Aachen - 25 Jahre NAK: Kunst, die neu ist und Fragen aufwirft

25 Jahre NAK: Kunst, die neu ist und Fragen aufwirft

Von: Martina Rippholz, Werner Breuer und Christoph Hahn
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Wiedererkennungswert in der „Silver Show”: Eine große Fotowand reflektiert 25 Jahre NAK. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ja natürlich, die Abkürzung. „Wir hätten uns ja nicht Aachener Kunstverein nennen können”, sagt Werner Dohmen schmunzelnd, „einen AKV gab es ja schon.” Und so entstand vor 25 Jahren der Neue Aachener Kunstverein (NAK), ohne dass es zuvor einen alten gegeben hatte.

Neu am Kunstverein, damals wie heute: „Wir wollen immer aktuelle zeitgenössische Kunstpositionen zeigen”, sagt der NAK-Vorsitzende. Das Wort „aktuell” betont er besonders. Weil es eben neue, folglich oftmals junge Künstler und ihre Positionen sind, die der Verein seit seiner Gründung 1986 „ausgräbt”, wie Dohmen sagt. Solche, die dem Kunstmarkt noch weitgehend unbekannt sind.

Unentdeckte Talente, „die experimentieren, sich was trauen”. Genau das war Mitte der achtziger Jahre die Idee, die die Gründer des NAK - allen voran das Künstler-Urgestein Karl von Monschau - im Kopf hatten. Kreativen Nachwuchs entdecken, ihn befördern und etwas wagen: Da sahen sie zu dieser Zeit in Aachen Nachholbedarf.

Wechselvolle Geschichte

Mehr als zehn Jahre zuvor hatte es den „Gegenverkehr” als Zentrum für aktuelle Kunst gegeben. „Das war ein riesiger toller Luftballon, aber nach wenigen Jahren ist der geplatzt. Danach kam nichts mehr”, resümiert Dohmen.

In diesem „Vakuum” entstand dann der NAK. Auch in Abgrenzung zu den institutionalisierten Museen der Stadt, die aus der Sammlung des Industriellenehepaars Peter und Irene Ludwig entstanden waren. Dohmen trug sich am Tag der Eröffnung zunächst in die Mitgliederliste ein. Keine zwei Jahre später war er Vorsitzender des NAK und begleitet den Verein seither, durch eine teils wechselvolle Geschichte.

Nach den Anfängen am Grabenhof zog der Verein für ein kurzes Intermezzo in die Ottostraße. Schließlich mietete er rund 100 Quadratmeter in der Rudolfstraße an. „Das Theater K war auch dort ansässig. So hatten wir ein kleines Kulturzentrum.” Als 2001 das Gebäude des Grünflächenamts am Stadtpark frei wurde, zog der NAK letztmalig um. „Erst konnte man sich nicht so richtig vorstellen, wie aus der muffigen, verstaubten Amtsstube etwas werden kann”, erinnert sich Dohmen. Doch es wurde etwas. Für 900.000 D-Mark, finanziert von Sparkasse (600.000 DM) und Stadt Aachen (300.000 DM), wurde renoviert.

Heute sind die rund 200 Quadratmeter auf zwei Etagen hell und modern. Als Miete geht ein symbolischer Betrag an die Stadt. Für den restlichen laufenden Betrieb - Projekte, Kunstankauf, eine hauptamtliche Leiterin - stehen dem Verein 250.000 Euro Jahresbudget zur Verfügung. Finanziert vor allem durch die rund 400 Vereinsmitglieder, durch Sponsoren und eine kleine Förderung vonseiten der Stadt oder durch Auktionen.

Ansonsten geht es beim NAK ein bisschen so zu wie an der Börse - künstlerisch zumindest: Zu niedrigen Preisen steigt der Verein ein und setzt auf steigende Kurse. Um Geld geht es dabei allerdings nicht, „wir dürfen als Verein sowieso keine Gewinne machen”, sagt der Vorsitzende. Eher geht es darum, junge Künstler frühzeitig zu entdecken und so aktuelle und wichtige Positionen zu präsentieren. So manches Talent war schon beim NAK als Geheimtipp zu besichtigen, dessen Werke heute auf dem internationalen Kunstmarkt hoch gehandelt werden. „Wir sind immer bemüht, Dinge zu zeigen, die neu sind und Fragen aufwerfen”, sagt Dohmen. Dass man beim lustvollen Experimentieren schon mal danebenliegen kann, ficht ihn nicht an. „Natürlich hat es auch schon Reinfälle gegeben.”

Aber meistens lag der NAK in seiner Einschätzung goldrichtig. Das zeigt auch die Jubiläumsausstellung „The Silver Show”. Der Erfolg der vergangenen 25 Jahre zeigt sich aber auch im Ruf, den der Kunstverein in der Welt genießt. „Wir stehen international wirklich gut da. In London und Los Angeles spricht man vom NAK.

Schade, dass das im eigenen Laden nicht so gesehen wird”, sagt Dohmen mit Blick auf Aachen. Künftig will er die lokale und regionale Aufmerksamkeit gerne stärken. Durch neue Aktionen während der laufenden Ausstellungen. Vielleicht schon im Rahmen der „Silver Show”, die am Samstag eröffnet wird.

Die Präsentation verbindet rund 30 der Künstler, die während der zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnte in den Räumen des Kunstvereins ihre Werke gezeigt und ihre ersten Schritte auf dem Parkett des Kunstmarktes gemacht haben, zu einer bunten Mischung - quirlig, bunt, brodelnd.

Den Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldmann etwa haben die Aachener schon 1991 ausgestellt, als er noch nicht (wieder) berühmt war. „Jetzt, mit 70, ist der in aller Welt berühmt”, freut sich Werner Dohmen - und darüber, dass Feldmann mit seiner Arbeit (die er dem Verein zum Verkauf übergeben hat) dem NAK die Treue gehalten hat.

Das Werk, ein Doppelporträt eines Paares in der Manier des 19. Jahrhunderts, gehört zu den Höhepunkten der gesamten Ausstellung - weil es so (in den Schriftzug „Silver Show” hinein) gehängt ist, dass der Blick des Betrachters beim Betreten des Raums im Erdgeschoss darauf fällt, und weil es eine humoristische Note hat. Denn das historisch gewandete Paar schaut die Besucher, passend zum Silberjubiläum, mit Silberblick an.

Das Jubiläum wird indes von anderen Künstlern anders reflektiert. Raphael Danke zeigt ein Bild ganz in Silber, eine Art von Relief-Folie, aus der sich bei näherer Betrachtung zwei Figuren herausschälen. Andere Teilnehmer der „Silver Show” wiederum verkneifen sich solche direkten Bezüge.

Die Aachenerin Johanna Roderburg zeigt eine auf dem Rücksitz eines luxuriösen Autos drapierte Figur mit dem Konterfei von Michail Gorbatschow. Auch aktuelle politische Bezüge fehlen nicht - dafür sorgt schon Felix Droeses monumentaler Holzschnitt „Haushaltsloch”, mit dem er zur aktuellen Finanz- und Bankenkrise Stellung nimmt. Unbedingt sehenswert ist auch die große Bild-Wand mit Fotos aus den vergangenen 25 Jahren. Sie wird noch für manches „Weißt Du noch?”-Erlebnis sorgen.

Eröffnung am Samstag, Gespräche und Führungen

„The Silver Show” im NAK an der Passstraße in Aachen wird am Samstag um 19 Uhr eröffnet. Danach ist diese Ausstellung bis zum 20. November jeweils dienstags bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr zu sehen.

Gespräche und andere Einladungen zum Dialog zwischen den Arbeiten von Joachim Bandau, Jonathan Meese und anderen Künstlern werden in der Zeit der Ausstellung gleich mehrfach angeboten. So führt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des NAK, Stephanie Seidel, am Samstag, 22. Oktober, 16 Uhr, zusammen mit der ersten Leiterin, Dorett Pümpel, durch die Präsentation.

Mit Susanne Titz, heute Direktorin des Museums Abteiberg in Mönchengladbach, meldet sich am Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr, eine weitere Frau, die dem Kunstverein über Jahre in führender Stellung Gesicht und Gestalt gegeben hat, zu Wort - und zwar zusammen mit dem Sammler Wilhelm Schürmann.

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