Explosiver Höllentrip in „Berlin Falling”

Von: Bernard Darko
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Berlin Falling
Beklemmender Nervenkrieg: Tom Wlaschiha (l) und Ken Duken in „Berlin Falling”. Foto: Edith Held/GrandHotelPictures/NFP

Nürnberg. Das Verhängnis beginnt an einer Tankstelle, irgendwo in der Brandenburger Pampa. Ob er Feuer brauche, fragt der freundlich lächelnde Fremde unverfänglich. Frank Balzer zieht schon längst an einer Kippe, der Mann hat aber wohl ein ganz anderes Anliegen.

Nach Berlin wolle er, aus seiner Mitfahrgelegenheit sei aber nichts geworden - man habe ihn versetzt, erzählt er. Frank überlegt kurz und gibt sich einen Ruck, schließlich ist ja bald Weihnachten: „Meinetwegen”, sagt er knapp. Der Fremde darf mitfahren.

Wie schon die trübe Winterlandschaft erahnen lasst, wird es alles andere als ein beschaulicher Ausflug. Der Kinofilm „Berlin Falling” nimmt die Zuschauer vielmehr mit auf einen irren Höllentrip, der gänzlich vom ebenso intensiven wie vielschichtigen Spiel der beiden Hauptdarsteller Ken Duken und Tom Wlaschiha lebt.

Duken („Inglourious Basterds”) verkörpert den wortkargen Frank Balzer, einen abgehalfterten, traumatisierten Ex-Elitesoldaten mit Alkoholproblem.

Nach langer Zeit darf er seine bei der Ex-Frau lebende Tochter Lilly wieder sehen. Am Berliner Hauptbahnhof will er die Kleine abholen, ihr endlich ein guter Vater sein. Noch am Morgen mahnt ihn seine Ex, das gemeinsame Wochenende mit dem Kind nicht „zu versauen.” Sonst werde es keinen weiteren Kontaktversuch mehr für ihn geben.

Entsprechend angespannt tritt Frank die Reise nach Berlin an. Er will auf der Fahrt eigentlich nur seine Ruhe haben, wäre da nicht der redselige Anhalter Andreas. Als der im Auto kurzerhand die dröhnende Heavy-Metal-Musik ausschaltet, um sich Gehör zu verschaffen, rastet Frank aus und bremst abrupt.

Dabei rutscht der Inhalt von Andreas Rucksack heraus - eine tickende Bombe. Was dann folgt, ist ein beklemmender Nervenkrieg auf engstem Raum, der immer wieder in wüste Gewalt ausartet.

Binnen Minuten mutiert Andreas vom dankbaren Anhalter zu einem unheimlichen Erpresser mit sadistischen Zügen. Er droht Frank mit einer Pistole - und mit Mord an seiner Tochter Lilly, von der mutmaßliche Hintermänner im Zug offenbar Handyvideos machen und an Andreas schicken.

Frank sitzt zwar noch am Steuer, aber der Beifahrer am längeren Hebel. Und Andreas hat einen perfiden Plan: Frank soll am Berliner Hauptbahnhof die Bombe im Rucksack zünden.

Zu den Stärken von „Berlin Falling” gehören die schwindelerregenden Überraschungsmomente. In einer eindrücklichen Szene fährt das Filmduo am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vorbei - und schon werden böse Erinnerungen an den Anschlag dort im Dezember 2016 wach. Und wenig später könnte man sich fast bestätigt fühlen, als Andreas in einem Kabuff mit dem wehrlosen Frank ein Bekennervideo mit islamistischen Tönen aufnimmt.

Bei der letzten Fahrt zum geplanten Anschlagsort klingt der Drahtzieher dann zwar nicht weniger fanatisch, aber ideologisch ganz anders - nun denkt man eher an die Affäre um den rechtsextremen Bundeswehroffizier Franco A..

Überhaupt besticht vor allem das wandelbare Spiel von Wlaschiha (44), der international mit seiner Rolle in der US-Erfolgsserie „Game of Thrones” bekannt wurde. Und Duken glänzt in einer Doppelrolle. Denn in „Berlin Falling” steht der 38-jährige Schauspieler nicht nur vor der Kamera, sondern gibt gleichzeitig auch sein gelungenes Regiedebüt.

Berlin Falling, Deutschland 2017, 91 Min., FSK ab 16, von Ken Duken, mit Ken Duken, Tom Wlaschiha, Marisa Leonie Bach

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