Aachen - 40 Jahre Charts: Die Lieblingssongs unserer Redaktion

40 Jahre Charts: Die Lieblingssongs unserer Redaktion

Von: red
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40 Jahre Charts: Unsere Kollegen blicken zurück auf ihre schönsten Charts-Erinnerungen. Grafik: Hans-Gerd Classen

Aachen. Hits! Hits! Hits! Seit 40 Jahren werden die Musik-Charts auch in Deutschland offiziell ermittelt. Unsere Redaktion hat in den Plattenkisten gewühlt und die ein oder andere ganz persönliche Nummer 1 für Euch rausgekramt.

Ed Sheeran - Shape Of You

Udo Kals, Deskchef: Die offiziellen Charts wirken 40 Jahre nach ihrer Gründung so, wie heute die Musik des ersten Spitzenreiters der Album-Hitliste klingt: Boney M – noch immer für einige tanzbar, aber ziemlich verstaubt, irgendwie von vorgestern. Kam früher praktisch niemand an der Bestenliste vorbei, interessiert die Musikfans inzwischen schon lange nicht mehr, wer die Nummer 1 ist.

Zwar haben die Macher der wöchentlichen Ranglisten längst auf die digitalen Entwicklungen reagiert. Doch Download- und Streaming-Zahlen zum Trotz ist die Zeit mit goldenen Schallplatten als Kompass für Musikliebhaber unwiederbringlich vorbei. Informelle Charts bei Facebook-Gruppenund Streamingdiensten wie Spotify oder anderen Zirkeln geben inzwischen den Takt an und den Ton vor. Verbunden ist dies mit einer drastisch reduzierten Halbwertzeit von (vermeintlichen) Hits. So passt zum runden Geburtstag eher ein Abgesang. Vielleicht gönnen wir uns vorher noch einmal Ed Sheerans „Shape Of You“, den bisherigen Hit des Jahres.

Howard Caprendale - Ti Amo (1977)

Jürgen Dietz, Producer: Ja, das Lied finden viele kitschig. Zugegeben, das Original von Umberto Tozzi ist sicherlich um Längen besser als die im Jahre 1977 erschienene Cover-Version von Howard Carpendale. Und trotzdem – man möge es mir verzeihen – ich war damals zarte zehn Jahre alt und konnte nicht genug von Howies  „Ti Amo“ bekommen.

Der Song wurde auf meinem Mono-Plattenspieler im Kinderzimmer rauf und runter gespielt. So viel Leidenschaft, so viel Herz-Schmerz – das kommt bis heute noch gut bei mir an. Carpendales Version war schließlich 26 Wochen in den deutschen Charts und schaffte es bis auf Platz 2. Und noch ein kleines Geheimnis: In meiner aktuellen Oldie-Playlist ist dieser Song immer noch vertreten.

Wheatus - Teenage Dirtbag (2000)

Nina Leßenich, Leiterin Onlineredaktion: Bei meinem ersten Diskobesuch war ich acht Jahre alt. Die Disko befand sich hinter den runtergelassenen Rolladen meines Kinderzimmers, die Partybeleuchtung waberte aus einer roten Lavalampe und der Bass krächzte aus meinem mobilen Kassettenrekorder, der drei Radiosender empfangen konnte. Der angesagte Soundtrack an diesem Abend: Die Chart-Sendung des lokalen Radiosenders. Und der mit Abstand beste Song, um mit der besten Freundin in Schlaghosen, Bauchfrei-Top und Tattoo-Kettchen bekleidet im elterlichen Kinderzimmer auf und ab zu hüpfen: Teenage Dirtback. Und zwar bis heute.

Gefeiert wird heute zwar nicht mehr im Kinderzimmer und die Schlaghosen haben wir über die Jahre (glücklicherweise) auch entsorgt. Der Höhepunkt jeder Party ist für uns aber trotzdem immer noch der Song von Wheatus, der 2000 25 Wochen lang in den deutschen Charts stand.

Bravo Hits (1990er)

Christina Vogt, Redakteurin: Ich bin ein Kind der 1990er Jahre. Ich trug Schlaghosen, Schnullerketten und natürlich las ich jede Woche die „Bravo“. Der „Bravo“  vertraute ich nicht nur in wichtigen Lebensfragen („Lieber Dr. Sommer...“), sondern auch bei meiner Musikauswahl vollends. Hunderttausende Bravo-Leser konnten nicht irren, deshalb kaufte ich alle paar Wochen die neueste „Bravo“-Hits Doppel-CD, die meine ganz persönlichen Charts darstellte. Von Loonas „Bailando“ über Mr. President mit „Coco Jambo“ bis hin zu „Barbie Girl“ von Aqua.

Mein Musikgeschmack damals war derart mainstreamig und grottig, dass ich mir rückblickend durchaus musikalische Früherziehung in Form eines (nicht vorhandenen) großen Bruders gewünscht hätte. Denn was mir damals leider niemand verraten hat: In den 1990ern gab es ja durchaus auch gute Musik. Man denke nur an Oasis, Blur, Nirvana oder Freundeskreis. Heute tragen Parties, auf denen die Musik der 90er läuft und sich alle nochmal so fühlen dürfen als wären sie 13 und nicht 31, häufig das Wort Trash im Namen: Trash-Pop, Trash-Island und so weiter. Und das zeigt doch, dass die Musik von damals vor allem eins ist: für die Tonne.

Rammstein - Sonne (2001)

Sarah-Lena Gombert, Lokalchefin Aachener Nachrichten: Wenn ich an Charts denke, dann denke ich vor allem an „Sonne“ von Rammstein. Das liegt nicht etwa daran, dass ich Rammstein besonders mag oder die Charts verfolge, sondern vielmehr an der Programmplanung des Musikfernsehsenders meiner Jugend: MTV. Dort liefen nämlich nicht nur haufenweise Musikvideos, sondern auch Zeichentrick- und Animeserien, „Daria“, „Lupin III“ oder „Visions of Escaflowne“, die ich regelmäßig mittwochs abends auf meinem ersten eigenen kleinen Röhrenfernseher geschaut habe.

Und direkt vor meinen Serien lief bei MTV eine Chartshow, bei der auch der Rammstein-Song gespielt wurde. Was in den einzelnen Episoden der Zeichentricksendungen lief, weiß ich nicht mehr so genau. Das Video zu „Sonne“ jedoch mit seiner makaberen, düsteren Version von Schneewittchen wird mir in Erinnerung bleiben.

Cindy Lauper - Girls Just Want To Have Fun (1983)

Andrea Zuleger, Redakteurin: Erst viel später habe ich ihn mal im Fernsehen gesehen. Mal Sondock, ein Ami mit kaugummiartigem Akzent und - sorry -  einem ein bisschen blöden Cowboyhut. Aber in den frühen 80ern spielte er in „Mal Sondocks Hitparade“ im WDR die Charts rauf und runter. Für Teenies in der Provinz damals fast die einzige Möglichkeit, musikalisch was von der Welt da draußen mitzubekommen.

Also haben alle zwischen 10 und 15 immer mittwochs abends vor dem Radio gehockt, den Zeigefinger locker auf der Rec-Taste des Kasettendecks positioniert, um blitzschnell zu drücken, wenn – zum Beispiel – Cindy Lauper „Girls Just Want To Have Fun“ sang. Leider hatte man dann auch immer Mals knödelig-sonore Stimme mit drauf. Dass der Typ aber auch immer dazwischen quatschen musste!

Michael Jackson - Thriller

Christian Rein, Teamleiter Region: Charts ohne Michael Jackson? Unvorstellbar. Zumindest wenn man seine Kindheit in den 80ern durchlebt hat. Dieses völlig abgefahrene Video zu „Thriller“ mit Jackson als Zombie zum Beispiel: Als die Sendung „Formel Eins“ den Kurzfilm – der Begriff „Clip“ ist bei einer Länge von 14 Minuten wirklich unangebracht – 1984 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erstmals zeigte, musste der Sendtermin auf eine Zeit nach 22 Uhr gelegt werden.

Aus Jugendschutzgründen, wegen des gruseligen Inhalts. Aus heutiger Warte wundert man sich über derlei Sensibilität. Aber wer damals auf dem Schulhof damit angeben konnte, das Video gesehen zu haben, war der King. Überhaupt: „Formel Eins“! Das war eine Art MTV, bevor man MTV in Deutschland schauen konnte. Und auf jeden Fall das bessere Gegenstück zur schlagerlastigen „Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck im ZDF.

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