Aachen - Kinderuni: Warum die kleine Tanne im Töpfchen unglücklich ist

Kinderuni: Warum die kleine Tanne im Töpfchen unglücklich ist

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
15848311.jpg
Interview mit einem Weihnachtsbaum: Simone Paganini greift auch zu ungewöhnlichen Methoden.

Aachen. Laut ging es zu bei der letzten Kinderuni dieses Jahres. Kein Wunder – kamen doch drei, sagen wir, Personen, zu Besuch, die in diesen Tagen Kinderherzen eindeutig höher schlagen lassen: Der Nikolaus, der Weihnachtsmann und auch der Weihnachtsbaum waren zu Gast in der Vorlesung von Professor Simone Paganini im Hörsaalgebäude C.A.R.L.

Der Professor für Bibeltheologie der Fakultät für katholische Theologie der RWTH Aachen hatte offensichtlich seine Beziehungen spielen lassen.

Eigentlich ging es Paganini in seiner Kinderuni-Vorlesung mit dem vielsagenden Titel „Und jedes Jahr grüßt der Weihnachtsmann… Oder war es doch das Christkind?“ um das Thema Quellen. Welche Quellen gibt es und wie prüft man die Echtheit der Quellen? Die Vorlesungsbesucher waren gut vorbereitet: „schriftliche Quellen“ und „bildliche Quellen“ fielen ihnen ein. „Und Menschen, die es selbst erlebt haben“, umschrieb ein Mädchen gekonnt die Quelle „Zeitzeuge“. Auf diese Antwort hatte „der beste Professor der Welt“ gewartet, denn so konnte Paganini seinen ersten Gast – den Nikolaus – präsentieren.

Von Engeln umgeben schritt „Nicolo“ – Paganini ist Italiener – im Bischofsgewand und mit Bischofsstab in den Hörsaal. Doch kaum wollte der Nikolaus, dessen Figur auf den Bischof Nikolaus von Myra zurückgeht, aus seinem nachweislichen Leben berichten und darüber, welche Legenden nachträglich über ihn erfunden wurden, stürmte von oben mit einem lauten „Ho, ho, ho“ der Weihnachtsmann hinzu und verteilte großzügig Schokobonbons aus einem großen Jutesack.

„Da hilft nur ein Experiment“, beschloss Paganini, „das Bartexperiment.“ Wer einen echten Bart hat, ist wohl auch eine echte Person und nicht nur eine erfundene Figur, sagte sich der Theologieprofessor und ließ Mattis kräftig an den haarigen Gesichtern der Männer ziehen. Bei dieser wissenschaftlich unumstrittenen Methode hatte der falsche Bart des Weihnachtsmannes natürlich keine Chance. „Erfunden wurde der Weihnachtsmann 1931 als Werbefigur für Coca Cola“, klärte Paganini die Kinder auf.

Schließlich hatte auch noch der Weihnachtsbaum seinen großen Auftritt – doch glücklich war die kleine Tanne in seinem Töpfchen nicht. Hatte man doch alle ihre Verwandten getötet, um sie als Christbaum in die Stube zu stellen. Zum Trost holte Paganini bei den Kindern ein – zugegeben leicht halbherziges – Versprechen ein, in diesem Jahr lieber ein Topf-Bäumchen in das eigene Wohnzimmer zu stellen, bevor sich alle mit einem deutlich überzeugter geschmetterten „Oh Tannenbaum“ in die Vorlesungspause verabschiedeten.

Weiter geht die Kinderuni der RWTH Aachen und des Zeitungsverlages Aachen am 20. April. Die Bewerbungsfrist für die neuen Kinderuni-Ausweise wird Anfang des nächsten Jahres online bekannt gegeben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert