Aachener Das Da Theater zeigt „Misery“

Von: Marc Wahnemühl
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Das Premierenpublikum war begeistert: „Misery“ nach dem Horrorroman von Stephen King hatte mit Bernhard Schnepf und Wieslawa Wesolowska Premiere im Aachener Das Da Theater. Foto: Achim Bieler

Aachen. Der Stoff des neuen Stücks „Misery“ des Aachener Das Da Theaters ist weltberühmt: Stephen King hat den Horrorroman (deutscher Titel „Sie“) 1987 geschrieben, Rob Reiner hat ihn 1990 mit Paul Caan und Kathy Bates, die für ihre Rolle den „Oscar“ erhielt, verfilmt.

Nun hat sich Regisseur Achim Bieler an das Meisterwerk gewagt – und in der Premiere am Donnerstagabend ein hervorragendes Kammerspiel abgeliefert.

Paul Sheldon (Bernhard Schnepf) erwacht, schwer verletzt, die Beine mehrfach gebrochen, den Arm in einer Schlinge. Der Erfolgsautor, gerade noch mit einem Preis für seine schnulzige Liebesgeschichtenreihe um Misery Chastain ausgezeichnet, war mit seinem Wagen in einem Schneesturm verunglückt.

Annie Wilkes (Wieslawa Wesolowska), examinierte Krankenschwester, findet Sheldon und pflegt ihn im Keller ihres kleinen Hauses mitten in der verschneiten Einöde. Ihn ins Krankenhaus zu bringen, sei wegen des Sturms nicht möglich, ebenso sei das Telefon ausgefallen. Dafür versorgt sie ihn medizinisch, gibt ihm reichlich Schmerzmittel, füttert ihn. Und sie stellt sich als fanatische Verehrerin seiner „Misery“-Romane heraus.

So weit, so gut, so glücklich für Sheldon. Doch Wilkes stellt sich als wahnsinnig heraus: Das Manuskript seines neuen Romans „Brooklyn brennt“ lehnt sie völlig ab – und zwingt den hilflos ans Bett gefesselten Sheldon, es zu verbrennen („Jetzt brennt Brooklyn wirklich!“), sonst gebe es eben mal keine neuen Schmerztabletten.Und als sie den neuesten „Misery“-Roman in den Händen hält, muss sie ihn in einem Rutsch durchlesen – Paul bleibt sich so lange im Keller allein überlassen.

Welch eine Katastrophe, als Wilkes am Schluss lesen muss, dass ihre über alles geliebte Misery stirbt! Für die Bühnenfassung hat sich Tom Hirtz bewusst an den Roman und nicht an den Film gehalten und auf den Zweikampf zwischen den beiden Hauptfiguren konzentriert. Gewalt wird nicht gezeigt, sondern der Fantasie der Zuschauer überlassen. Die wird auch durch das exzellente Bühnenbild (Frank Rommerskirchen) geschickt gesteuert.

Die Bühne zeigt den Keller und die darüberliegende Stube, in der Annie thront wie die Spinne, die ihr Netz bewacht. Kahle Birkenstämme deuten die Einsamkeit des abgelegenen Hauses an, und blaues Licht taucht die Szenerie in Eiseskälte. Ein Extralob den beiden Darstellern: Schnepf nimmt man die Schmerzen, die Ungläubigkeit, die schiere Verzweiflung jederzeit ab.

Wesolowska gibt die geisteskranke Annie glaubhaft. Ihre Wechsel von Anbetung zu extremer Wut sind erschreckend, und ihre als Fürsorge und Liebe verbrämte Allmachtsfantasie bleibt bis zum Schluss gruselig. Lang anhaltender Applaus mit Standig Ovations und etlichen „Bravo“-Rufen!„Misery“ ist im Das Da Theater, Liebigstr. 9, Aachen, noch bis 28. Februar immer donnerstags bis sonntags zu sehen. Infos und Karten unter Telefon 0241/161688.

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