Aachen - Aachener Künstler Benno Werth im Alter von 85 Jahren gestorben

Aachener Künstler Benno Werth im Alter von 85 Jahren gestorben

Von: hjd
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Er prägte die Kunstszene in der Euregio über Jahrzehnte hinweg mit: Der Maler und Bildhauer Benno Werth ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es ist noch gar nicht so lange her, da erwiesen Hunderte Freunde und Kunstinteressierte Benno Werth noch einmal ihre Reverenz. Im Aukloster Monschau und im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum waren im Frühjahr 2014 Malerei, Zeichnungen und Skulpturen zu sehen; Anlass war der 85. Geburtstags des Aachener Künstlers.

Werth selbst kam nicht zu den Ausstellungseröffnungen, seine schwere Krankheit ließ es nicht mehr zu. Am Samstag ist Benno Werth nun gestorben.

Werth hat die Kunstszene in Aachen und in der ganzen Euregio über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt. Und so lange es ihm möglich war, hat er gearbeitet, unterstützt von seiner langjährigen Lebensgefährtin Prof. Gisela Engeln-Müllges. Hat seine Bilder gemalt mit ihren sich überlappenden Farbwellen und Einzeltupfern, in denen sich der Betrachter verlieren kann. Hat an Skulpturen gearbeitet, die in ihrem schier grenzenlosen Erfindungsreichtum auch immer fast archaisch wirkten. Die Kunst, das war sein Leben. Und er war ein Typ, der auffiel: mit seinem unkonventionellen Auftreten, mit seiner schwarzen Lederhose und dem bis auf die Schulter fallenden Grauhaar.

Professor an der Hochschule

Geboren wurde Benno Werth am 4. April 1929 in Riesa. Kurz nach Kriegsende kam er mit seiner Familie ins Rheinland und studierte an der Düsseldorfer Peter-Behrens-Werkkunstschule. Er arbeitete als freier Bildhauer und Maler, doch er war auch immer Pädagoge, Lehrer im besten Sinne des Wortes. Über die Akademie Remscheid kam Werth als Dozent Anfang der 60er Jahre nach Aachen an die Pädagogischen Hochschule. Hier wurde er 1973 zum Studienprofessor ernannt und erhielt im Jahr 1985 eine ordentliche Professur für Bildende Kunst und ihre Didaktik.

Als die Pädagogische Hochschule aufgelöst wurde, wechselte Werth an die Fachhochschule, wo er im Fachbereich Design als Professor für Plastisches Gestalten und Formgestaltung wirkte, von 1992 bis 1994 auch als Dekan. Der „Dialog als Lebensprinzip“: Das war die Richtschnur, nach der Werth seine Lehrtätigkeit immer ausrichtete, die 1995 mit seiner Pensionierung endete.

Parallel dazu hat sich Werth natürlich immer in der Aachener Kunstszene getummelt, und die war zeitweise wahrhaft turbulent. 1968 war er dabei, als das „Zen-trum für aktuelle Kunst – Gegenverkehr“ an der Theaterstraße gegründet wurde. Zusammen mit dem Journalisten Klaus Honnef und dem Galeristen Will Kranenpohl sorgte Werth für künstlerisch frischen Wind in der Stadt; der „Gegenverkehr“ wurde mit seinen spektakulären Ausstellungen und Aktionen zu einem Treffpunkt der Avantgarde und wirkte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Eine Institution, deren Bedeutung für die Kunstszene in der ganzen Bundesrepublik hoch einzuschätzen war und die später von der Neuen Galerien – Sammlung Ludwig abgelöst wurde.

Mit gründlicher Technik

Der Künstler Werth hat seine Ausbildung an einer Werkschule nie verleugnen wollen. Seine Arbeiten zeugten immer von einer gründlichen, handwerklich sauberen Technik. Sie war ihm immer Voraussetzung für künstlerischen Ausdruck. Wie ein Kritiker einmal schrieb: Er spielte auf der Klaviatur der Techniken so souverän, wie er es auf den Tasten seines Flügels tat. Auch das führte dazu, dass sich in seine Arbeiten – ob Malerei, Skulpturen oder auch die Gestaltung von Plätzen und Straßen im öffentlichen Raum – nie „falscher Tiefsinn“ einschlich. Stattdessen: klare geistige Ordnung und Disziplin.

Nach seiner Pensionierung intensivierte Werth wieder seine eigene kreative Arbeit. Seine ungeheure Schaffenskraft mündete in Kunstwerken, mit denen er zahlreiche Ausstellungen bestückte – fast 150 waren es schließlich. In Aachen und der Euregio natürlich, aber auch in den USA, in Dänemark, Frankreich, Italien, Mexiko, Monaco, England oder Portugal.

Und auch in seiner Geburtsstadt Riesa in Sachsen, zu der er immer Kontakt gehalten hatte. Anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2009 wurde im Stadtmuseum Riesa sogar ein „Benno-Werth-Saal“ eingeweiht, in dem eine Dauerausstellung zu sehen ist, in dem aber auch Lesungen, Konzerte, Gesprächsrunden und andere Veranstaltungen stattfinden – ganz im Sinne von Werth, für den Kunst auch immer eine Art von Kommunikation war.

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