Aachener Festival „Comiciade“: Vom ersten Strich zum fertigen Snoopy

Von: Christina Merkelbach
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In diesem Jahr Stargast des Aachener Comicfestivals: Peanuts-Zeichnerin Vicki Scott mit einer ihrer Arbeiten, die von Donnerstagabend bis Sonntag im Ludwig Forum zu sehen sind. Foto: Andreas Steindl
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Auch Cosplayer wie Laura aus Aachen alias Cora Mia kommen bei der Comiciade voll auf ihre Kosten: Im Hotel Total in St. Elisabeth, gegenüber dem Ludwig Forum, gibt es an allen drei Tagen einen „Ballroom“ mit abwechslungsreichem Programm wie zum Beispiel Kurzfilmen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Stargast war da. Aber wo waren bloß seine Bilder geblieben? Als Comiciade-Veranstalter Alexander Samsz Mitte vergangener Woche Peanuts-Zeichnerin Vicki Scott vom Düsseldorfer Flughafen abholte, fehlten die kostbaren Stücke auf dem Gepäckband. Nach einigem Hin und Her gaben die beiden ihre Suche auf und meldeten die Bilder als verloren.

 Als man sich in Aachen schon darauf eingestellt hatte, statt der Originale Fotografien zu zeigen, gab die Fluggesellschaft Entwarnung: Das Gepäck sei wieder aufgetaucht. Am Ausgabeschalter in Düsseldorf war es allerdings erneut verschwunden. Zunächst. Um letzten Endes doch noch aufzutauchen. Puh, wie in einem Comic!

Die Zeichnungen, die während des Aachener Festivals Comiciade von Donnerstagabend bis Sonntag im Ludwig Forum zu sehen sind, stammen also direkt aus Vicki Scotts Feder. Snoopy lacht, brüllt, schreit, schläft. Auch sein gefiederter gelber Freund Woodstock und viele andere Vertreter des Peanuts-Kosmos tummeln sich auf kleinteiligen Skizzen und großflächigen Bildern.

Mal hat Vicki Scott sie mit ein paar schwachen Bleistiftstrichen auf dem Papier zum Leben erweckt, dann wieder sind es kräftige, blaue Linien. Die Comics entstehen in mehreren Arbeitsschritten. „Für das, was Charles M. Schulz noch ganz alleine gemacht hat, gibt es inzwischen das siebenköpfige Team, zu dem ich gehöre“, erklärt sie und lacht. Charles M. Schulz hatte die Peanuts Ende der 1940er Jahre erfunden.

Viele dieser Schritte sind in der Ausstellung „In drei Tagen durch das Comic-Universum“ zu sehen. Der Titel spielt mit dem der Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen des Ludwig Forums: „In 86 Tagen um die Welt“. Sie ist ebenfalls während der Comiciade zu sehen. „Auch in der Jubiläumsausstellung finden sich Comic-Motive“, sagt Kuratorin Vanessa Roder. So gehöre etwa Andy Warhols „Saturday‘s Popeye“ von 1960 zur Aachener Sammlung Ludwig.

„In drei Tagen durch das Comic-Universum“ richtet sich wie die gesamte Comiciade nicht nur, aber ausdrücklich auch an Kinder. „Damit die Bilder auf Augenhöhe der Kinder sind, hängen sie tiefer als üblich“, erklärt Vanessa Roder. Neben den Peanuts können die Besucher in drei weiteren Räumen noch andere bekannte Comic-Helden treffen. Deren Schöpfer werden alle wie Vicki Scott bei der Eröffnung der Comiciade am Donnerstagabend im Ludwig Forum sein. Während des Festivals führen sie durch die Ausstellung, signieren Zeichnungen, Hefte und Bücher. Teilweise bieten sie auch Workshops an.

Mit Silvio Neuendorf, Erfinder des See-Abenteurers Käpt‘n Sharky, ist darunter ein Künstler aus der Region. Er stammt aus Echtz bei Düren und lebt mit seiner Familie in Kornelimünster. Die Einladung zur ersten Comiciade 2014 hatte er noch abgesagt.

Er sei kein Comic-Zeichner, meinte er. Umso mehr freut sich der Veranstalter, dass Silvio Neuendorf bei der zweiten Auflage des Festivals mit von der Partie ist. „Die Comiciade hat sich dem illustrierten Kinderbuch geöffnet“, sagt Alexander Samsz.

Kinderbuchautor Jörg Hilbert hat das Ritter-Rost-Universum geschaffen. Er steuert Reinzeichnungen seines Helden und von dessen Begleitern, dem Burgfräulein Böh und dem Drachen Koks, bei. „Ihm wurde immer vorgeworfen, dass seine Zeichnungen zu comiclastig seien. Das öffnete ihm den Weg zur Comiciade“, sagt Alexander Samsz.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich dem Comic „Vater und Sohn“. Zeichner Ulf K. und Texter Marc Lizano erzählen die Geschichten weiter, die der deutsche Zeichner E. O. Plauen zwischen 1934 und 1937 erdacht hat. Dort lässt sich besonders gut nachvollziehen, wie ein Comic entsteht. Ganz „Vater und Sohn“ habe sogar der Sohn von Ulf K einige Details zu einer Zeichnung beigetragen, sagt Alexander Samsz.

Er deutet auf zwei kindliche Zeichnungen von Tieren, die inmitten der Profiskizzen hängen. Im Bild daneben tauchen sie tatsächlich wieder auf. Eines von vielen schönen Details, die es bei der Comiciade zu entdecken geben wird. Ganz sicher.

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