst sein? Das fragt sich zum Beispiel Werner Dohmen, der den NAK seit knapp 21 Jahren leitet. Wir trafen den Mediziner und Kunstsammler jetzt zu einem Gespräch über Perspektiven und Stellenwert des Vereins im Kulturleben der Region, nachdem sich der NAK zum wiederholten Mal zum Karriere-Sprungbrett seiner Kuratorinnen erwiesen hat.

Wie berichtet, wechselt Melanie Bono ab Januar als stellvertretende Direktorin ans Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster.

Der mit 75.000 Euro dotierte Förderpreis der Kunststiftung NRW krönte zuletzt die erstaunlich kontinuierliche Entwicklung zu einer der ersten Adressen der Kunst in Deutschland. „Qualität ist das A und O”, sagt Werner Dohmen und definiert sie so: „Man muss rechtzeitig und sehr früh, möglichst als erste, künstlerische Positionen zeigen, die hinterher hohe internationale Anerkennung finden.”

Und genau das ist dem NAK immer wieder gelungen. Dafür stehen Namen wie der Berliner Anselm Reyle, der mittlerweile bei Sammlern Rekordpreise erzielt, der in Tokio geborene Jonathan Meese und die Fotografin Candida Höfer, Tochter des Fernsehjournalisten Werner Höfer, sowie Franz Ackermann.

Das NAK-Publikum scheut denn auch keine weite Reise, um in dem repräsentativ im Bauhaus-Stil umgebauten Anwesen im Stadtgarten „frische, überraschende Impulse und neue Sichtweisen” zu erleben, lange bevor sie den Kunstmarkt erobern. Aber selbstverständlich finden durchaus auch die Stars der Szene in die ehemalige, längst nicht mehr wiederzuerkennende „Muffelbude” des Grünflächenamts, zum Beispiel die angesagte gebürtige Iranerin Nairy Baghramian. So finden sich zu den Eröffnungen regelmäßig auch reichlich Kunstfreunde aus Düsseldorf und Köln ebenso ein wie aus Berlin und England.

Den Erfolg möglich gemacht haben dabei Kuratorinnen wie Malanie Bono, Stefanie Kreuzer und Susanne Titz, allesamt jetzt angesehene Ausstellungsmacherinnen mit außergewöhnlicher Qualifikationen, die so nur ein Kunstverein erforderlich macht. Werner Dohmen ist bei der Beschreibung absolut ehrlich: „Sie müssen praktisch alles können - von der Putzfrau bis zur Repräsentantin. Sie müssen bestens vernetzt sein, Messen besuchen, einen eigenen Blick haben, gut geöffnete Ohren, teamfähig nach oben und nach unten, mit Verstand arbeiten.”

Und dann auch noch mit den fünf „Alfa-Tieren” des Vorstand bestens auskommen. Kein Wunder, dass die Museen sich bei einem solchen Anforderungsprofil um die NAK-Kuratorinnen reißen. Schließlich müssen bei all dem auch noch die Finanzen stimmen - bei einem städtischen Zuschuss von 40.000 Euro und einem tatsächlichen Budget von 250.000 Euro lässt sich ahnen, wie schwierig sich diese Aufgabe gestalten lässt. Aber gerade die weitgehende Unabhängigkeit von der öffentlichen Hans, so Dohmen, garantiert ein experimentierfreudiges Programm wie in einem „Kunstlaboratorium”. Die berühmte „Quote” spielt keine Rolle, ebenso wenig die Besucherzahl, die keiner zählt. Uninteressant. Die öffentliche Fachmeinung ist es, die hier über Qualität urteilt.

Mit Gewinn für die Stadt und die Region, wie Werner Dohmen meint. „Eine florierende Stadt mit einem Campus und einer Elite-Hochschulebraucht eine funktionierende, attraktive Kultur, die wiederum interessante Leute anzieht. Es wird oft genug verkannt, dass Kultur die Qualität einer Stadt bestimmt.”

Wie hoch die Anerkennung des NAK ist, zeigt nachdrücklich die bevorstehende Jahresversteigerung von Kunstwerken am 12. Dezember, die von Galeristen und Künstlern aus ganz Deutschland zur Verfügung gestellt werden - die Haupteinnahmequelle, um das beachtliche Budget zu meistern. Den Hammer schwingt der führende Auktionator in Deutschland: Henrik Hanstein vom Kunsthaus Lempertz in Köln.

Traditionell ist zuvor eine Ausstellung der Objekte in den Räumen des NAK im Stil der Petersburger Hängung - dicht an dicht - wobei kurz vor der Versteigerung „Experten” durch die Schau führen. Diesmal gehört zu dieser Riege Brigitte Franzen, die Direktorin des Aachener Ludwig Forums, Alexander Markschies, Ordinarius am Kunsthistorischen Institut der RWTH Aachen, der Kunstwissenschaftler Gregor Jansen und kein Geringerer als Jan Hoet, Chef der socumenta IX in Kassel (1992) und zuletzt Leiter des Museums MARTa in Herford. Dohmen: „Wer sich richtig informieren will über junger deutsche und internationale Kunst, ist gut beraten, sich diese Ausstellung anzusehen.”

Die Position von Melanie Bono soll zum 1. April 2010 wieder besetzt werden. Dohmen: „Wir haben da keine Eile.” Qualität ist eben alles.
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