2. Aachener Sinfoniekonzert: Flöten-Fantasie per Tuba geblasen

Von: Pedro Obiera
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Das 2. Sinfoniekonzert des Aachener Sinfonieorchesters im Eurogress bot Besonderes: Andreas Martin Hofmeir spielte nicht nur als Solist die Tuba, er moderierte den Abend auch noch. Foto: Andreas Steindl

Aachen. So sehr man es der Tuba und ihren fleißigen Bläsern auch gönnen mag, aus dem Schattendasein in den hinteren Reihen eines Orchesters heraustreten zu wollen: Das Problem liegt in der kaum vorhandenen und meist auch noch qualitativ mittelmäßigen Solo-Literatur für das mächtige Instrument.

Daran ändert auch das 1. Tuba-Konzert von Jörg Duda nichts, der seinem Freund Andreas Martin Hofmeir ein knapp gebautes, mit etlichen dankbaren Aufgaben gespicktes Virtuosenstück in die Finger geschrieben hat, das die Hörer des 2. Sinfoniekonzerts im ausverkauften Aachener Eurogress mit großem Vergnügen genossen.

Duda ist zweifellos ein pfiffiges Werk gelungen, das im ersten Satz mit seinen Ausflügen in die Welt des Tangos und der süßlichen Melodik Tschaikowskys eine gewisse Originalität erkennen lässt. Danach verflacht es allerdings zu einer reinen Schaubühne für die spieltechnische Perfektion des Solisten.

Die Problematik ist natürlich auch Hofmeir bewusst, der damit in seinen kabarettreifen Einführungsworten (selbst-)ironisch kokettierte. Und wenn dann auch noch eine Flöten-Fantasie von Telemann in einer Tuba-Fassung erklingt, nimmt die Musik ungeachtet der frappierenden Spielfertigkeit Hofmeirs ungewollt komische Züge an.

Mit Comedy-Qualitäten

Mag man das Ganze als reizvolle Abwechslung abhaken, wurden die Comedy-Qualitäten des bayerischen Bläsers und Moderators beim Hauptstück des Abends zum echten Problem, wenn nicht zum Ärgernis. Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ können ihr atmosphärisches Aroma und den Spannungsbogen nur in einer durchgehend zyklischen Darstellung entfalten beziehungsweise bewahren.

Es zerstört den musikalischen Zusammenhalt und Kontext, wenn jeder Teil einzeln kommentiert und dann noch mit flapsigen Gags garniert wird, die nicht einmal vor den Katakomben halt machen und Lacher an der falschen Stelle provozieren.

Das Publikum hatte seinen Spaß an der Freud‘. Dennoch gerieten nicht nur Mussorgskys geniales Werk und Ravels kongeniale Orchestrierung in ein schiefes Licht: Auch der Gastdirigent Hermann Bäumer hatte wenig Chancen, den zersplitterten „Bilder“-Salat zu einem geschlossenen Ganzen zu schmieden. Zu hören waren lediglich auf orchestrale Brillanz getrimmte Miniaturen mit den üblichen Attributen Aachener Sinfoniekonzerte: glänzende Leistungen des Orchesters sowohl in den Solo-Passagen als auch in der Totalen, dynamisch dominierende Bläser und diesmal auch überdimensional stark gerührte Trommelwirbel.

Auch Jean Sibelius‘ kurze symphonische Dichtung „Die Okeaniden“ bot dem Mainzer Generalmusikdirektor zum Auftakt des Abends nur wenig Gelegenheit, seine Qualitäten zu demonstrieren. Es erklang eine recht sensible, etwas schwerfällige Interpretation des Stücks, dem man allerdings die nötige Leuchtkraft schuldig blieb.

Nach dem mäßigen Start in die Konzertsaison vor wenigen Wochen ließ somit auch das 2. Sinfoniekonzert nachhaltige Impulse vermissen.

Warten wir auf Lars Vogt, der Mitte November als Pianist und Dirigent in Personalunion auftreten wird.

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