50 Jahre Cappella Aquensis: Konzert geht unter die Haut

Von: PEDRO OBIERA
Letzte Aktualisierung:
5641003.jpg
Viel Applaus für das Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen der Cappella Aquensis: Dirigent Thomas Beaujean (Mitte), umgeben von seinem Chor, Mitgliedern des Sinfonieorchesters Aachen, dem Chor der Musikschule Aachen „Ars Cantandi“,und Solisten. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. 50 Jahre Cappella Aquensis: Ein würdiger Anlass zum Feiern, aber kein Grund für den traditionsreichen Chor, auf ein Zugstück des Standardrepertoires zurückzugreifen.

Thomas Beaujean, der den „Jubilar“ seit mittlerweile 36 Jahren zu etlichen Höhepunkten geführt hat, leistete mit seinen Sängern in der Vergangenheit so gute Arbeit, dass er auch zu einem so schwierigen und anspruchsvollen Werk wie Antonín Dvoáks „Requiem“ greifen kann.

Kühne Passagen

Komponiert hat es Dvoák um 1890 für Birmingham, in vollem Bewusstsein der glänzenden Traditionen englischer Chöre. Entsprechend wird dem Chor, der in nahezu allen Teilen des 95-minütigen Werks das Heft fest in Händen hält, nichts geschenkt. Nicht nur, was die Intonationssicherheit in den harmonisch kühnen Passagen oder den Umgang mit einer Bravour-Fuge wie „Quam olim Abrahae“ angeht, sondern auch mit seinen gestalterischen Ansprüchen verlangt der Komponist den Interpreten einiges ab.

Denn Dvoák gibt sich in seinem „Requiem“ noch dunkler und unverbindlicher als seine Kollegen Brahms, Fauré und sogar Verdi in ihren vergleichbaren Werken. Im „Dies Irae“ allerdings auch weniger plakativ als Verdi oder gar Berlioz.

Jubelndes Hosanna

Die schlichten Tam-Tam-Schläge im „Tuba mirum“ gehen in ihrer unheimlichen Dezenz geradezu unter die Haut. Selbst lichtere Momente wie das harfenbeseelte Offertorium, das jubelnde Hosanna oder das introvertierte „Pie Jesu“ legen ihren düsteren Trauerflor, wenn überhaupt, nur ganz kurz ab.

Eine große Herausforderung auch für den Dirigenten, der die Mammut-Elegie unter Spannung halten muss. Und das gelang Thomas Beaujean in der gut besuchten Kirche St. Michael mit seinem Chor, der wirkungsvoll vom Chor der Aachener Musikschule „Ars Cantandi“ verstärkt wurde, vortrefflich. Der musikdramatische Tonfall des Werks erfordert ein erstklassig einstudiertes Orchester und ein Opern-erprobtes Solisten-Quartett. Trotz oder gerade wegen der dunklen Grundierung verlangt Dvoák dem Orchester ein hohes Maß an farblichen Kontrasten ab, die beim Aachener Sinfonieorchester bestens aufgehoben waren.

Und auch das Solistenquartett nahm durch seine erfreuliche Homogenität für sich ein. Hervorzuheben sind Woong-Jo Choi mit seinem satten, bis in die tiefsten Abgründe substanzreichen Bass und Marion Eckstein mit ihrem balsamisch weichen Mezzosopran. Katharina Hagopian hat es mit ihrer exponierten Sopranpartie etwas schwerer, erfüllte ihre Aufgabe aber ebenso überzeugend wie der Tenor Xavier Moreno.

Viel Beifall und Blumen für ein würdiges Jubiläumskonzert eines Chores, von dem wir uns noch viele weitere Highlights auch abseits des gängigen Repertoires erhoffen dürfen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert