Aachen - 3. Aachener Sinfoniekonzert mit der grandiosen Solistin Annelien Van Wauwe

3. Aachener Sinfoniekonzert mit der grandiosen Solistin Annelien Van Wauwe

Von: Armin Kaumanns
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Sie war der Star des Abends beim 3. Aachener Sinfoniekonzert: die belgische Klarinettistin Annelien Van Wauwe betörte das begeisterte Publikum im Eurogress. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Justus Thorau, Generalmusikdirektor der Zwischenzeit, ist am besten, wenn er genau sein muss. Am Pult des Sinfonieorchesters Aachen beim 3. Sinfoniekonzert der Saison glänzt der 31-Jährige aus Berlin besonders beim zeitgenössischen Teil des Programms, dem halbstündigen Klarinettenkonzert des Finnen Magnus Lindberg, mit untadeliger Schlagtechnik und klarem Gespür für den Moment.

Und offenbar ist dieses Stück Musik, das mit den Mitteln der Avantgarde eine Welt von Klängen erschafft, die weder abschrecken noch sich populistisch anbiedern und für den Umgang mit der Moderne stehen, gerade nach dem Geschmack Thoraus. Lindberg, dessen Lehrzeit beim großen Rautavaara sich gerade in der Ernsthaftigkeit seiner Komposition spiegelt, fordert nicht nur die Sinfoniker. Besonders die Solistin muss bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit vordringen. Und Thorau gebietet souverän über diese komplexe Gemengelage.

Ein Ausnahmetalent

Die belgische Klarinettistin Annelien Van Wauwe besitzt ein Ausnahmetalent. Sie ist auch gerade erst 30 und seit dem Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs 2012 auf dem Sprung in den Klassik-Himmel. Betörend und glänzend schmeichelt ihr Ton dem Ohr, kraftvoll, ungemein fingerfertig, hochmusikalisch beackert sie den nahezu pausenlosen Solopart. Immer wieder muss sie die Grifflöcher freiblasen, vor dem Beginn des langsamen Satzes hat sie vielleicht 15 Sekunden Zeit, das geschundene Rohrblatt gegen ein leichter anspringendes zu wechseln. Immer wieder muss sie die hohe körperliche Anstrengung aus ihren Schultern schütteln.

Als Lohn dieses Kraftaktes schenkt sie dem Publikum Einblick in einen Kosmos, der Licht und Schatten der nordischen Seele, wenn es denn so etwas gibt, offenbart. Reichlich Applaus erwidert ihren und der Sinfoniker Enthusiasmus.

Bei allem Zugeneigtsein für ungewohnte Hörerlebnisse trübt dennoch Thoraus Liebe für den vollen Orchesterklang den Gesamteindruck etwas. Annelien Van Wauwe ist bisweilen kaum zu hören im Blech- und Schlagwerk-Getöse. Das Fragile der Partitur kommt bisweilen arg kurz. Der satte Dur-Akkord am Schluss allerdings braucht gerade den Zucker, den Thorau ihm beigibt. Hübsch und passend gesellen sich zu Lindbergs neuen Tönen Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre und Sibelius’ 5. Sinfonie hinzu. Diese beiden weiteren „Nordlichter“ stehen am Beginn und am Ende der Romantik. Mendelssohns Naturlandschaften geraten Thorau etwas eckig, einige Rauheiten beschleichen die höhere Blech-Sektion.

Weit ausholende Gesten

Hier wie bei Sibelius wählt der sympathische Orchesterleiter häufig große, weit ausholende Gesten, um der Emotion Gestalt zu verleihen. Das ist wenig förderlich fürs Zusammenspiel, das aber auf sicherem Fundament gründet. Nach den fulminanten, beinahe empörten Schlussakkorden der 5. Sinfonie gibt’s dann noch eine süffige Zugabe – Sibelius’ „Valse triste“. Das ist zum Dahinschmelzen.

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