„Leaning into the Wind“ begleitet den Land-Art-Star Andy Goldsworthy

„Leaning into the Wind“ begleitet den Land-Art-Star Andy Goldsworthy

Von: ghj
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Arbeit mit Ästen, Blättern und Steinen: die Natur-Kunst von Andy Goldsworthy. Foto: Piffl Medien

Bereits in seiner wunderbaren Dokumentation „Rivers & Tides“ (2001) begleitete Thomas Riedelsheimer den in Schottland lebenden Land-Art-Künstler Andy Goldsworthy mehrere Jahre mit seiner Kamera. Mittlerweile ist Goldsworthy weltberühmt, die Kunstbücher seiner sehr vergänglichen Installationen findet man überall.

Nun zeigt Riedelsheimer in einer ebenfalls sehr schönen Doku eine neue Phase von Goldsworthys Schaffen: Es ist wieder das besondere Auge des einfachen, bescheidenen Künstlers, der auffällige Strukturen, Farben und Materialien in der Natur findet und sie spielerisch in filigranen Arrangements gestaltet. Und es ist der Kampf mit den Elementen, etwa die „Verkleidung“ dunkler Steine mit gelben, nassen Blättern, die vom Wind verweht werden. Oder eine poetische Geschichte von Findlingen, die mit den Gletschern in ihre neue Heimat reisten.

Zudem schildert Goldsworthy seine Faszination für tote, umgefallene Bäume. Aber man sieht ihn mittlerweile tatsächlich mehr in Städten. Auch Kräne und Kreissägen kommen ins Bild, seine Arbeiten wurden aufwendiger und benötigen helfende Hände.

„Leaning into the Wind“ reflektiert Goldsworthys Leben und Werk. Der vertraute Umgang mit dem Regisseur führt zu entspannten, sehr offenen Aussagen etwa über den Ursprung seines Arbeitens in der Landwirtschaft und gewährt auch Momente des Scheiterns. Die Zusammenarbeit Goldsworthys mit seiner Tochter Holly gibt der Kunst und der Person eine neue Dimension.

Aus ganz simplen und trotzdem tollen Ideen – sich etwa immer wieder vor dem Regen auf einen Bürgersteig zu legen und beim Aufstehen seine trockene Silhouette zu hinterlassen – entstehen seine betörend schönen Naturkunstwerke.

Das wird kongenial begleitet durch die Filmideen von Riedelsheimer. Beide Künstler haben den gleichen spielerischen Witz in der Inszenierung, wenn etwa Schafe das Auslegen einer weißen Decke in ihrer schlammig grünen Weide beobachten, die sie später mit ihren verdreckten Hufen zu einem Kunstwerk machen. Das ist alles auch immer wieder umwerfend komisch (den Abspann bitte nicht übersehen!) und damit weit entfernt von „hoher Kunst“.

Zur Vollendung dieser sehr intimen Annäherung an diesen einzigartigen Künstler stammt die Musik wieder – sehr dezent – von Fred Frith, über den Riedelsheimer ja auch ein unglaublich passendes Filmporträt („Step across the border“) gemacht hat. Gerade das Vergängliche und das genial-verrückt Spontane in Goldsworthys Kunst macht diesen Film zu einem Glücksfall. So wird spürbar, dass Film einzig und allein für solche Momente gemacht ist.

„Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy“ (Großbritannien, Deutschland 2016), Regie: Thomas Riedelsheimer, 97 Min., FSK: ab 0

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