Aachener Künstler Franz Buchholz wird 80 Jahre alt

Von: Eckhard Hoog
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Fast alle seine akustischen und kinetischen Werke haben ein geheimes technisches Innenleben: der Aachener Künstler Franz Buchholz. Am Mittwoch, 19. April, wird er 80 Jahre alt. Foto: Archiv

Würselen. Weiße Bällchen tanzen im Rhythmus der Musik, eine Kugel verströmt Klänge im ganzen Raum, Paganinis Sonate schallt aus einem Notenheft heraus, Papierblätter an der Wäscheleine sprechen Verse von Goethe, Heine und Ringelnatz.

Unfassbar – und doch nichts als Resultate eines gediegenen technischen Handwerks und einer überbordenden Fantasie. Man könnte auch sagen, dieser Mann ist ein raffinierter Tüftler mit sagenhaftem Vorstellungsvermögen: der Aachener Künstler Franz Buchholz. Am heutigen Mittwoch wird er 80 Jahre alt.

Sein Atelier betreibt er seit Jahren auf drei Etagen und sagenhaften 600 Quadratmetern in Würselen-Broichweiden. Man erreicht es am besten über ein Gässchen an der Jülicher Straße Nr. 1. Wer einmal tüchtig staunen und sich beeindrucken lassen will von unglaublichen Kunstwerken, die verblüffen und gleichzeitig Spaß machen, der sollte sich diese beiden Termine schon einmal vormerken: den 28. Mai und den 11. Juni. Dann nämlich lädt er jeweils von 12 bis 18 Uhr zu einem Atelierbesuch ein, bei dem man einen ganzen Querschnitt seiner vielfältigen Arbeit besichtigen kann. Und das ist eine ganze Menge.

Unzählige Objekte

In mehr als 40 Jahren hat er unzählige Objekte geschaffen, die ihr Geheimnis meist erst preisgeben, wenn der Kunstfreund selbst Hand anlegt: Schalter drückt zum Beispiel, Knöpfchen dreht oder einfach nur behutsam tastet. Kinetische und akustische Objekte sind Franz Buchholze_SSRq Spezialität, Elektronik ist sein Metier. Als langjähriger Mitarbeiter am RWTH-Institut für Akustik hat er Technikgeschichte geschrieben: Den berühmten „Kunstkopf“, der als Aufnahmetechnik auf der ganzen Welt verbreitet ist, hat er mitentwickelt – und sogar die äußerliche Gestaltung selbst entworfen.

Seit 1973 bilden Technik, Physik und Elektronik die tragenden Säulen seiner Kunst. Dabei ist keineswegs alles immer nur Spiel – ernste, ernst gemeinte und ernstzunehmende Botschaften gehören oft- mals dazu. Anklage und Mahnung fehlen ebenso wenig wie hintergründige Sinnzusammenhänge. Allerdings sitzt dem tüftelnden Hexenmeister immer wieder auch der Schalk im Nacken, der so manchem kritischen Impetus durch eine gehörige Portion Humor eine ganz neue Wendung gibt.

Beispiel: das Werk „Demagogen“ – eine Klangsäule mit zehn übereinander angeordneten Gebissen, die auf- und zuklappen, wenn gleichzeitig ertönt, was Politiker gelegentlich, zumal vor Wahlen, an unwahrscheinlich Wichtigem so von sich geben. Franz Buchholz hat alles aufgenommen für sein Klappgebissobjekt – ganze Abende lang. Beispiel: „Wir werden unser Land, Deutschland, Stück für Stück wieder zukunftsfester machen.“ Bei dieser Kunst darf durchaus herzlich gelacht werden!

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