31 Produktionen in 25 Jahren: Rohestheater feiert Geburtstag

Von: Sonja Essers
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Das Rohestheater der Aachener Mies-van-der-Rohe-Schule in Aktion: 2014 kamen die Akteure mit dem Stück „1914-2014 Hurra!“ beim Theatertreffen der Jugend in Berlin in die Endausscheidung. In diesem Jahr nimmt das Rohestheater wieder teil und feiert sein 25-jähriges Bestehen.
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Sie leiten an der Mies-van der-Rohe-Schule in Aachen das Rohestheater: Kursleiter Eckhard Debour (links) und sein Mitstreiter Wilfried Schumacher. Foto: Harald Krömer

Aachen/Berlin. Vom allmorgendlichen Stress vor dem Schulgebäude – drängelnde Jugendliche inklusive – ist an diesem Nachmittag nichts mehr zu spüren. So langsam kehrt Ruhe ein in die Aachener Mies-van-der-Rohe-Schule – wäre da nicht dieses dumpfe Geräusch, das im Abstand von wenigen Sekunden aus der Aula der Schule auf die Straße dringt.

Erst bei genauerem Hinhören wird deutlich, dass es sich um einen Rap-Song handelt, bei dem der Bass deutlich dominiert. Hinter verschlossenen Türen wird fleißig geprobt. Für die Mitglieder des Rohestheater steht schließlich ein ganz besonderer Ausflug auf dem Programm. Im Rahmen des Theatertreffens der Jugend werden sie am 8. Juni ihr aktuelles Stück „Prima Klima“ im Haus der Berliner Festspiele aufführen.

Doch nicht nur darüber können sich Kursleiter Eckhard Debour, sein Mitstreiter Wilfried Schumacher und ihre Schüler in diesem Jahr freuen. Die Theatergruppe feiert auch ihr 25-jähriges Bestehen – und blickt damit auf eine besondere Erfolgsgeschichte zurück.

31 Produktionen hat das Rohestheater seit seiner Gründung erarbeitet und ist längst über eine Schultheatergruppe hinausgewachsen. „Wir wollen Theater zeigen, das die Leute auch als solches erkennen. Ein Theater, in das man auch gehen kann, wenn man nicht Mama und Papa eines Mitwirkenden ist“, sagt Debour. Hohe Erwartungen hat der Pädagoge nicht nur an sich selbst, sondern auch an seine Schüler. Jeden Freitag feilt die Gruppe, die aus rund 30 Mitgliedern besteht, sechs Stunden lang am Schauspiel und der technischen Umsetzung auf der Bühne. „Die Schüler investieren sehr viel Freizeit“, lobt Debour seine Schützlinge, die im Hintergrund gerade mit ihrem Aufwärmprogramm inklusive Stimmübungen beginnen.

Die Erfolgsstory des Rohestheaters kann sich sehen lassen. Bereits sieben Mal nahmen die Nachwuchstalente in der Vergangenheit am Landesschülertheatertreffen NRW teil, vier Mal waren sie beim bundesweiten Festival Schultheater der Länder mit von der Partie. Auch Theaterfestivals stehen jährlich auf dem Programm. Zwei Festivals hat die Gruppe sogar mitgegründet. Dazu gehören die Aachener Schultheatertage sowie das „Bina mira“, das 2008 als Reaktion auf den Bosnien-Krieg ins Leben gerufen wurde. Momentan denke man sogar darüber nach, das Landesschülertheatertreffen aus der Landeshauptstadt Düsseldorf im kommenden Jahr nach Aachen zu holen.

In Berlin ist die Truppe nun zum dritten Mal zu Gast. In diesem Jahr zählt das Rohestheater zu den einzigen beiden Schultheatergruppen, die dort vertreten sind. Die übrigen sechs Teilnehmer gehören professionellen Institutionen wie der Berliner Volksbühne oder dem Schauspielhaus Frankfurt an. Auf die Frage, wie es sei, zu den besten Gruppen im Land zu gehören, antwortet Debour: „Die Besten gibt es nicht. Die Leute wollen einfach interessante und innovative Produktionen sehen.“

104 Gruppen hatten sich für das Festival, das am Freitag beginnt und eine Woche dauert, beworben. Eine rückläufige Tendenz: „Als ich angefangen habe, waren es noch 340 Gruppen“, blickt Debour zurück und fügt hinzu: „Diese Form der Arbeit wird immer weniger. Wenn ich mal aufhöre, weiß ich nicht, ob es noch einen Nachfolger geben wird. Ich hoffe ja, dass das mal einer von meinen Schülern sein wird.“ Dass an einem technisch ausgerichteten Berufskolleg Fächer wie Kunst und Theater angeboten werden, sei nicht selbstverständlich. „Das macht einen besonderen Reiz aus“, sagt Debour.

Zu den Schauspielern gehören nicht nur die 15- bis 23-jährigen Schüler, sondern auch Ehemalige, die ihr Wissen an die Neulinge weitergeben. „Bei uns ist die ganze Mannschaft der Star und nicht der Einzelne“, sagt Debour. Und die bringt Schauspiele, aber auch Kabarett- und Kindertheater auf die Bühne. Im Mittelpunkt stehen jedoch Eigenproduktionen, die multimedial umgesetzt werden. So auch im Stück „Prima Klima“, bei dem die Schauspieler auf einer diagonal ansteigenden Bühne mit einer Projektionswand im Hintergrund spielen. Schauspiel und Video verschmelzen so miteinander.

Darauf werden die Schüler natürlich auch in der Hauptstadt nicht verzichten. Ein Reisebus inklusive Anhänger bringt die Truppe nach Berlin. Schließlich müssen nicht nur Gepäck und Kostüme verstaut werden, sondern auch die eigene Bühne. „Das ist schon eine große Management-Leistung“, sagt Debour und zeigt auf die zahlreichen Feuerwehrschläuche, die im Theaterstück „Prima Klima“ das Bühnenbild bestimmen. Sie dienen nicht nur als Öl- und Wasserpipeline, sondern werden von den Schülern auch zum Einwickeln und Kämpfen genutzt.

Nächstes Schuljahr „Cassandra“

Auf Bewegung und Dynamik legt Debour besonders viel Wert. Dazu kommen Textcollagen, die Fiktion mit dem aktuellen Politikgeschehen in Verbindung setzen. „Wir spielen fast nie vom Blatt“, sagt Debour, der mit seinen Schülern bis zu 15 Aufführungen pro Stück anbietet.

Auch für das kommende Schuljahr hat der Lehrer bereits ein mögliches Thema vor Augen: Die Themen Weltenbrand und Geschlechterkampf sollen mit Christa Wolffs „Cassandra“ vereint werden. „Das Thema habe ich schon ausgesucht, aber wie ich das später auf die Bühne bringe, steht noch nicht fest. Das ist ein Prozess, der sich Stück für Stück entwickelt“, sagt Debour.

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