Filmfest Cannes startet mit Willis und Kruger
Cannes. Bruce Willis gab das Familienoberhaupt, das sich im Hintergrund hält und beobachtet. Bill Murray wirkte wie der schräge Onkel im wild-karierten Hemd und noch wilder karierten Sakko, und Edward Norton erinnerte an den euphorisierten Neffen, der aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskam.
Historiker und Publizist Arno Lustiger gestorben
Frankfurt/Main. Der Historiker und Publizist Arno Lustiger ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 88 Jahren, wie die jüdische Gemeinde in Frankfurt mitteilte. Lustiger hatte den Holocaust überlebt und galt als wichtige akademische Instanz für die Geschichte der Juden in dieser Zeit.
Mexikanischer Schriftsteller Carlos Fuentes gestorben
Mexiko-Stadt. Der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes, einer der größten lateinamerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, ist tot. Er starb überraschend am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Mexiko-Stadt. Staatspräsident Felipe Calderón bedauerte den Verlust des «geliebten und bewunderten» Autors.
Preußen-Diamant für 7,5 Millionen Euro versteigert
Genf/Potsdam. Einer der historisch bedeutendsten Edelsteine der Welt - der «Beau Sancy» aus dem Besitz der Preußenkönige - ist für umgerechnet knapp 7,5 Millionen Euro versteigert worden. Den Zuschlag bekam Dienstagabend in Genf ein Bieter am Telefon, der anonym bleiben wolle, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit.
Handkes «Schöne Tage von Aranjuez» in Wien
Wien. Eine Frau und ein Mann, ein geplantes Gespräch über Liebe und Sex. Ist das möglich? Oder ist das Scheitern programmiert?
Schwitzen wird Marcus Bosch bei «Tristan und Isolde» schon
Aachen. Er könnte sich seinen Abschied wahrlich leichter machen. Aber zum Abschluss seiner zehnjährigen Ära in Aachen wagt Generalmusikdirektor Marcus Bosch sich an ein Musikdrama, das alle Dimensionen sprengt: Wagners «Tristan und Isolde».
Das Betriebssystem hat sich verändert
Von Michael Loesl | 14.01.2012, 16:14
Blick nach vorne, in die Zukunft
Tatsächlich darf man den sechs Kölner Musikern, die sich in ihrer Gesamtsumme selbst als «Anti-Depressivum» betrachten, in diesem Jahr gratulieren. Zum 40-jährigen Band-Bestehen sowieso, aber vor allem zur neu gefundenen Kraft als Band-Kollektiv. Statt im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens die Asche dessen, was war, zu verehren, richten die Höhner den Blick nach vorne, in die Zukunft. Der Titel ihres neuen Albums «Höhner 4.0» ist deshalb nicht nur als Standortbestimmung zu verstehen, sondern vor allem als Vision.
Nicht von ungefähr hat die Band sich für einen Albumnamen entschieden, der wie ein Update eines Computerprogramms anmutet. «Das Betriebssystem Höhner ist heute ein völlig anderes als vor 20 Jahren», findet Hannes Schöner. «Der Geist der Band hat sich enorm entwickelt und ist mit dem von damals nicht mehr zu vergleichen. Unser Keyboarder Peter Werner hat dazu einen schönen Vergleich gefunden: Früher sind wir im Bummelzug gefahren, heute sind wir im ICE mit 240 Stundenkilometern unterwegs.»
Damit geht nicht nur ein neues Tempo, sondern auch eine andere Großräumigkeit im Denken, im Fühlen und auch ganz real im Radius einher, den die Band längst bespielt. Zwar leugnet keines der sechs Federviecher die Karnevals-Herkunft der Truppe. Aber die 15 neuen Songs von «Höhner 4.0» unterstreichen einmal mehr, dass die Band sich mit Themen beschäftigt, die wenig oder gar nicht um den Karneval kreisen. Es sei denn, man betrachtet Karneval grundsätzlich als Fest zum Feiern des Lebens.
«Quo Vadis», der erste Song der neuen Höhner will genau das schaffen, mitsamt geborgtem Coldplay-Zitat. In «Da hammer widder wat», einer augenzwinkernden Huldigung an die digitale Welt, werden die zuckenden Taktungen der Neuen Deutschen Welle aufgegriffen. «6 bis 8 Stunden Schlaf» ist die Höhner-Aufforderung, dem beschleunigten Lebens zu entsagen, und für «Manchmal du musst lachen» leistete Anke Engelke als Sprachtrainerin fürs ironische Deutschrussisch Hilfe.
Mit dem Annett-Louisan- und Roger-Cicero-Texter Frank Ramond holten sich die Höhner für drei Songs den Schreiber des deutschen Chansons schlechthin als Co-Autoren ins Boot, und am Ende darf Höhner-Drummer Janus Fröhlich in «Hemmungslos und unbeschwert» als Enfant Terrible glänzen.
Die schwere, inzwischen besiegte Krankheit des Schlagzeugers spielte im neu gefundenen Team-Gefüge der Band eine entscheidende Rolle, wie Hannes Schöner erzählt. «Wenn so ein Granateinschlag wie die Krankheit von Janus im letzten Karneval kommt, findet ein Bewusstseinssprung statt. Bei jedem von uns stellte der sich so ein: Lasst uns einfach das Leben so, wie wir es zurzeit vorfinden, genießen, gestalten, links und rechts gucken und nicht nur mit Scheuklappen geradeaus leben. Wir haben auch beim anderen geguckt: Was ist mit dem los? Geht's dem gut mit dem, was ich gerade mit ihm mache? Empathie und soziale Verantwortung sind auch wichtige Begriffe, wenn man in so einem System wie den Höhnern lebt.»
Das soll demnächst mit einer Smartphone-App für Fans der Band noch transparenter werden, wie Schöner und Krautmacher ankündigen, bevor sie noch eine politische Botschaft kundtun. «Das Internet ist ein Segen für die Menschheit, weil uns längst keiner mehr vormachen kann, dass der Russe ein Halbaffe ist, gegen den wir Atombomben richten müssen. Deswegen feiern wir die digitale Zukunft, und deshalb heißt unser neues Album auch ganz bewusst «Höhner 4.0».
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