Aachener Kunstroute: Kafka in der Sperrmüll-Höhle

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Pilze „wachsen” aus der Wand
Pilze „wachsen” aus der Wand: eine Grusel-Ecke der Installation von Helge Hommes in der Aachener Galerie Freitag 18.30. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Kafka lässt grüßen - er ist der Blickfang des Mammut-Werkes gleich gegenüber der Eingangstür. Schwarz-weiß verbaut ist der Raum mit bemaltem Sperrmüll, der einen Raum im Raum bildet, dann einen engen Gang im Gang zum zweiten großen Galerieraum, der ebenfalls dank Sperrmüll Konsumdesaster und Zivilisationskritik gleichzeitig ist.

Eine regelrechte Kunsthöhle betritt der Besucher in der Aachener Galerie Freitag 18.30. Am kommenden Wochenende öffnet sie als eine von insgesamt 35 Stationen ihre Türen. An den Wänden pulst pralles Leben: Wie Streckennetze einer U-Bahn ziehen sich weiße Linien durch schwarze Felder, Porträts bekannter Künstler und Philosophen hängen dazwischen. Schnell erfassen die Blicke die chaotische Struktur, nur langsam gelingt die Orientierung in den Mehrfach-Überlagerungen von Sperrmüll-Bau, Wandmalerei, Porträts und Objekten zwischen Paranoia und Philosophie, Kulturkritik und Kitsch.

Der Künstler Helge Hommes ordnet seinem Kafka-Porträt ein paar Deko-Pilze zu, hübsch arrangiert auf einem Sessel vor einer schwarzen Grusel-Ecke. Ganz in der Nähe findet sich eine Reihe hölzerner Grabschilder mit Namen und Daten der Verstorbenen. Dank Hommes erfahren sie eine letzte Ehre, statt pietätlos auf dem Sperrmüll zu verrotten.

Neben der gigantischen Müll-zu-Kunst-Metamorphose, die den ironischen Titel „...noch besser leben” trägt, geht es dem zwischen Aachen und Leipzig pendelnden Künstler auch um die Wucht der Rebellion gegen den endlosen Konsum, der den Müll verursacht. Inmitten der bisweilen wuchtigen Installation, unter den Blicken der Denker kommt es zu blitzschnellen Assoziationen. Hommes hat in wochenlanger Arbeit eine Bühne des Lebens geschaffen, eine Bruchbude der Welt, die sich körperlich erfahren lässt - als Abenteuer von Entdeckungen für die Besucher, als Erlebensprozess auch für ihn selbst. In der Malerei schließlich, die sein ursprüngliches Metier ist, zitiert er sich selbst mit raumgreifenden Baum- und Astmotiven, die ihn bekannt machten.

Bescheiden, wie Hommes nun einmal ist, preist er nicht die enorme Vielschichtigkeit seiner etwa 75 Quadratmeter umfassenden Arbeit, sondern sagt schlicht: „Mir ist das Wichtigste, dass die Menschen, die die Ausstellung sehen, über sich nachdenken.” Dazu und zum Austausch der Gedanken werden die Besucher am Samstag und Sonntag Gelegenheit finden. Der Künstler wird in der Galerie Freitag 18.30, Steinkaulstraße 11, an beiden Tagen anwesend sein.

Die Aachener Kunstroute zeigt zum 15. Geburtstag in diesem Jahr so viel Kunst wie nie zuvor: An 35 Stationen in der ganzen Stadt präsentieren sich am kommenden Samstag und Sonntag Künstler, Galerien, Kunstvereine und Museen. Zentrale Anlaufstelle ist der Infopoint in der Aula Carolina, Pontstraße 7-9. Geöffnet: Samstag 11 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr.
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