4. Sinfoniekonzert: Melancholie und Lebensfreude

Von: Pedro Obiera
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Grandioses Sinfoniekonzert im ausverkauften Aachener Eurogress: Als Gastensemble begeisterte das David Orlowsky Trio das Publikum mit Klezmermusik – mit (von links) Bassist Florian Dohrmann, Gitarrist Jens-Uwe Popp und Klarinettist David Orlowsky. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eng wurde es im restlos ausverkauften Eurogress im Rahmen des 4. Sinfoniekonzerts. Das Risiko, mit „Symphonic Klezmer“ gängige Konzertformate aufzubrechen und damit manchen Hörer abschrecken zu können, entpuppte sich letztlich als Publikumsmagnet.

Dass mit dem David Orlowsky Trio ein stilkundiges Ensemble höchster Qualität engagiert wurde, verfehlte nicht seine Wirkung. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht.

Klarinettist David Orlowsky, Jens-Uwe Popp an der Gitarre und Bassist Florian Dohrmann bieten natürlich keinen waschechten Klezmer, sondern raffiniert verfeinerte Kreationen, die jedoch die „DNA des Klezmer“ durchschimmern lassen, wie David Orlowsky betont. Damit trifft das Trio den spezifisch abgedunkelten Klang des Klezmer, die eigentümliche Phrasierung, den melancholischen Unterton und den Nerv immer wieder aufblitzender Lebensfreude.

Mit ihren Eigenkompositionen gewannen die drei Musiker das Publikum im Laufschritt für sich. Die Streicher des Aachener Sinfonieorchesters unter Leitung des agilen Gastdirigenten Yoel Gamzou mussten sich freilich in den mehr oder weniger gelungenen Orchesterarrangements, von einigen kurzen Soli abgesehen, mit einer Statistenrolle begnügen.

Süßliche Klangfolie

Viel mehr als eine süßliche Klangfolie und ein paar rhythmische Akzente gab es nicht zu hören. Im Grunde weichte der symphonische Sound die Konturen der Musik nur auf, und letztlich war das Orchester hier so überflüssig wie die Berliner Philharmoniker bei den Scorpions.

Der Begeisterung des Publikums tat das keinen Abbruch. Schwerer hatten es die jüdisch angehauchten Werke von Prokofieff und Schostakowitsch vor der Pause. Sergej Prokofieffs „Ouvertüre über hebräische Themen“ konnte man anhören, dass es sich um eine brillant orchestrierte Gelegenheitsabriet handelt, die die Aachener Musiker allerdings makellos präsentierten. Tiefer schürft Dmitri Schostakowitsch mit dem ergreifenden Liederzyklus „Aus jiddischer Volkspoesie“ für drei Singstimmen und Orchester, mit dem der Komponist ein nachdenklich stimmendes Zeichen gegen den sowjetischen Antisemitismus setzen wollte. So engagiert das Orchester und die drei vorzüglichen Solisten Irina Popova (Sopran), Sanja Radiši (Alt) und Alexey Sayapin (Tenor) die elf überwiegend elegisch gefärbten Gesänge auch interpretierten: Ein tieferes Verständnis bleibt verwehrt, wenn dem Publikum nicht einmal die übersetzten Texte zur Verfügung gestellt werden.

Nach dem Auftritt katalanischer und türkischer Musiker im letzten Konzert ein weiterer Versuch, neue Wege im verkrusteten Konzertbetrieb einzuschlagen. Der Erfolg gibt den Veranstaltern recht. Auch wenn das Orchester diesmal nur die zweite Geige spielte.

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