Wie klingt eigentlich ein Ozean?

Von: dpa
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Im Südpolarmeer ist es eisigkalt. Trotzdem fühlen sich hier viele Walarten wohl. Die Grafik zeigt dir einige. Grafik: D. Dytert
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Im Südpolarmeer ist es eisigkalt. Trotzdem fühlen sich hier viele Walarten wohl. Die Grafik zeigt dir einige. Grafik: D. Dytert

Bergen. Wie klingt der Ozean? Der Forscher Sebastian Menze weiß es. Zusammen mit Kollegen hat er fast drei Jahre lang den Ozean abgehört. Dabei interessierten die Forscher sich für ein besonderes Gebiet: das Südpolarmeer, rund um die Antarktis.

„Das Südpolarmeer ist einer der letzten unberührten Ozeane“, erklärt der Forscher. Das bedeutet: Dort sind keine großen Containerschiffe unterwegs, es gibt keine Windräder im Meer und zum Beispiel auch keine Bohrinseln. Es gibt dort also kaum Geräusche, die von uns Menschen verursacht werden. Und genau das hat die Forscher interessiert: Wie klingt so ein unberührter Ozean? Welche Tiere leben dort und wie verhalten sie sich?

Normalerweise beobachten die Forscher die Tiere von Booten aus oder aus der Luft mit Flugzeugen. Aber das ist teuer, aufwendig und funktioniert auch nur tagsüber. Mithilfe der Mikrofone konnten die Experten die Tiere das ganze Jahr über beobachten – Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter. Die Unterwasser-Mikrofone hingen an Ketten, die am Meeresboden festgemacht waren.

An den Ketten hingen noch andere Messgeräte und mehrere Schwimmkörper. „Im Sommer ist es im Südpolarmeer richtig laut. Dann gibt es dort viele Stürme und große Wellen“, sagt der Forscher. Im Winter ist es dagegen leise.

Das hat etwas mit der Eisdecke zu tun, die sich in den Wintermonaten bildet. Das Wasser gefriert, es gibt keine Wellen mehr. „Das Eis wirkt zudem schallisolierend. Es dämpft alle Geräusche ab“, erklärt Sebastian Menze. Je dicker die Eisschicht ist, desto leiser wird es. Manche Tiere hört man das ganze Jahr über, zum Beispiel Blauwale. Andere Tiere wie Zwergwale sind vor allem im Winter zu hören.

Im Sommer sind die Zwergwale auffallend still. Vielleicht versuchen sie auf diese Weise, ihren Feinden aus dem Weg zu gehen – den Orcas. Diese sind im Sommer im Südpolarmeer unterwegs und machen unter anderem Jagd auf die kleinen Wale. Den antarktischen Winter verbringen die Orcas dagegen woanders. Die Zwergwale hätten also weniger zu befürchten.

Und noch etwas konnten die Forscher hören: Im Winter sind die Zwergwale nachts lauter als tagsüber. Das könnte mit ihrem Futter zu tun haben, dem Krill. Das sind kleine Lebewesen wie winzige Krebstierchen. Den Tag verbringt der Krill in tieferen Wasserschichten. Aber nachts schwimmen die Tierchen hinauf an die Wasseroberfläche. Für die Zwergwale beginnt dann die Futterzeit.

Auf den Aufnahmen aus dem Südpolarmeer kann man nicht nur Geräusche von Tieren hören – oder das Rauschen der Wellen. „Oft gibt es auch Erdbeben“, verrät der Forscher Sebastian Menze. Auf den Aufnahmen hört man dann ein tiefes Grollen und Dröhnen.

Und noch ein anderes Geräusch konnten die Forscher beobachten: ein Quietschen. „Das entsteht, wenn die Eisschollen aneinander reiben“, sagt der Fachmann.

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