Wer macht Ferien mit Kühen?

Von: Aglaja Adam
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Sommerferien mal anders: Johannes (13) kümmert sich auf einer Alm um Milchkühe und ihre Kälber. Foto: dpa

Spitzingsee. Johannes Weiß schlüpft in die Gummistiefel. Es hat geregnet, die Wiesen sind matschig. Mit seinem Opa Josef stapft der 13-Jährige den Berg hinauf, es ist ziemlich steil. Auf dem Hang, fast schon am Gipfel, grasen Kühe. Fünf von ihnen müssen zurück in den Stall zum Melken.

„Ronja, Sterni, Mokka, Puma und Flinserl, auf geht‘s“, ruft Johannes. Die Kühe kommen angetrottet, die Glocken um ihren Hals bimmeln. „Wenn es neblig ist, muss ich horchen, wo es läutet“, sagt Johannes.

Die Kühe haben die Nacht auf der Wiese verbracht und saftiges Gras, Alpenblumen und Wildkräuter gefressen. Jetzt sind ihre Euter gefüllt. Im Stall geht jede Milchkuh an den Melkstand. „Das Melken macht die Oma“, sagt Johannes. Aber ausprobiert hat er es schon, mit der Hand und mit der Melkmaschine.

Matratze unterm Dach

Für Johannes gibt es nichts Schöneres als einen Sommer mit seinen Kühen oben auf der Schönfeldalm in den bayerischen Alpen. Seine gesamten Sommerferien verbringt er mit den Großeltern in einer kleinen Hütte auf 1400 Metern Höhe. Das Haus ist aus Holz und Steinen und schon mehr als 300 Jahre alt.

Im vorderen Teil sind die Stube mit Herd, Tisch und Sofa und eine kleine Schlafkammer für Oma und Opa. Vom Wohnraum führt eine Tür direkt in den Stall. Dort ist auch die Toilette, gespült wird mit einem Eimer Wasser. Um zu seinem Schlafplatz zu gelangen, muss Johannes eine Leiter hinaufklettern. Unter dem Dach liegt seine Matratze.

Ausschlafen gibt‘s nicht. Obwohl Ferien sind, steht Johannes jeden Morgen um 7 Uhr auf. Die Großeltern sind dann schon wach. Nach einem Brot und einer Tasse Milch geht‘s los. „Ich hab immer was zu tun“, sagt Johannes. Er treibt die Kühe zusammen, füttert die Kälbchen, hilft beim Melken, muss den Stall ausmisten, macht Butter und Käse, sammelt Blaubeeren.

Auch heute muss Butter gemacht werden. Oma Angela schüttet die frische Milch in einen großen Behälter, der Zentrifuge heißt. Die Milch wird darin ganz schnell gedreht, so dass sich der leichtere Rahm von der schwereren Milch trennt. Der Rahm, also die Sahne, kommt in einen Rührkübel und wird zu Butter gerührt.

Mit der Magermilch geht Johannes nach draußen. Sie heißt so, weil das ganze Fett aus der Milch im Rahm gelandet ist. „Die ist für unsere Kälber“, sagt Johannes.

Keine Langeweile

Fünf Milchkühe, acht Kälber und 14 junge Kühe seiner Familie dürfen im Juni hoch auf die Wiesen im Gebirge. Diese heißen Alm. Die Großeltern bleiben als Senner vier Monate oben und kümmern sich um das Vieh. Johannes kommt an den Wochenenden hinauf. Seine Eltern bleiben unten im Tal. Sie müssen die Tiere auf ihrem Bauernhof in Schliersee versorgen.

In den Sommerferien fährt Johannes nur selten nach Hause. Langweilig wird es ihm auf der Alm nie. Abends spielt er gern mit Oma und Opa „Mensch ärgere dich nicht“. Einen Fernseher oder Computer mit Internet gibt es auf der Alm nicht. Johannes ist das egal. Oft ist er müde und geht früh schlafen. Denn er muss ja ausgeruht sein für die vielen Abenteuer mit den Kühen.

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