Aachener Filmemacher mit Buddhistin auf dem Weg der Weisheit

Von: Eckhard Hoog
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Die buddhistische Priesterin Maruko Tsuyuno betet auf dem „Weg der Weisheit“ – eine Art Jakobsweg Japans. Im japanischen Fernsehen hat sie eine Serie als Standup-Comedian. Der Aachener Filmemacher Frank Mirbach hat sie auf ihrer langen Wanderung acht Wochen lang begleitet, Arte zeigt den Zweiteiler „Der Weg der Weisheit“ an diesem Donnerstag und Freitag jeweils um 19.30 Uhr. Foto: Mineworks Film

Aachen/Tokio. Im Land der aufgehenden Sonne hat der Aachener Filmemacher Frank Mirbach, Inhaber der Filmproduktionsfirma Mineworks Film, ein besonders ungewöhnliches und aufregendes Projekt abgedreht – und die japanische Protagonistin, die er dabei mit seiner Kamera acht Wochen lang begleitet hat, ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

Eine 26-jährige buddhistische Priesterin mit kahlem Schädel, die im Hauptberuf ihr Geld als Standup-Comedian in einer Fernsehserie verdient. Sie begab sich auf den über 1000 Kilometer langen „Weg der Weisheit“ – so lautet auch der Titel des Zweiteilers für Arte und den NDR –, eine Art japanischer Jakobsweg für Buddhisten. An diesem Donnerstag und Freitag wird der Film bei Arte zur besten Sendezeit, jeweils um 19.30 Uhr, ausgestrahlt. Von einer Londoner Agentur wird das Werk weltweit vermarktet, ein spanischer Sender hat bereits als erster zugeschlagen.

Frank Mirbach hat die junge Dame auf ihrem Weg begleitet und dabei die verschiedenen Gesichter Japans porträtiert – in dem unglaublichen Kontrast von Tradition und Moderne.

Entstanden sind atemberaubende Aufnahmen in 6k-Auflösung: von jahrtausendealten Tempeln, üppigen Regenwäldern, betonierten Metropolen und blinkenden Neonwelten wie Osaka. „Der Japaner tickt anders“, erinnert sich Mirbach an die merkwürdigsten Rituale, denen er bei seiner Expedition begegnete. Allein das Präsentieren der Visitenkarten ist in Japan eine Zeremonie für sich, Dauerverbeugen inklusive. „Und jede Berührung des anderen ist absolut tabu. Aber die Japaner sind extrem gastfreundlich.“

Saigoku heißt der älteste Pilgerweg Japans. Maruko Tsuyuno, die buddhistische Priesterin, verbindet mit ihrer Wanderung einen Traum: einen eigenen Tempel zu gründen, in dem selbstmordgefährdete Menschen einen Ruhepunkt finden. „Wir haben das etwas entschärft und sprechen im Film von Hilfsbedürftigen“, bekennt Frank Mirbach gegenüber unserer Zeitung.

Auf jeden Fall kann Maruko Tsuyuno, die im Übrigen Mutter eines kleinen Söhnchens ist, bei aller Liebe zu ihrer Religion die komisch-lustige Seite ihres Wesens auch auf dem Pilgerpfad nicht verleugnen: Von ihrem Traum-Tempel spricht sie als „Supermarkt des Himmels“, in dem der gefährdete Zeitgenosse Waren für die Seele erwerben kann. Ihr Mann arbeitet hauptberuflich als Jongleur, ansonsten managt er den familiären Haushalt – für japanische Verhältnisse geradezu eine Großtat an männlicher Selbstverleugnung.

Wandern, bis die Sohle bricht – was sucht der Japaner auf dem Pfad der Weisheit? „Spirituelle Erfahrung durch Erschöpfung“, meint Frank Mirbach, Produzent, Regisseur und Kameramann in einer Person, der mit sieben Teamkollegen auf Tour war und beinahe selbst der Faszination des esoterischen Erlebnisses erlegen war. Hätte es da nicht die ziemlich diesseitigen Erfahrungen von Taifunen und ähnlich unangenehmen Erscheinungen gegeben, die das ganze Unternehmen zur Strapaze gemacht haben.

Rein filmtechnisch gesehen, war die Japan-Tour für den Aachener ein besonderes, vergleichsweise entspanntes Abenteuer: Während er früher für seine Mineworks-typischen spektakulären Aufnahmen hart auf den Helikopter-Kufen gesessen hat, schickt er mittlerweile Drohnen der High-End-Klasse in den Himmel – ist doch viel cooler, in jeder Beziehung.

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