Aachen - 4. Sinfoniekonzert: Eine der besseren Mahler-Darstellungen Boschs

4. Sinfoniekonzert: Eine der besseren Mahler-Darstellungen Boschs

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Himmelsfreuden” versprach das 4. städtische Sinfoniekonzert im gut besuchten Eurogress. Mit Beethovens Viertem Klavierkonzert, Mahlers Vierter Symphonie und dem russischen Pianisten Alexander Melnikov als Solisten war das Ziel durchaus greifbar. Ungetrübte Glücksgefühle wollten sich dennoch nicht einstellen.

Ausgerechnet der Pianist, der vor zwei Jahren als Einspringer mit Prokofieffs Zweitem Klavierkonzert für eine angenehme Überraschung sorgte, enttäuschte diesmal. Melnikov läuft Gefahr, durch extravagante Tempo- und Dynamikvorstellungen auf manirierte Abwege zu driften, die Beethovens Viertem Konzert nicht gut zu Gesicht stehen.

Wenn bereits das Hauptthema des Kopfsatzes seinen „Allegro”-Charakter einbüßt, wenn das rezitativische „Andante con moto” ohne jede Bewegung bis zum Stillstand zergrübelt wird, wenn im Finalrondo auf Kosten pianistischer Präzision ganze Passagen überdreht beschleunigt werden, verliert die Musik ihren natürlichen Fluss und wird zur Spielwiese eitler Selbstdarstellung. Eine Haltung, mit der Alexander Melnikov beileibe nicht allein in der prominenten Klavierszene steht, die dennoch keineswegs zum Vorbild taugt.

Abstrus zerdehnte Zugabe

Schade, dass Marcus Bosch mit dem Aachener Sinfonieorchester auf diesen Balztanz einging und das fragwürdige Ergebnis komplettierte. Wie sehr Melnikov diesen Interpretationsansatz bereits verinnerlicht hat, unterstrich er nicht zuletzt mit einer abstrus zerdehnten Schumann-Zugabe.

Boschs Begeisterung für Gustav Mahler hat nicht nur beglückende Momente gebracht. Die brutal dreinschlagende Interpretation der Sechsten Symphonie zuletzt markierte einen Tiefpunkt. Der auf den ersten Blick klassizistische Anstrich der Vierten Symphonie gelang Bosch wesentlich besser. Sein Einsatz für eine ausgefeilte Artikulation und lebendige Phrasierung schlägt sich auch in Mahlers kürzester Symphonie positiv nieder.

Wenn die idyllische Fassade allerdings einreißt und groteske, fratzenhafte Züge erkennen lässt, erscheint der Klang jedoch vergröbert, verliert die Musik an federnder Spannkraft. Die Umsetzung der diffizilen Stilbrüche bleibt offenbar ein bis jetzt ungelöstes Problem in Boschs Werksicht. Dem kleinen, aber heiklen Sopran-Solo im Finalsatz bleibt Michaela Maria Mayer der letzte Rest an glockenklarer Schwerelosigkeit schuldig.

Insgesamt eine der besseren Mahler-Darstellungen Boschs, auch wenn sich nicht in jedem Takt „Himmelsfreuden” einstellen wollten.
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