Rührendes Drama: „Begabt - Die Gleichung eines Lebens”

Von: Fabian May
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Begabt - Die Gleichung eines Lebens
Kinderstar Mckenna Grace als Mary und Chris Evans als Onkel Frank harmonieren im Film ausgezeichnet. Foto: Twentieth Century Fox

Berlin. Die meisten Erziehungsberechtigten würden da wahrscheinlich dankbar beipflichten: Nach dem ersten Schultag von Mary sagt die Lehrerin Bonnie, das Kind sei hochbegabt und gehöre auf eine spezielle Schule.

Was sonst, wenn eine Siebenjährige krumme Quadratwurzeln im Kopf ausrechnet und den Abschwung im Euroraum für unausweichlich erklärt?

Onkel Frank (Chris Evans; „Captain America”) reagiert im Kinofilm „Begabt - Die Gleichung eines Lebens” allerdings eher verdrossen. Der studierte Philosoph aus Boston, der lieber in Florida Boote repariert, wünscht sich für seine Nichte (Kinderstar Mckenna Grace) ein normales Kinderleben ohne Begabtenprogramme und Erwartungsdruck. Damit sie sich nicht jung umbringt wie einst die Mutter, seine Schwester, die eine geniale Mathematikerin war.

Dann allerdings taucht die förderwütige Großmutter Evelyn (Lindsay Duncan) auf, ebenfalls Mathematikerin. Sie fährt mit dem Mädchen an die Bostoner Elite-Uni M.I.T. und strengt eine Sorgerechtsklage an.

Diese Handlung erinnert an „Das Wunderkind Tate” (1991) von und mit Jodie Foster als überforderter Kellnerinnen-Mutter. Dagegen ist natürlich schwer anzukommen.

Trotzdem schafft Drehbuchautor Tom Flynn mit diesem Herzensprojekt einen durchgehend berührenden Film - und Regisseur Marc Webb ist nach der romantischen Komödie „(500) Days of Summer” und dem Superheldenfilm „The Amazing Spider-Man” verantwortlich für die sensible Gefühls-Choreografie.

Auch das Spiel ist durchgehend nuanciert und voller Leben, vom rastlosen Kind bis hin zur bedingungslos loyalen Nachbarin (Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer).

Da stören dann nur wenige ärgerliche Schwächen das Bild. Zum einen ist es seltsam, wie Frank am Ende eine Auflösung aus dem Hut zaubert, die er die ganze Zeit mit sich getragen hat. Musste er erst bereit dafür werden?

Zum anderen springen bis zum Happy End alle nach eigenem Gutdünken mit dem Kind um, ohne dessen Wünsche ernst zu nehmen. Außer natürlich der herzensklugen Nachbarin Roberta, aber auf die hört ja niemand.

Das alles ist in „Begabt - Die Gleichung eines Lebens” nicht nur ernst, sondern durch die Dialoge und Einfälle des Kinds auch witzig. So fiebert man umso mehr mit, ob das hinreißend eigensinnige Mädchen und der etwas sehr schweigsame Onkel eine Familie bleiben dürfen. Dabei verteilt man seine Sympathien auf mehrere Figuren.

Leider werden aus dem Fünf-Personen-Cast zwei Figuren fast gar nicht auserzählt. Außer ihrer mütterlichen Liebe zu Mary erfährt man etwa von der Nachbarin nichts. Und wer ist die unverschämt hübsche Frau in den immer raffinierteren Kostümen, die erst Mary unterrichtet und dann aus Versehen mit deren Onkel im Bett landet? Diesen Aspekt erzählt der Film ziemlich unaufgeregt.

Aber vielleicht ist das Absicht. Denn das Wichtigste und Schwierigste im Leben, erzählt dieser Film, ist ja immer die Familie.

Begabt - Die Gleichung eines Lebens, USA 2017, 101 Min., FSK ab 6, von Marc Webb, mit Mckenna Grace, Chris Evans, Lindsay Duncan, Octavia Spencer.

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